Aktualisiert 02.10.2012 16:05

«Unstatistik des Monats»

Gefahr durch Genmais doch nicht bewiesen

Die Studie warf in den Medien hohe Wellen: Laut französischen Forschern sterben mit Gen-Mais gefütterte Ratten deutlich früher. Nun haben deutsche Statistiker die Meldung als «Unfug» bezeichnet.

Die französische Studie zur Schädlichkeit von Genmais ist nicht aussagekräftig, sagen deutsche Wissenschaftler. (Im Bild: Genmais der Sorte MON810). (Bild: Keystone)

Die französische Studie zur Schädlichkeit von Genmais ist nicht aussagekräftig, sagen deutsche Wissenschaftler. (Im Bild: Genmais der Sorte MON810). (Bild: Keystone)

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat der Studie französischer Forscher, wonach mit Genmais gefütterte Ratten früher sterben, die wissenschaftliche Sorgfalt abgesprochen. Die Studie sei experimentell nicht ausreichend belegt, teilte das BfR am Montagabend mit.

Sie habe sowohl Schwächen im Aufbau als auch in der statistischen Auswertung. Die Schlussfolgerungen der Autoren seien daher nicht nachvollziehbar.

Zuvor hatten Wissenschaftler des Rheinisch-Westfälisches Instituts für Wirtschaftsforschung die französische Studie zerzaust. Sie kürten die Meldung, dass genmodifizierter Mais Krebs erzeugen soll, zur Unstatistik des Monats September. In einer Medienmitteilung vom Montag bezeichneten sie die Meldung aus Sicht der Statistik als «Unfug».

Studie: Genmais führt zu Krebs

Die französischen Forscher um Gilles-Eric Séralini hatten Mitte September ihre Studie in der Fachzeitschrift «Food and Chemical Toxicology» veröffentlicht. Danach sterben mit dem Genmais NK603 gefütterte Ratten jünger und erkranken deutlich häufiger an Krebs als Tiere, die herkömmliche Nahrung erhalten.

Die Arbeitsgruppe des Experten für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in Nahrungsmitteln beobachtete 200 Ratten über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Eine Gruppe von Ratten wurde mit unbehandeltem Genmais der Sorte NK603 gefüttert. Der Mais des US-Agrar-Riesen Monsanto ist in der EU nicht zum Anbau, jedoch zur Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln zugelassen. Eine zweite Tiergruppe erhielt NK603-Mais, der zuvor mit dem Pestizid Roundup behandelt wurde. Eine dritte Gruppe erhielt herkömmlichen Mais, der ebenfalls mit Roundup besprüht wurde.

Zu wenig Tiere pro Gruppe

Das BfR kritisiert insbesondere die viel zu kleine Anzahl an Tieren pro Gruppe, wie Vizepräsident Rainer Wittkowski erklärte. Die Anzahl entspreche nicht den Empfehlungen international anerkannter Standards für Studien zu krebsauslösender Wirkung.

Der verwendete Rattenstamm weise eine «relativ hohe» Anfälligkeit für Krebserkrankungen auf, und die Tierzahl sei zur Bewertung der in der Studie behaupteten Unterschiede nicht ausreichend.

Kritik übt das BfR auch daran, dass die erhobenen Daten nur unvollständig dargelegt worden seien. Es habe die Autoren der Studie daher gebeten, den vollständigen Studienbericht einschliesslich individueller Tierdaten zur Verfügung zu stellen und bestimmte Fragen zur Studie zu beantworten.

BAG: Abschliessende Bewertung im November

Auch das BAG in Bern fand in einer ersten Analyse «erhebliche Lücken und Mängel», wie das Amt auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mitteilte. «Die Schlussfolgerungen der Autoren sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht nachvollziehbar», hiess es.

BAG-Experten prüfen derzeit die Studie in Zusammenarbeit mit der zuständigen Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Eine abschliessende Bewertung liege voraussichtlich im November dieses Jahres vor, hiess es. Die EFSA will gemäss der Nachrichtenagentur AFP ihre Bewertung in dieser Woche veröffentlichen.

In der Europäischen Union sind der Genmais MON810 von Monsanto und die Kartoffel Amflora des deutschen Unternehmens BASF für den Anbau zugelassen. Weitere Genpflanzen sind zur Verarbeitung in Futter- und Lebensmitteln erlaubt. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.