Aktualisiert 10.04.2014 15:00

Champ-DollonGefängnisaufseher für zwei Stunden im Streik

Für einmal sorgen nicht die Inhaftierten im Prügel-Gefängnis Champ-Dollon für Aufsehen – sondern die Aufseher. Mit einem Warnstreik machten sie auf ihre Arbeitsumstände aufmerksam.

Der Streik dauerte rund zwei Stunden.

Der Streik dauerte rund zwei Stunden.

Die Aufseher der überfüllten Genfer Strafanstalt Champ-Dollon wollen unter den aktuellen Umständen nicht mehr weiterarbeiten. Sie traten am Donnerstag über Mittag für zwei Stunden in einen Warnstreik.

Die Überbelegung des Gefängnisses und die personelle Unterdotierung seien nicht mehr zumutbar, sagte Christian Antonietti, Präsident der Gewerkschaft der Polizei und Gefängnisaufseher (UPCP). Seit den Aufständen im Februar, die mehrere Verletzte gefordert hatten, sei die Situation explosiv geblieben, so Antonietti.

Mehr Personal oder weniger Häftlinge

Die UPCP hatte dem Vorsteher des Genfer Sicherheitsdepartementes, Regierungsrat Pierre Maudet, bis Ende März ein Ultimatum gestellt. So forderten die Gefängnisaufseher, dass entweder mehr Personal angestellt oder weniger Häftlinge in Champ-Dollon untergebracht werden.

Derzeit stehen in der Regel 342 Wärter 840 bis 860 Inhaftierten gegenüber. Dies entspricht einem Verhältnis von 0,42 Wärtern pro Häftling. Die UPCP verlangt einen Quotienten von 0,49 Prozent, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen.

85 Wachmänner zu wenig

Unter den derzeitigen Umständen fehlten also 85 Wachmänner, sagte Antonietti. Es brauche politische Entscheide, um Lösungen zu finden.

Weil sämtliche Verhandlungsbemühungen mit der Regierung bisher aber scheiterten, trat ein Teil des Gefängnispersonals am Donnerstag von 12 Uhr bis 14 Uhr in den Streik. Sämtliche Ateliers, die Waschküche sowie Besuche wurden eingestellt.

Mittagessen trotzdem serviert

Auf das Mittagessen mussten die Häftlinge aber trotz des Streiks nicht verzichten, denn dieses wird bereits vor 12 Uhr serviert. Ausserdem wurde auch während des Streiks ein Minimum an Diensten aufrechterhalten, um die Sicherheit zu gewährleisten und Ausbrüche zu verhindern. Auch die Feuerwehr war in Bereitschaft.

Für Freitagnachmittag ist eine Zusammenkunft zwischen dem Personal und dem Sicherheitsdepartement geplant. Anschliessend will die Gewerkschaft über allfällige weitere Aktionen entscheiden. (sda)

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