Missbrauch im Knast: Gefängnis-Direktor: «Vorwürfe sind Quatsch»
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Missbrauch im KnastGefängnis-Direktor: «Vorwürfe sind Quatsch»

Der Direktor der Strafanstalt Schöngrün steht am Pranger: Eine Administrativuntersuchung wurde bereits eingeleitet. Politiker fordern seinen Kopf und Angestellte wollen längst auf die Missstände hingewiesen haben. Er selbst ist überzeugt: «Wir haben alles richtig gemacht.»

von
Amir Mustedanagic

Drogen, Handys, Prostitution - auch vier Tage nach Bekanntwerden lassen die Vorkommnisse in der Aussenstation Bleichenberg der solothurnischen Strafanstalt Schöngrün die Wogen hochgehen: Die Solothurner Politiker sind schockiert ob der Zustände in der Strafanstalt und fordern den Kopf des Direktors (20 Minuten Online berichtete).

Genährt werden die Vorwürfe gegen das Gefängnis und seine Leitung von Wärtern. Sie wollen sowohl Direktor Peter Fäh als auch den zuständigen Regierungsrat Peter Gomm längst vor den Zuständen gewarnt haben, wie der «Blick» schreibt. Die Angestellten hätten bereits Wochen vor den Vorkommnissen die Versetzung von Franco C.* gefordert. Dieser hat seine 14-Jährige Tochter in die Anstalt geschleust und soll sie zwei Mithäftlingen zum Sex überlassen haben. Hat die Anstaltsleitung die Gefahr zu spät realisiert? Hätte sie alles verhindern können?

«Franco C. war kein Sicherheitsrisiko»

«Das ist Quatsch», wehrt sich Direktor Peter Fäh. «Franco C. ist nie negativ aufgefallen.» Auch habe nie ein Wärter die Versetzung gefordert. «Wäre er als Sicherheitsrisiko wahrgenommen worden, hätte ich das erfahren», so Fäh. Diese Vorwürfe seien absolut haltlos.

Auch von den Drogen, Prostituierten, den illegalen Handys und Computern habe man erst erfahren, als das Jugendheim der 14-Jährigen die Anstalt warnte, dass der Vater ein Mobiltelefon besitze. «Wir haben daraufhin sofort reagiert und alle Zellen kontrolliert», so Fäh. Gefunden habe man nichts. Am Tag darauf habe man nochmals alles systematisch durchsucht und ein Briefchen Heroin gefunden. Acht Insassen mussten daraufhin zur Urinprobe antreten. «Drei von ihnen wurden positiv getestet», sagt Fäh. Der Vater der 14-Jährigen sei aber - entgegen anderslautenden Medienberichten - nicht darunter gewesen. Von den beiden Männern, die das Mädchen sexuell missbraucht haben sollen, sei zudem nur einer positiv gewesen. Nach den positiven Tests habe man weitere Durchsuchungen angestellt. So seien die Missstände schliesslich ans Licht gekommen.

Inzwischen ist die Aussenstelle geschlossen, die mutmasslich in den Sex-Übergriff involvierten Insassen sitzen in Untersuchungshaft und das Mädchen ist in einem Heim mit höheren Sicherheitsvorkehrungen.

«Die Rufe nach meinem Kopf werden leiser»

Für Peter Fäh ist deshalb klar: «Wir haben alles in unserer Möglichkeit Stehende gemacht und uns absolut korrekt verhalten.» Den Vorwurf, er habe die Anstalt zu locker geführt, lässt er nicht gelten: «Wir haben stets strenge Kontrollen gehabt und immer rigoros durchgegriffen.» Sollte die eingeleitete Untersuchung etwas anderes ergeben, lasse er sich gerne belehren. Die Diskussion um seine Person sei sehr belastend. Er verstehe zwar die Forderungen zu diesem Zeitpunkt, ist aber überzeugt, dass sich am Donnerstag die Wogen glätten werden. «Nach der Justizkommissionssitzung werden die Rufe nach meinem Kopf bestimmt leiser, wenn alle Informationen bekannt sind und der Fall nicht nur durch die Medienberichterstattung bestimmt ist.»

Heimleitung schweigt

Die Leitung des Jugendheims in welchem die Tochter von Franco C. untergebracht war, will zu den Ereignissen nichts sagen - aus Persönlichkeitsschutz, wie die Heimleiterin auf Anfrage sagte. Das Mädchen sei nur eine Randerscheinung der Zustände im Gefängnis. Ob und welche Drogen dem 14-Jährigen Mädchen eingeflösst wurden im Gefängnis, wollte die Leiterin nicht sagen. Offen bleibt zudem, ob überhaupt etwas und wenn ja, was im Knast vorgefallen ist. Sicher ist bisher einzig, dass der Oberstantsanwalt gegen zwei Häftlinge wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Das Mädchen selbst wurde zu ihrer eigenen Sicherheit in ein besser geschütztes Heim nach Basel versetzt.

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