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Eindringlinge Gefängnisse rüsten sich gegen Drohnen

Drohnen sind zwar klein, können aber Waffen oder Drogen in Gefängnisse schmuggeln: Deshalb wollen jetzt diese Warnsysteme gegen die Gefahr von oben installieren.

von
som
Drohnen können für Gefängnisse eine grosse Gefahr sein.

Drohnen können für Gefängnisse eine grosse Gefahr sein.

Dass in Kuchen versteckte Feilen ins Gefängnis geschmuggelt werden können, ist bekannt. Nun aber werden Strafanstalten mit einer ganz neuen Gefahr konfrontiert: den Drohnen. Die Flugroboter werden immer kleiner, günstiger und einfacher zu bedienen. Sie können mit Kameras bestückt werden oder als fliegende Transportmittel für Waffen oder andere illegale Waren benutzt werden. So wurden in den USA und in Deutschland bereits mehrmals Drogen oder anderes via Drohnen ins Gefängnis geflogen. Vor einem Jahr ist im Kanton Zug ein Flugroboter abgestürzt, der versuchte ein Handy in ein Gefängnis zu schmuggeln.

Davon blieb die Justizvollzugsanstalt Lenzburg zwar bisher verschont. Dennoch will man dort Warnsysteme installieren, wie man an einem Informationsanlass über Drohnen mitteilte. 72 Teilnehmer aus der Schweiz, Österreich und Deutschland hörten den Vorträgen zu – viele davon waren Leiter von anderen Strafanstalten. Dass Drohnen dort eine ernstzunehmende Bedrohung sind, war man sich einig. «Wir glauben, dass diese in der Zukunft zunehmen wird und möchten deshalb schon jetzt agieren und in ein entsprechendes System investieren», sagte der Lenzburger Gefängnis-Direktor Marcel Ruf zur «Aargauer Zeitung».

Drohnen können nicht abgeschossen werden

Abgeschossen werden können die Drohnen laut Ruf aber nicht. Das sei so nah beim Wohnquartier nicht möglich und vor allem illegal. Die vorgestellten Anlagen gehen anders vor (siehe Box). Für welche Lösung sich die Justizvollzugsanstalt Lenzburg entscheiden wird, ist noch nicht klar. Sie will jetzt die verschiedenen Angebote prüfen. Ruf rechnet mit Investitionen von 100'000 bis 200'000 Franken. Das Areal mit Netzen und Seilen abzusichern, würde hingegen 2 bis 3 Millionen Franken kosten.

Nicht nur im Gefängnis Lenzburg rüstet man auf. So beschäftigt sich derzeit auch das Zürcher Amt für Justizvollzug mit den neusten Abwehrsystemen, wie es dort auf Anfrage heisst. Sprecherin Rebecca de Silva: «Wir treffen in Anbetracht unserer finanziellen und personellen Möglichkeiten entsprechende Vorkehrungen.» Zudem gehe es darum zu prüfen, welche Systeme kompatibel mit den bestehenden Sicherheitsmassnahmen in den Gefängnissen sind.

Wie Warnsysteme funktionieren

Drohnen werden entweder von Hand gesteuert oder mittels GPS programmiert. Warnsysteme entdecken die Drohnen im Anflug mit akustischen oder optischen Sensoren. Signale zwischen Fernsteuerung und Drohne können gestört werden, dies braucht aber laut der «Aargauer Zeitung» gesetzliche Anpassungen und Abnahmen. Das Stören von GPS-Satelliten ist aber nicht legal. Drohnen in nächster Nähe kann man mit einer Netzpistole abfangen.

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