Raser von Schönenwerd: Gefängnisstrafen für die drei Raser
Aktualisiert

Raser von SchönenwerdGefängnisstrafen für die drei Raser

Unfallverursacher Nekti T. muss für 5 Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Road-Cross zeigt sich zufrieden. Auch die beiden anderen Fahrer müssen in Haft. Der Staatsanwalt forderte längere Strafen.

von
meg

Der 20-jährige Nekti T. ist vom Amtsgericht Olten-Gösgen wegen des Raserunfalls von Schönenwerd zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Der Grieche wurde der vorsätzlichen Tötung und der vorsätzlichen schweren Körperverletzung für schuldig befunden.

Der Angeklagte habe mit seinem Verhalten den Tod von anderen Menschen in Kauf genommen, sagte Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei am Mittwoch in der Begründung. Der Grieche habe die Sorgfaltspflicht auf eine «kaum zu überbietende Art und Weise verletzt», hielt Orfei fest. Dafür wäre eine Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren gerechtfertigt gewesen. Das Mass an verantwortungslosem Verhalten übersteige das «Mass des Tolerierbaren».

Mildernde Umstände berücksichtigt

Er sei «halsbrecherisch» gefahren. Die Beweggründe seien nicht nachvollziehbar. Er habe offenbar völlig gedankenlos gehandelt. Er bereue seine Tat heute jedoch aufrichtig und sehe das Unrecht seiner Tat ein, hielt der Amtsgerichtspräsident fest. Unter Einbezug dieser persönlichen Umstände habe sich das Gericht für eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten entschieden.

Der Staatsanwalt hatte für den Griechen eine Freiheitsstrafe von acht Jahren gefordert. Als vorderster der drei Junglenker war er beim tödlichen Unfall in der Nacht auf den 8. November 2008 um 1.40 Uhr in ein korrekt fahrendes Auto geprallt. Die Verteidigerin hatte eine bedingte Strafe von zwölf Monaten gefordert. Sie verlangte eine Verurteilung wegen fahrlässiger anstatt vorsätzlicher Tötung.

8 Monate Gefängnis für Vedran und Cemal

Die mitangeklagten Cemal A. und Vedran B. und wurden zu Freiheitsstrafen von je acht Monaten unbedingt verurteilt. Das Gericht sprach sie vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung frei.

Der Türke sowie der Kroate kassierten zudem beide eine bedingte Freiheitsstrafe von je 20 Monaten. Für den bedingten Teil erhielten sie eine Probezeit von drei Jahren.

Die Fahrweise von beiden sei unverantwortlich und rücksichtslos gewesen, sagte Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei in der Begründung am Mittwoch. Beide hätten während des Prozesses weder Reue noch Einsicht gezeigt. Die Angeklagten nahmen das Urteil gefasst entgegen.

Staatsanwalt hatte sieben Jahre gefordert

Der Staatsanwalt hatte für den Kroaten und den Türken je eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert. Die Rollen der Angeklagten beim Unfall seien «absolut austauschbar gewesen», sagte er. Die beiden Junglenker waren hinter dem Griechen, der den Unfall verursachte, gefahren.

Die Verteidiger hatten einen Freispruch sowie eine Geldbusse verlangt. Sie betonten im Prozess stets, dass ihre Mandanten von den Medien vorverurteilt worden seien.

Der Kroate und der Türke hatten für grosses Aufsehen gesorgt, als sie Ende September wegen erneuter Verkehrsdelikte in Untersuchungshaft gesetzt wurden. Am vergangenen Freitag kamen sie jedoch wieder auf freien Fuss, da das Solothurner Haftgericht eine Sicherheitshaft ablehnte.

(meg/sda)

«Signalwirkung»

Der Zürcher Staatsanwalt und Raser-Spezialist Jürg Boll sagte in der SF-Sendung «Schweiz aktuell», er gehe davon aus, dass das Urteil «eine präventive Signalwirkung» haben wird. Es sei gegen den Hauptangeklagten ein «weiterer Anwendungsfall der bundesgerichtlichen Praxis», wonach einem Raser auch Vorsatz unterstellt werden kann.

Die Strassenopfer-Stiftung RoadCross sieht im Urteil einen mutigen Schritt zur angemessenen Bestrafung von Rasern; es entspreche den Forderungen von RoadCross. Trotzdem sei die Volksinitiative «Schutz vor Rasern» keineswegs hinfällig, heisst es in einer Medienmitteilung: Raser müssten nicht nur bei Unfällen mit Personenschäden hart bestraft werden, sondern bereits bei einem hohen Gefährdungsrisiko von Menschenleben. Der Raserunfall Schönenwerd sei einer der Hauptauslöser gewesen, die Initiative Ende April 2010 zu lancieren. Bisher seien 94'370 Unterschriften gesammelt werden. RoadCross sei zuversichtlich, die Initiative im Frühling 2011 einreichen zu können. Die Volksinitiative «Schutz vor Rasern» will Raserei als qualifizierten Straftatbestand in der Verfassung festschreiben. Es solle nicht der «richterlichen Willkür» überlassen bleiben, zu bestimmen, wer als Raser gelte und verurteilt werde. (sda)

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