Aktualisiert 28.12.2016 14:06

SchwarzmeergrundelGefährlicher Eindringling bedroht Schweizer Fische

Die Schweizer Fische sind in Gefahr: Die Laich fressende Schwarzmeergrundel breitet sich immer weiter aus. Nun warnt der Kanton Solothurn vor dem Räuber.

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Die Familie der Grundeln (Gobiidae) ist mit über 200 Gattungen und mehr als 1500 Arten die artenreichste Gruppe der Meeresfische. Einige Arten haben auch das Brack- und Süsswasser als Lebensraum erobert. Bild: eine Kesslergrundel (Ponticola kessleri)

Die Familie der Grundeln (Gobiidae) ist mit über 200 Gattungen und mehr als 1500 Arten die artenreichste Gruppe der Meeresfische. Einige Arten haben auch das Brack- und Süsswasser als Lebensraum erobert. Bild: eine Kesslergrundel (Ponticola kessleri)

Universität Basel/Philipp Hirsch
Nach der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals vor rund 20 Jahren wanderten im Schwarzen Meer und im Donau-Mündungsgebiet heimische Grundel-Arten ins Einzugsgebiet des Rheins ein. Bild: Kesslergrundel im Hafen Kleinhüningen

Nach der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals vor rund 20 Jahren wanderten im Schwarzen Meer und im Donau-Mündungsgebiet heimische Grundel-Arten ins Einzugsgebiet des Rheins ein. Bild: Kesslergrundel im Hafen Kleinhüningen

Universität Basel/Philipp Hirsch
2011 wurden sie erstmals in Basel festgestellt. Bild: Kesslergrundel

2011 wurden sie erstmals in Basel festgestellt. Bild: Kesslergrundel

Universität Basel/Philipp Hirsch

Die Schwarzmeergrundel ist seit Jahren ein wachsendes Problem in Schweizer Gewässern. In Basel ist der Kampf gegen den sich rasant ausbreitenden exotischen Fisch bereits verloren. Dort macht er laut SRF mittlerweile über 80 Prozent des Fischbestandes im Rhein aus.

Und die Ausbreitung rheinaufwärts schreitet stetig voran. Im Kanton Aargau ist der Laichräuber ebenfalls angekommen. Weiter als bis zum Kraftwerk Rheinfelden hat es die Schwarzmeergrundel bisher aber noch nicht geschafft.

«Unter allen Umständen verhindern»

Nun verschickt der Kanton Solothurn Hunderte Merkblätter an Fischer und Bootsbesitzer mit dem Aufruf: «Helfen Sie mit, die Verbreitung zu stoppen. Diese könnte verheerende Folgen für die heimische Fischfauna haben und muss unter allen Umständen verhindert werden.»

Der gefährliche Fisch ist anspruchslos, er laicht bis zu viermal im Jahr und kann in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Die Schwarzmeergrundel, der verschmutztes Wasser, niedriger Sauerstoffgehalt und starke Trübung nichts ausmachen, liebt langsam fliessende und stehende Gewässer – und frisst den Laich von heimischen Fischen.

Eier kleben an Booten

Auch der Mensch verschleppt die Schwarzmeergrundel weiter. Ihre Eier kleben oftmals an Booten – wechseln diese ungereinigt das Gewässer, breitet sich der Fisch dort aus. «Grundeln werden zudem in einschlägigen Foren als gute Köderfische angepriesen», schreibt der Kanton Solothurn auf seiner Website. Das Risiko bestehe, dass nach dem Fischen überzählige Grundeln lebend im Gewässer entsorgt würden.

Bootsbesitzer sind angehalten, ihr Boot gründlich mit Hochdruckreiniger abzuspritzen, bevor sie vom Rhein auf ein anderes Gewässer wechseln. Ausserdem müsse man aufmerksam sein: Die Schwarzmeergrundel gleicht auf den ersten Blick der heimischen Groppe. Dieser fehlt aber der Saugnapf am Bauch.

Von Frachtschiffen eingeschleppt

Den Fischern wird geraten, die Schwarzmeergrundel nach dem Fang sofort zu töten, sie niemals lebendig zu hältern und nicht als Köderfisch zu verwenden. Es sei wichtig, dass diese Regeln eingehalten werden, sagt Gabriel van der Veer, Fischbiologe des Kantons Solothurn. «Wenn die Schwarzmeergrundel mal da ist, ist es vorbei.» Dieser Fisch lasse sich nicht bekämpfen.

Nicht nur an der Verschleppung, auch an seiner Ausbreitung ist wohl der Mensch schuld: Man geht davon aus, dass die Grundeln nach der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals im Ballastwasser von Frachtschiffen in die Schweiz eingeschleppt wurden.

Fremde Fische bedrohen hiesige Fischbestände

Grundeln in der Reuse: Im Mai 2013 berichtete 20 Minuten über die Felduntersuchung einer Forschungsgruppe der Uni Basel.

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