Aktualisiert 11.07.2014 10:49

Tödliche Risiken

Gefährliches falsches LSD kursiert an Partys

Neue Partydrogen bringen Schweizer Konsumenten in Todesgefahr: Sie glauben, LSD zu nehmen, doch auf den Filzen befindet sich ein hochgefährlicher anderer Stoff.

von
Nicolas Saameli
Wer in diesem Sommer auf einer Party LSD angeboten bekommt, sollte aufpassen: Die Filze könnten einen tödlichen Stoff enthalten.

Wer in diesem Sommer auf einer Party LSD angeboten bekommt, sollte aufpassen: Die Filze könnten einen tödlichen Stoff enthalten.

In der Schweiz tauchen neue Drogen mit bisher noch wenig bekannten Substanzen auf. Vor allem Filze, die statt LSD die ähnlich wirkenden, aber viel gefährlicheren NBOMe-Stoffe enthalten, waren in den letzten Wochen in Zürich im Umlauf. Verkauft werden sie unter Namen wie «Chill Pill», «Beatles» oder «Arc-en-Ciel».

Alexander Bücheli, stellvertretender Betriebsleiter der Zürcher Jugendberatung Streetwork, warnt: «Das Problem an NBOMe ist, dass dieser Stoff länger braucht, bis es seine Wirkung entfaltet als LSD. Konsumenten geraten in Gefahr, aus Ungeduld eine Überdosis einzunehmen. Im Ausland sind schon Konsumenten gestorben.» Zuletzt geriet NBOMe in den USA in die Schlagzeilen: Ein 16-jähriger Schüler verlor sein Leben, weil er zwei Filze nacheinander konsumiert hatte.

NBOMe führt bei Überdosierung zu starken Durchblutungsstörungen, die lebensgefährlich sind. Zu erkennen ist die Substanz daran, dass sie im Gegensatz zu LSD bitter schmeckt.

«Dosierung besorgniserregend gestiegen»

Mit der Organisation Saferparty testet Alexander Bücheli regelmässig Drogen auf schädliche Stoffe. Bei den Tests entdecke man eine leichte Zunahme von bedrohlichen Substanzen, sagt er. Das sei aber nicht darauf zurückzuführen, dass Drogen häufiger gestreckt seien: «Inzwischen erhalten wir mehr Proben, deshalb können wir auch mehr unbekannte Inhaltsstoffe identifizieren.»

Man habe festgestellt, dass im Vergleich zu früheren Tests die Quote der gestreckten Ecstasy-Pillen gesunken sei - besorgniserregend sei dafür, dass vermehrt hochdosiertes Ecstasy auf dem Markt auftauche. «Die durchschnittliche Dosierung der Pillen ist seit 2009 um mehr als ein Drittel gestiegen.»

Neue Drogen gegen alte Gesetze

Das Erscheinen von neuen Rauschmitteln bereitet Fachleuten und Behörden Kopfschmerzen. Häufig reichen bereits kleine Abänderungen an den Stoffen, um deren Produktion aus der Illegalität zu ziehen. Koni Wäch, Präsident der szenennahen Organisation Eve & Rave, sagt: «Viele dieser sogenannten Research Chemicals werden im Ausland hergestellt, besonders in Deutschland sind sie verbreitet. Dort sind die Gesetze weniger umfassend als in der Schweiz und die Dealer kennen die Gesetzeslücken.»

Am 2. August findet in Zürich die Street Parade statt. Wäch rechnet nicht damit, dass dort viele Research Chemicals konsumiert würden. Schweizer Konsumenten seien eher an den klassischen Drogen interessiert, da man die hier in einer vergleichsweise guten Qualität erhalte. Aber: «Es werden viele deutsche Gäste zur Street Parade kommen. Das kann schon kurzfristig dazu führen, dass in Zürich mehr Research Chemicals auftauchen.»

Fehler gefunden?Jetzt melden.