Nationalratswahlen: Gedränge auf der Zürcher SVP-Liste
Aktualisiert

NationalratswahlenGedränge auf der Zürcher SVP-Liste

Wenn die SVP Zürich am Montagabend mit der Gestaltung ihrer Nationalratsliste beginnt, dürfen Junge nicht auf einen Bonus hoffen. Christoph Blocher jedoch ist gesetzt.

von
Lukas Mäder
«Christoph Blocher muss sich keine Sorgen um einen guten Listenplatz machen»: Walter Frey (links) ist bei der Zürcher SVP verantwortlich für die Gestaltung der Nationalratslisten. Aufnahme mit Christoph Blocher von Januar 2008.

«Christoph Blocher muss sich keine Sorgen um einen guten Listenplatz machen»: Walter Frey (links) ist bei der Zürcher SVP verantwortlich für die Gestaltung der Nationalratslisten. Aufnahme mit Christoph Blocher von Januar 2008.

Die guten Plätze auf der SVP-Liste des Kantons Zürich sind dieses Jahr besonders begehrt. Denn möglicherweise schafft im Oktober kein neuer Kandidat den Sprung in den Nationalrat. Von den zwölf amtierenden Nationalräten hat erst Hans Rutschmann angekündigt, nicht für eine weitere Legislatur zu kandidieren. Sein Platz ist jedoch so gut wie vergeben: Alt Bundesrat und SVP-Chefstratege Christoph Blocher tritt an - und seine Wahl steht ausser Zweifel. Zusätzlich drängen laut «Tages-Anzeiger» die Millionäre Thomas Matter und Hans-Ulrich Lehmann auf die Liste. Macht die Partei bei den Nationalratswahlen im Oktober keinen Sitzgewinn, ist der Listenplatz entscheidend, um einen bisherigen Vertreter in Bern zu verdrängen.

Verantwortlich für die Gestaltung der Zürcher SVP-Liste ist eine Kommission unter Führung des alt Nationalrats und SVP-Vizepräsidenten Walter Frey. Am Montagabend trifft sie sich zum ersten Mal. Die Kommission hat einige Macht, auch wenn sie sich an gewisse Grundsätze halten muss, wie Frey sagt. So werden die bisherigen Nationalräte bevorzugt ebenso wie Kandidaten, die bereits vor vier Jahren angetreten waren und gut abgeschnitten hatten. Doch Ausnahmen sind möglich - so dieses Jahr bei Christoph Blocher. «Er muss sich keine Sorgen um einen guten Listenplatz machen», sagt Frey.

Vor vier Jahren jüngere Städter bevorzugt

Weniger sicher ist eine Ausnahme bei Jungen oder Frauen, wie dies vor vier Jahren der Fall war. Die damals 31-jährige Winterthurerin Natalie Rickli und der 45-jährige Stadtzürcher Alfred Heer bekamen den zweiten beziehungsweise siebten Platz auf der SVP-Liste - vor mehreren Bisherigen. Dieser gute Listenplatz hat ihnen den Einzug ins nationale Parlament ermöglicht. «Wir wollten eine stärkere Vertretung der Städte, der Jüngeren sowie der Frauen im Nationalrat», sagt Frey, bereits 2007 Präsident der Zürcher Listengestaltungskommission. Diese Bevorzugung habe auch zu Diskussionen geführt an der Delegiertenversammlung, welche die Liste absegnen muss. Dieses Jahr könne die Kommission nicht die gleichen Argumente aufführen, sagt Frey. «Ich weiss deshalb nicht, ob wir jüngere Kandidaten erneut bevorzugen.»

Damit stehen die Aussichten schlecht für Kandidaten wie die 34-jährige Kantonsrätin Barbara Steinemann, den 38-jährigen Ex-Generalsekretär der SVP Schweiz, Gregor Rutz, oder den 43-jährigen Kantonsrat Claudio Zanetti, bekannt auch als Komoderator des CC-Talk auf StarTV. Diese hatten sich früher kritisch gegenüber den alten und teilweise langjährigen SVP-Nationalräten gezeigt. «Die Alten sollen den Jüngeren Platz machen», sagte Steinemann letzten Juli im «SonntagsBlick». Inzwischen ist sie für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar. Ebenfalls kategorisch nicht äussern will sich Rutz.

Hüter des SVP-Maskottchens

Zanetti ist ebenfalls zurückhaltend. Er erhoffe sich für die kommende Wahl einen besseren Listenplatz. Vor vier Jahren startete er noch vom 23. Platz und machte bei der Wahl fünf Plätze gut. «Etwa mit dem 15. Platz hätte ich valable Chancen», sagt Zanetti. Die SVP des Kantons Zürich stellt derzeit zwölf Nationalräte. Dass elf von ihnen voraussichtlich nochmals antreten, unterstützt er nicht vorbehaltlos. «Ich hätte nichts dagegen, wenn der eine oder andere zurücktreten werde.» Es sei nicht jeder von ihnen eine Kämpfernatur, obwohl die meisten der langjährigen Vertreter in Bern eine gute Arbeit machen, sagt Zanetti. Wen er konkret kritisiert, will er nicht sagen. Vermutlich denkt er an den Otelfinger Landwirt Ernst Schibli, den es brauche - wie Parteikollegen witzeln -, um das SVP-Maskottchen Zottel zu hüten.

Möglicherweise spricht die Partei noch mit Schibli. Zumindest grundsätzlich kommt es manchmal vor, dass die Verantwortlichen mit einzelnen Nationalräten das Gespräch suchen, sagt Kommissionspräsident Frey. «Es kann sein, dass jemand in Bern schlecht politisiert hat.» Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass die SVP eine gute Liste hat. «Einzelschicksale treten dabei in den Hintergrund.»

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