Opfer in Todesangst versetzt: Gefährlicher Serieneinbrecher in Klinik eingewiesen
Aktualisiert

Opfer in Todesangst versetztGefährlicher Serieneinbrecher in Klinik eingewiesen

Auf der Flucht vor der Polizei ist ein serbischer Serieneinbrecher in eine Zürcher Wohnung eingedrungen und hat vier Personen als Geiseln genommen. Die beherzten Opfer konnten sich selber befreien. Der Täter muss jetzt in eine geschlossene Anstalt.

von
Attila Szenogrady

Der Vorfall ging auf den 27. September 2007 zurück. Damals hielt sich der heute 39-jährige Keller-Einbrecher an der Motorenstrasse und wurde in flagranti von der Polizei erwischt. Der Dieb flüchtete auf das Dach der Liegenschaft und drang über den Estrich in eine Wohnung ein. Dort bedrohte er den Mieter sowie dessen Sohn und beiden Kollegen mit einer Revolverattrappe und forderte sie auf, ruhig zu bleiben.

Es folgten Stunden der Angst. Vor allem als die Beteiligten vernahmen, wie Polizeibeamte im Treppenhaus nach dem Angeklagten suchten. Um die Witterung der Polizeihunde zu stören, schüttete dieser eine Flasche Whisky sowie Haarwasser vor die Wohnungstüre.

Mutige Befreiungsaktion

Dann hielt der Eindringling seine Geiseln zusätzlich mit einer blutverschmierten Spritze in Schach. Als sich der Täter zum Fenster begab, setzten die Opfer alles auf eine Karte und fielen über ihren gefährlichen «Besucher» her.

Es kam zu einer wilden Keilerei, wobei der mit Fäusten traktierte Angeklagte den Sohn und einen der Kollegen mit der Spritze jeweils in die Hand stach. Unterdessen konnte der Vater die Wohnungstüre öffnen und im Treppenhaus nach Hilfe rufen. Worauf der Einbrecher davon rannte. Er wurde wenige Stunden später von der Polizei verhaftet und sitzt seither hinter Gitter.

Verwahrung verlangt

Am Donnerstag musste sich der Serbe vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der zuständige Staatsanwalt verlangte für den psychisch gestörten Mann wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und diversen weiteren Delikten nicht nur eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren, sondern auch infolge eines hohen Rückfallrisikos die Verwahrung auf unbestimmte Zeit. Der Verteidiger sprach sich für 40 Monate und für eine stationäre Massnahme aus.

«Kleine Verwahrung»

Das Gericht ging von einem massiven Verschulden des Täters aus. Er sei in die Privatsphäre der Opfer eingedrungen. Diese würden heute noch unter den Folgen der Ereignisse leiden, sagte der Gerichtsvorsitzende. Aufgrund einer verminderten Schuldfähigkeit im mittleren Grade senkte das Gericht die Sanktion auf vier Jahre. Zudem verzichtete es auf eine Verwahrung auf unbestimmte Zeit.

Allerdings nur vorläufig. So ordneten die Richter mit der Einweisung des Angeklagten in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eine so genannte «kleine Verwahrung» an. Sollte sich der Mann in der Klinik als nicht therapierbar erweisen, droht ihm nachträglich doch noch die «grosse» Verwahrung.

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