Oberrieden ZH: Gefängnis, Therapie und Abstinenzkontrolle
Aktualisiert

Oberrieden ZHGefängnis, Therapie und Abstinenzkontrolle

Obwohl ihm der Führerausweis schon längst entzogen worden ist, fährt ein Kaufmann aus Oberrieden aus geschäftlichen Gründen immer wieder mit einem Auto herum. Auch betrunken.

von
Attila Szenogrady

Schon das Bezirksgericht Horgen zeigte sich von der Serie des offensichtlich unverbesserlichen Blaufahrers aus Oberrieden beeindruckt. So fährt der heute 41-jährige Steuerberater und Geschäftsführer einer Immobilienfirma immer wieder ohne «Billet» mit einem Auto herum und gerät in Polizeikontrollen. So auch am 28. März 2007, als er mit mindestens 1,34 Promille Alkohol im Blut durch Thalwil fuhr. Oder als er wenige Monate später mit einem Personenwagen nach Italien unterwegs war.

Seit Sommer 2002 ohne Führerausweis

Fest steht, dass das Strassenverkehrsamt dem mehrfach vorbestraften Blaufahrer den Führerausweis bereits im Sommer 2002 für unbestimmte Zeit entzogen hatte. Eine Massnahme ohne Wirkung. Der Angeklagte setzte sich trotz eines massiven Alkoholproblems immer wieder hinter sein Lenkrad und bewältigte mit einem Personenwagen diverse lange Fahrstrecken. Auch angetrunken. Was aber noch schlimmer wog: Nach zwei Verkehrsunfälle setzte er sich jeweils vom Tatort ab. Der Angeklagte lasse jegliches Verantwortungsgefühl im Strassenverkehr vermissen, fasste das Bezirksgericht Horgen bereits im Frühjahr 2009 zusammen.

Dem Berufungsprozess ferngeblieben

Ungewöhnliche Verhaltensweisen rufen ungewöhnliche Gerichtsurteile nach sich. Dies musste nun der Angeklagte kürzlich vom Zürcher Obergericht erfahren. Er blieb der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und schickte seinen sichtlich verärgerten Verteidiger vor. Der Rechtsanwalt tat seine Pflicht, plädierte auf eine möglichst milde Strafe, konnte aber den bereits in Horgen ins Auge gefassten Dreistufen-Plan nicht mehr verhindern.

Dreistufen-Plan bestätigt

Wie das Obergericht nun mitteilte, hat es den Rückfalltäter wegen Alkohols am Steuer sowie mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis zu einer teilbedingten Gesamtstrafe von 27 Monaten verurteilt. Davon ein Jahr unbedingt. Für den bedingten Teil setzten die Oberrichter eine maximale Probezeit von fünf Jahren fest. In einer zweiten Stufe ordnete das Gericht eine ambulante Psychotherapie an. Drittens erteilte es dem Angeklagten eine Weisung, sich für die Dauer der Probezeit einer regelmässigen Abstinenzkontrolle durch eine Alkoholfachstelle zu unterziehen.

Da das Obergericht damit im Wesentlichen ein Urteil des Bezirksgerichts Horgen bestätigte, wurden die sämtlichen Berufungskosten von 3500 Franken dem Geschäftsführer auferlegt.

Deine Meinung