Aktualisiert 08.02.2010 10:34

Appenzeller BezirksgerichtGefälschte Bilder, gefälschte CDs

Die Akten umfassen 14 Kisten mit 90 Bundesordnern. An diesem Fall von mutmasslichem Betrugsversuch ist die frühere Innerrhoder Staatsanwältin unter anderem gescheitert. Das Bezirksgericht Appenzell befasst sich ab heute drei Tage mit dem verzwickten Fall.

Der Fall enthält alle Ingredienzen für einen Krimi oder einen Slapstick: Eine verschworene Gemeinschaft von Superschlauen, die mit getürkten Geldmarktpapieren im grossen Stil ins Trading-Geschäft (Wertpapierhandel) einsteigen und - ohne einen Rappen zu investieren - das ganz grosse Geld kassieren wollten.

Es war ein verhängnisvoller Mix aus Profitgier und Naivität. Das «Traum-Trading-Geschäft» platzte. Geschädigt wurde aber niemand.

Beller und Mr. Capone

Gefälschte Kontoauszüge und CDs, hektische Flüge nach London und New York zur Traderbank, nicht existierende UBS-Banker, ein fingierter «Herr Beller» der USB Zug, auf die Telefonnummer des Schwagers eines der Beteiligten umgeleitete Anrufe, sogar ein «Mr. Capone» war mit von der Partie. In der Schlussphase folgten Telefonabhörung, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen.

Eine zehn Jahre dauernde Untersuchung krönte diesen Mammut-Fall. Die Taten wurden im Jahr 1999 begangen. 2000 reichte die UBS Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Urkundenfälschung ein.

2006 kündigte die Standeskommission (Regierung) der damaligen Innerrhoder Staatsanwältin: Ihr Vorgesetzter, Landesfähnrich (Justizdirektor) Melchior Looser, wollte den pendenten Fall «rasch» erledigt haben. Vier Jahre später findet nun der Prozess statt.

«Young Girls» gesucht

Der mehrfachen Urkundenfälschung und des versuchten Betrugs angeklagt sind drei Schweizer: ein 50-jähriger Treuhänder aus Sargans, ein 53-jähriger St. Galler Treuhänder und ein 56-jähriger Geschäftsmann aus Appenzell. Diesem wirft die Anklage zusätzlich vollendeten Betrug sowie «wiederholte harte Pornografie» vor.

Der Angeschuldigte bestreitet beide Vorwürfe. Er habe «Young Girls» gesucht. Für ihn seien das «Teenager» ab 17 bis 19. Alle Bilder mit kleinen Kindern habe er gelöscht. Die Fahnder fanden trotzdem Spuren der vermeintlich «gelöschten» Bilder auf der Festplatte.

Zwei Mal bedingt, ein Mal unbedingt

Für den Sarganser Treuhänder fordert die ausserordentliche Staatsanwältin eine bedingte Freiheitsstrafe von nicht unter zwölf Monaten auf zwei Jahre Probezeit. Er habe Reue und Einsicht gezeigt. Für den St. Galler Treuhänder fordert sie eine unbedingte Freiheitsstrafe von wenigstens 16 Monaten.

Der Mann ist vorbestraft und in ein umfangreiches Verfahren im Kanton St. Gallen verwickelt. Er habe kurz nach einer bedingten Verurteilung zu 18 Monaten Freiheitsstrafe wegen Betrugs und Betrugsversuchs durch das Bezirksgericht Baden weiter delinquiert.

Für den Appenzeller Geschäftsmann fordert die Anklage eine bedingte Freiheitsstrafe von mindestens 18 Monaten auf eine Probezeit von fünf Jahren. Der Mann sei bereits 2008 rechtskräftig wegen Urkundenfälschung in den Jahren 2001 und 2002 verurteilt worden.

Drahtzieher

Insgesamt sollen die drei Angeschuldigten Untersuchungskosten von 171 735 Franken tragen. Beteiligt waren aber auch ein 66-jähriger deutscher Immobilienhändler - laut dem Verteidiger des Appenzeller Geschäftsmanns der eigentliche Drahtzieher.

Den deutschen Behörden werde ein Ersuchen um Übernahme der Strafverfolgung in Deutschland eingereicht, heisst es. Gegen einen weiteren Beteiligten, einen 70-jährigen in Belgien lebenden Deutschen, wird keine Anklage erhoben. Das Verfahren wird «mangels Beweisen» eingestellt.

(sda)

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