Rainbow Looms: Gefälschte Armbändeli machen impotent
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Rainbow LoomsGefälschte Armbändeli machen impotent

Kaum ein Kind läuft derzeit ohne ein buntes Gummiband ums Handgelenk durch die Gegend. Doch wer auf Fälschungen hereinfällt, muss mit bösen gesundheitlichen Folgen rechnen.

von
vro

Früher waren es Lego, heute sind es Rainbow Looms. Auf der ganzen Welt trägt Jung und Alt derzeit farbige Armbänder, die aus kleinen Gummibändern geknüpft sind. Selbst vor dem britischen Königshaus machte der Trend keinen Halt. Doch was bei so manchem Kind ein Funkeln in den Augen auslöst, kann äusserst gefährlich werden. Denn wenn ein Produkt Erfolg hat, lassen Fälschungen nicht lange auf sich warten. Und die haben es in diesem Fall in sich, wie «Le Matin» schreibt. Denn die unechten Gummibändeli enthalten in manchen Fällen Phthalate, die gesundheitliche Schäden hervorrufen können. Bis zu 50 Prozent des Weichmachers haben irische Forscher in den Fälschungen gefunden. Der übliche Toleranzwert liegt bei 0,1 Prozent.

Doch damit nicht genug: Andere Studien machen die Weichmacher für Erkrankungen wie Diabetes, Übergewicht oder verminderte Fruchtbarkeit mitverantwortlich. «Es gibt Hinweise, dass Phthalate eine hormonähnliche Wirkung haben», bestätigt Martin Wilks, Direktor des schweizerischen Zentrums für angewandte Humantoxikologie. «Sie wirken vor allem auf die Fortpflanzungsorgane und können sich in hohen Konzentrationen wie Östrogen verhalten. Bei Kindern können solche Hormone zu einem verfrühten Brustwachstum führen, auch wenn ein direkter Zusammenhang mit Phthalaten bislang nicht bekannt ist.»

Oraler Kontakt erhöht die Gefahr

«Phthalate sind eigentlich weit verbreitet, in Kinderspielzeugen hat man sie aber aus Sicherheitsgründen verboten», sagt Hugo Kupferschmidt, Direktor des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums. Ähnlich erging es kürzlich einigen Spielzeugpuppen, die wegen ihres Phthalat-Gehalts in der Schweiz aus dem Verkehr gezogen wurden. Die Gummibändeli werden allerdings weiterhin fleissig verkauft. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat laut eigenen Angaben keine Kentnisse von gefälschten Bändeli, auch nicht auf dem Onlinemarkt. Die Originale würden den Normen entsprechen und seien für Kinder ab acht Jahren zugelassen.

Im Netz finden sich dennoch zahlreiche Bilder von Hautausschlägen bei Kindern, die angeblich von den Gummibändeli verursacht worden sind. Auch in der Schweiz sind gefälschte Rainbow Looms relativ einfach erhältlich. Eine Warnung wurde bisher noch nicht herausgegeben. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Insbesondere, wenn Kinder die Bändeli über längere Zeit tragen - oder sie in den Mund nehmen. «Dann ist die Chance sicher grösser, dass sie die Stoffe in ihrem Kreislauf aufnehmen», so Kupferschmidt. Er relativiert jedoch: «Bei Phthalaten ist es wie beim Rauchen. Nur weil jemand eine einzige Zigarette raucht, hat er nicht gleich Krebs. Aber auf die Masse hin betrachtet besteht ein erhöhtes Risiko.»

Nicht die einzige Gefahr

Doch nicht nur Phthalate können für Kinder gefährlich werden. Rund zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer Allergie gegen Latex. Die kann sich auch bei den Gummibändeli bemerkbar machen. Um herauszufinden, was für den Ausschlag verantwortlich sei, müsse man die genaue Zusammensetzung des Materials kennen, sagt Alessandro Diana, Pädiatrieleiter der Clinique des Grangettes in Genf, zu «Le Matin». In Amerika wandte sich ein besorgter Vater bereits an die Medien, weil sein Sohn aufgrund der Bändeli einen Hautausschlag bekam.

Hatten Sie oder Ihr Kind auch schon gesundheitliche Probleme wegen der Gummibändeli? Schreiben Sie uns mit Ihrer Telefonnummer auf feedback@20minuten.ch!

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