Fluorchinolone: Gefährliche Antibiotika nur noch im Notfall erlaubt
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FluorchinoloneGefährliche Antibiotika nur noch im Notfall erlaubt

Sie sollen Kranke gesund machen, aber oft machen Antibiotika der Gruppe der Fluorchinolone sie noch kränker. Deshalb werden sie nun stark eingeschränkt.

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Wer Antibiotika nimmt, hofft darauf, gesund zu werden. Doch manche der zur Auswahl stehenden Präparate haben so schwere Nebenwirkungen, dass auch die schlimmste Harnwegsentzündung ein Klacks dagegen ist.

Wer Antibiotika nimmt, hofft darauf, gesund zu werden. Doch manche der zur Auswahl stehenden Präparate haben so schwere Nebenwirkungen, dass auch die schlimmste Harnwegsentzündung ein Klacks dagegen ist.

iStock/Dny59
Die Beschwerden der Fluorchinolone, früher Gyrasehemmer, reichen von Sehnenentzündungen und -rissen über Gelenk-, Muskel- und Hautschmerzen, ...

Die Beschwerden der Fluorchinolone, früher Gyrasehemmer, reichen von Sehnenentzündungen und -rissen über Gelenk-, Muskel- und Hautschmerzen, ...

iStock/Highwaystarz-photography
... Herzrhythmusstörungen, Halluzinationen, Verwirrung und epileptischen Anfällen ...

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iStock/Kzenon

Angesichts schwerwiegender Nebenwirkungen dürfen Ärzte sogenannte Fluorchinolon-Antibiotika nur noch sehr eingeschränkt verschreiben.

In einem «Rote-Hand-Brief» – ein Informationsschreiben über neu erkannte Arzneimittelrisiken – warnten die Pharmaunternehmen am Montag davor, die Nebenwirkungen könnten «lang anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und sind möglicherweise irreversibel». Die Rede ist unter anderem von Sehnenrissen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafstörungen und psychischen Störungen wie Depressionen und Angstzuständen.

Strenge Reglementierung

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn wurden die Anwendungsgebiete dieser fluorchinolonhaltigen Antibiotika daher eingeschränkt.

Sie sollen insbesondere nicht mehr verschrieben werden bei Infektionen, die auch ohne Behandlung abklingen, oder die nicht schwerwiegend sind. Gleiches gilt bei nicht bakteriellen Infektionen. Die Präparate der Gruppe der Fluorchinolone enthalten unter anderem die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin.

Nur dann, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen

Allein in Deutschland wurden 2015 knapp 5,9 Millionen Arzneimittelpackungen mit diesen Wirkstoffen von niedergelassenen Ärzten verordnet. Das waren bezogen auf alle Antibiotikaverordnungen die vierthäufigsten.

Die betroffenen Wirkstoffe sind antibakteriell wirksam und können schwerwiegende, lebensbedrohende Infektionen heilen. Nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK werden sie in der Praxis häufig aber auch bei Bagatellerkrankungen wie unkomplizierten Harnwegsinfekten oder Bronchitis und Sinusitis ambulant verordnet. Sie gelten als sogenannte Reserveantibiotika, die eingesetzt werden, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen.

Die Fluorchinolon-Antibiotika und ihre schwerwiegenden Nebenwirkungen stehen bereits seit längerem im Fokus der Arzneimittelbehörden und wurden entsprechend in der Packungsbeilage aufgeführt. Die neuen Einschränkungen sind das Ergebnis einer vom BfArM angestossenen europäischen Risikobewertung.

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Nach der Einnahme eines Antibiotikums vor drei Jahren ist im Leben von M. H. aus dem Kanton Solothurn nichts mehr, wie es war.

Nach der Einnahme eines Antibiotikums vor drei Jahren ist im Leben von M. H. aus dem Kanton Solothurn nichts mehr, wie es war.

zvg
Plötzlich litt er unter Sehnen- und Gelenkschmerzen, willkürlichen Muskelkontraktionen, Muskelschwäche, Albträumen und Angstattacken. Zudem verstärkte sich sein Tinnitus.

Plötzlich litt er unter Sehnen- und Gelenkschmerzen, willkürlichen Muskelkontraktionen, Muskelschwäche, Albträumen und Angstattacken. Zudem verstärkte sich sein Tinnitus.

iStock/Chesiirecat
Schnell hatte er einen Verdacht, was die Symptome ausgelöst haben könnte: das Antibiotikum Ciprofloxacin, das er kurz zuvor wegen einer vermuteten Gallenblasenentzündung während fünf Tagen eingenommen hatte, «jeweils zwei Tabletten pro Tag à 500 Milligramm», so M.H.

Schnell hatte er einen Verdacht, was die Symptome ausgelöst haben könnte: das Antibiotikum Ciprofloxacin, das er kurz zuvor wegen einer vermuteten Gallenblasenentzündung während fünf Tagen eingenommen hatte, «jeweils zwei Tabletten pro Tag à 500 Milligramm», so M.H.

Wikimedia Commons/Myself/CC BY 2.5

(fee/sda)

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