Mosnang SG: Gefängnis-Insassen müssen auf Sex warten
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Mosnang SGGefängnis-Insassen müssen auf Sex warten

Seit Jahren warten Insassen in Bitzi auf das versprochene Zimmer, in dem sie Sex haben könnten. Die Bauarbeiten verzögern sich. Human Rights Watch kritisiert das Vorgehen der Anstalten.

von
viv
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Schon vor einigen Jahren ist das Einrichten eines Beziehungszimmers im Massnahmenzentrum Bitzi bei Mosnang SG im Toggenburg angekündigt worden. Dort sollen Insassen die Möglichkeit bekommen, Sex zu haben.

Schon vor einigen Jahren ist das Einrichten eines Beziehungszimmers im Massnahmenzentrum Bitzi bei Mosnang SG im Toggenburg angekündigt worden. Dort sollen Insassen die Möglichkeit bekommen, Sex zu haben.

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Die Bauarbeiten verzögern sich jedoch.

Die Bauarbeiten verzögern sich jedoch.

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Hier ein Blick in ein Zimmer eines Insassen der geschlossenen Betreuungsabteilung.

Hier ein Blick in ein Zimmer eines Insassen der geschlossenen Betreuungsabteilung.

Keystone/Regina Kuehne

16 Personen, darunter Mörder, Vergewaltiger, Betrüger und anderer Kriminelle, sitzen im Massnahmenzentrum Bitzi bei Mosnang SG in der geschlossenen Abteilung. Dort haben sie verschiedene Einschränkungen, dürfen nicht raus und auch keinen Sex haben. Seit längerer Zeit fordern Insassen nun schon ein Zimmer für intime Zweisamkeit. Die Anstalt hat dies zwar schon vor zwei Jahren bewilligt, getan hat sich bis jetzt aber nicht viel.

Zentrumsdirektor Claudio Vannini klärt gegenüber dem «SRF Regionaljournal» auf: «Es gab Verzögerungen bautechnischer und finanzieller Art.» Darum habe man mit dem Bau erst im vergangen Herbst beginnen können. Bis das sogenannte Beziehungszimmer fertig ist, wird es wohl noch mehr als ein Jahr dauern.

Intimität nur mit festen Partnern

Laut dem Direktor soll das Zimmer für die Insassen aber spätestens 2021 stehen. Schon jetzt hat er eine klare Vorstellungen, wie das intime Örtchen aussehen soll: «Es wird ein ungefähr 22 Quadratmeter grosser Raum sein, in dem ein Bett, eventuell ein Ausziehsofa und sanitäre Anlagen stehen werden.» Man könne sich auch vorstellen, einen wohnlichen Bereich zu gestalten.

Sex gebe es in dem Raum ausschliesslich zwischen den Insassen und ihren festen Partnern, erklärt Vannini. Intime Zweisamkeit unter den Insassen oder mit einer Prostituierten ist verboten. Das Zimmer ist jedoch nicht nur für sexuellen Kontakt gedacht: Insassen sollen dort die Möglichkeit haben, ihre Familie und ihre Kinder zu treffen.

«Sexualität ist ein Grundbedürfnis»

Die sexuelle Einschränkung in solchen Anstalten wird von Menschenrechtsorganisationen kritisiert. David Mühlemann von Human Rights Watch sagt gegenüber dem «SRF Regionaljournal»: «Die Sexualität ist ein zentrales menschliches Grundbedürfnis und darf nicht unterdrückt werden.» So stehe es auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention und in unserer Bundesverfassung.

«Man muss sich immer bewusst sein, dass dies ein Massnahmenzentrum ist: Da geht es nicht um eine Strafe, sondern darum, jemanden zu heilen, der psychisch krank ist», so Mühlemann. Es gelte alles zu unternehmen, dass der Freiheitsentzug eben nicht so erlebt werde.

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