Zunahme um 140 Prozent: Gefälschte Ware überflutet die Schweiz
Aktualisiert

Zunahme um 140 ProzentGefälschte Ware überflutet die Schweiz

Der Zoll zog noch nie so viele Fälschungen ein wie im Jahr 2011. Experten warnen: Wer Fakes kauft, unterstützt den Menschenhandel.

von
Deborah Sutter
Ein Grenzwachtkommandant inspiziert beschlagnahmtes Fälschunggut.

Ein Grenzwachtkommandant inspiziert beschlagnahmtes Fälschunggut.

Der Handel mit gefälschten Produkten boomt: Der Schweizer Zoll hat im Jahr 2011 in 5804 Fällen Fälschungen entdeckt – das sind 140 Prozent mehr Fälle als im Jahr 2009. Sowohl bei Einzelpersonen als auch bei grossen Frachtcontainern mit Handelswaren werden vor allem gefälschte Handtaschen eingezogen, wie aus der Statistik der eidgenössische Zollverwaltung hervorgeht. Im letzten Jahr wurden zudem 4400 Uhren- und 7200 Schmuckfälschungen eingezogen. Die Zollkontrollen wurden jedoch nicht verstärkt: «Wir machen keine Jagd auf Privatleute», sagt der Leiter des Flughafenzolls Zürich, Peter Kaufmann. Im Handelswarenverkehr würden aber etwa Lieferungen aus China, wo 77 Prozent der Fälschungen herkommen, genau untersucht.

Fälschungen finanzieren die Mafia

«Die Zunahme der entdeckten Fälschungen geht unter anderem auf die steigende Zahl von Internetbestellungen zurück», sagt die Präsidentin von Stop Piracy, Anastasia Li. Vom Sofa aus sei die Hemmschwelle, ein gefälschtes Produkt zu kaufen, wohl geringer als etwa auf dem Markt in der Türkei. «Womöglich findet es der Konsument nicht schlimm, wenn ein Paket mit einer gefälschten Uhr im Wert von 10 Franken im Zoll hängen bleibt», so Li. Doch diese 10 Franken haben verheerende Auswirkungen: «Hinter den Fälschungen stehen kriminelle Organisationen, die auch im Drogen- oder Menschenhandel mitmischen. Mit den 10 Franken werden also indirekt diese Organisationen unterstützt.» Wer sicher sein will, dass er keine gefälschten Artikel kauft, soll beim Einkaufen im Internet sehr vorsichtig sein und vermeintliche Schnäppchen kritisch prüfen.

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