Gefälschte Markenartikel: Nach Asien statt in den Abfall

Aktualisiert

Gefälschte Markenartikel: Nach Asien statt in den Abfall

Der Schweizer Zoll stoppte die Vernichtung von zwei Tonnen gefälschter Markenprodukte. Hilfsorganisationen wollen die gefälschten Artikel lieber den Opfern der Flutkatastrophe zukommen lassen.

Bürger und karitative Insitutionen hätten sich besorgt über die Aktion gezeigt und die Meinung geäussert, die Ware sollte in den Katastrophengebieten in Südostasien verteilt werden.

Die Zollverwaltung ist aber laut einer Mitteilung vom Donnerstag als Exekutivbehörde nicht berechtigt, beschlagnahmte Waren in den freien Verkehr zu bringen. Sie hat sich jedoch entschlossen, die Vernichtung vorläufig zu stoppen und will mit den Markeninhabern Kontakt aufnehmen, um die karitative Verwendung der Waren zu prüfen. Zusätzlich soll vertieft geklärt werden, ob sich die Produkte für die Verteilung im Katastrophengebiet überhaupt eignen.

Bei den zwei Tonnen gefälschter Markenartikel handelt es sich vor allem um Sportartikel, Handtaschen und Schuhe, die in den vergangenen zwei Jahre am Flughafen Zürich beschlagnahmt worden sind. Im Original hätten diese Produkt einen Marktwert von rund einer Million Franken. Erfahrungswerte zeigen, dass die Preise von Fälschungen etwa fünf bis zehn Mal tiefer sind. In der Mehrzahl der Fälle verzichteten die Importeure der Falsifikate auf einen Rechtsstreit und unterzeichneten einen Vergleich.

Nach Angaben der Zollverwaltung ist Produktepiraterie zu einem Phänomen von internationalem Ausmass geworden, das wertmässig etwa fünf bis sieben Prozent des Welthandels ausmacht. Ein Antrag auf Hilfeleistung durch den Inhaber von Marken, die dem Markenschutz unterliegen, erlaubt dem Zoll, gefälschte Marken möglichst frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Gesamtschweizerisch hat der Zoll im vergangenen Jahr in mehr als 400 Fällen interveniert und gefälschte Marken mit einem Marktwert von rund 3,7 Millionen Franken sichergestellt. 30 Prozent der in die Schweiz importierten Fälschungen stammen aus China.

Erst im August vergangenen Jahres hatte die Eidgenössische Edelmetallkontrolle und der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie in Cressier (FR) fünf Tonnen gefälschter Uhren schreddern lassen.

(dapd)

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