Seit März 2020 verschwunden - Gefährliche Grippe-Varianten dank Corona möglicherweise ausgestorben
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Seit März 2020 verschwundenGefährliche Grippe-Varianten dank Corona möglicherweise ausgestorben

Forscherinnen und Forscher beobachten, dass das Grippevirus an Diversität verliert. Schuld daran könnte ausgerechnet das Coronavirus sein.

von
Reto Heimann
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Das Grippevirus hat an Diversität verloren.

Das Grippevirus hat an Diversität verloren.

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Zwei gefährliche Virus-Varianten könnten ausgestorben sein.

Zwei gefährliche Virus-Varianten könnten ausgestorben sein.

AFP
Beide wurden seit März 2020 nicht mehr nachgewiesen.

Beide wurden seit März 2020 nicht mehr nachgewiesen.

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Darum gehts

  • Zwei gefährliche Grippe-Varianten sind seit März 2020 nicht mehr nachgewiesen worden.

  • Die Corona-Massnahmen haben dabei geholfen, auch die Grippe in Schach zu halten.

  • Sollten die Varianten wirklich ausgestorben sein, wird die Entwicklung des Grippe-Impfstoffs plötzlich einfacher.

Viren mutieren. Das wurde uns allen spätestens beim Covid-19-Virus schmerzlich bewusst. Die WHO unterscheidet unter tausenden mittlerweile vier besorgniserregende Corona-Varianten: Die Alpha-Variante, die erstmals in Grossbritannien nachgewiesen wurde; die Beta-Variante aus Südafrika; die Gamma-Variante, die in Brasilien entdeckt wurde; und die Delta-Variante, die zuerst am stärksten in Indien wütete (alles zu den neuen Namen der Varianten findest du hier)

Auch das Grippevirus mutiert. Dort unterscheidet man die Stämme Influenza A und Influenza B, die sich im Fall von Influenza A dann wiederum in verschiedene Untervarianten – sogenannte Kladen – unterteilen. Und eine solche Untervariante könnte nun ausgestorben sein. Das berichtet das Wissenschaftsportal «Stat», das der «Boston Globe» gehört.

Letzter Nachweis im März 2020

Konkret geht es um den Subtyp A/H3N2, der zur Influenza A gehört. A/H3N2 hat sich in den letzten acht Jahren immer weiter entwickelt und sich in Kladen mutiert, die genetisch immer weiter auseinander lagen. Das bedeutete gleichzeitig, dass es für Forschende immer schwieriger wurde zu entscheiden, welche Variante von H3N2 sie am besten in die Grippe-Impfung packten.

Nun aber zeigt sich: Eine gefährliche Klade von A/H3N2 könnte für immer verschwunden sein. Das Gleiche gilt für B/Yamagata, eine der beiden Viruslinien von Influenza B. Seit über einem Jahr wurden die beiden Grippe-Varianten auf der ganzen Welt nirgends mehr nachgewiesen. Die letzten beiden Einträge von A/H3N2 und B/Yamagata in die internationale Viren-Datenbank stammen aus dem März 2020.

Corona-Massnahmen halten Grippe in Schach

Natürlich lässt sich das zum Einen damit erklären, dass Forschungslabore seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sich hauptsächlich auf die Dokumentation von Covid-19 konzentrieren. Trotzdem stimmt Expertinnen und Experten das Ausbleiben von Nachweisen der betreffenden Varianten positiv. Denn die Corona-Schutzmassnahmen wie Abstandhalten, Maskentragen, Händewaschen und Home Office haben nicht nur im Kampf gegen das Coronavirus geholfen. Es waren zeitgleich wirksame Massahmen gegen das Grippevirus.

«Es gibt eine gute Chance, dass die A/H3N2 ausgestorben ist», sagt Trevor Bedford, der in Seattle als Computerbiologe arbeitet. «Aber die Welt ist ein grosser Ort», fügt Bedford an. Richard Webby, der ein WHO-Forschungszentrum zur Grippe leitet, sagt: «Das wird ohne Zweifel etwas an der Diversität der Grippeviren ändern, die da draussen zirkulieren. So etwas haben wir noch nie gesehen.» Die grosse Frage sei bloss, wie nachhaltig dieser Effekt sein werde.

Erleichterungen für Impfung?

Bis jetzt müssen Forscherinnen und Forscher jedes Jahr die vier dominantesten Virus-Varianten in die Grippeimpfung packen: Man spricht von einem sogenannten Vierfach-Impfstoff. Dabei werden die beiden wichtigsten Subtypen von Influenza A (H3N2 und H1N1) und die beiden Linien von Influenza B (Yamagata und Victoria) in die Impfung integriert.

«Wir arbeiten so hart an den Vierfachimpfstoffen. Wenn Yamagata wirklich ausgestorben ist, dann könnten wir zurück zu den Dreifachimpfungen», erklärt Ben Cowling, ein Grippe-Experte von der Universität Hong Kong. Er selbst ist eher skeptisch, dass die Linie Yamagata komplett verschwunden ist. Auch Richard Webby von der WHO traut der Sache noch nicht recht über den Weg. Er geht davon aus, dass die Yamagata-Linie einfach etwas ruhiger ist für den Moment, aber zurückkommen werde.

«Maskentragen auch bei Grippe-Ausbrüchen»

Das BAG meldete im Dezember für das Jahr 2020 viel weniger Grippefälle als noch für das Jahr 2019. Auch das BAG stellte dabei auf die geltenden Hygienemassnahmen ab, die es dem Grippevirus viel schwieriger gemacht hätten, sich zu verbreiten.

Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny meint, dass man aus den Corona-Massnahmen für die Zukunft viel lernen könne – auch in Bezug auf andere Infektionskrankheiten: «Die Grippe, die auch zu vielen Hospitalisationen führen kann, könnte mit den richtigen Massnahmen auch in Zukunft vermieden werden.» Für Cerny würde es Sinn ergeben, bei zukünftigen Grippe-Ausbrüchen sich an die Schutzmassnahmen zu erinnern: «Zum Beispiel Masken im öffentlichen Verkehr machen auch nach Corona Sinn. Das zeigt sich auch im asiatischen Raum, wo gerade in den kalten Wintermonaten die Leute vorsichtiger und Schutzmasken generell verbreitet sind.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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