Aktualisiert 29.08.2019 07:31

Edelmetall

Gefakte Goldbarren bringen Schweiz in Verruf

Auf dem Markt ist Fake-Gold mit Prägungen von hiesigen Verarbeitern aufgetaucht. Das könnte erst der Anfang sein.

von
Dominic Benz
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Die Schweiz ist weltweit Spitzenreiter im Verarbeiten von Gold.

Die Schweiz ist weltweit Spitzenreiter im Verarbeiten von Gold.

Keystone/Martin Ruetschi
Nun sind bei Banken gefälschte Barren aufgetaucht, die Prägungen von Schweizer Verarbeitern haben.

Nun sind bei Banken gefälschte Barren aufgetaucht, die Prägungen von Schweizer Verarbeitern haben.

Keystone/Martin Ruetschi
So wurden in den letzten drei Jahren in den Tresoren der US-Bank JPMorgan 1000 gefakte 1-Kilo-Barren im Wert von umgerechnet mindestens 50 Millionen Franken identifiziert, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.

So wurden in den letzten drei Jahren in den Tresoren der US-Bank JPMorgan 1000 gefakte 1-Kilo-Barren im Wert von umgerechnet mindestens 50 Millionen Franken identifiziert, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.

Keystone/Martin Ruetschi

Gerade in Krisenzeiten gilt Gold als sichere Anlage. Auch in diesen Tagen ist das Edelmetall stark gefragt. Der Goldpreis ist derzeit so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Doch auch Gold ist nicht immer so sicher. Denn in den weltweiten Tresoren und Schliessfächern der Banken dürfte eine grosse Menge an Goldbarren mit gefälschten Logos von Schweizer Goldverarbeitern liegen.

So wurden in den letzten drei Jahren in den Tresoren der US-Bank JPMorgan 1000 gefakte 1-Kilo-Barren im Wert von umgerechnet mindestens 50 Millionen Franken identifiziert, wie die Nachrichtenagentur «Reuters» schreibt. Der Tessiner Goldverarbeiter Argor-Heraeus bestätigt, dass gefälschte Barren schon länger ein Problem sind: «Wir empfehlen daher, Gold nur bei bekannten und vertrauenswürdigen Händlern zu kaufen», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten.

Zoll entdeckt 655 Fake-Barren

Die Fakes sind auch der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) bekannt. Sie hat Kenntnisse von 655 gefälschten 1-Kilo-Barren. Da man nicht wisse, wie viele Fake-Barren insgesamt im Umlauf seien, könne man nicht sagen, wie gross das Problem sei, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit. Private Besitzer von Fälschungen könnten sich an den Verkäufer wenden und die Barren gegen einen echten eintauschen lassen. «Wie bei anderen Warenfälschungen auch, besteht die Möglichkeit Strafanzeige einzureichen», so die EZV. Die Möglichkeiten, solche Fälschungen festzustellen, hätten in erster Linie die Raffinerien selbst, da die Analyseverfahren sehr aufwändig seien.

Innerhalb der Goldindustrie ist die Zahl der gefundenen Fake-Barren zwar verhältnismässig klein: Pro Jahr werden bis zu 2,5 Millionen solcher Barren produziert. Weil die Fälschungen aber so raffiniert sind, dürften Tausende Barren bisher noch nicht entdeckt worden sein. Michael Mesaric, Chef der Tessiner Raffinerie Valcambi, sagt zu Reuters, dass von den Fake-Barren wahrscheinlich «noch viel, viel, viel mehr im Umlauf sind».

«Ruf der Schweiz leidet»

Falsche Goldbarren kommen häufig vor, sind aber meist einfach zu erkennen, weil sie aus vergoldetem Billigmetall bestehen. Bei den neuen Fälschungen handelt es sich um echtes Gold mit einem hohen Feingehalt. Sie erhalten dann eine Prägung einer Schweizer Raffinerie und werden somit auf dem Weltmarkt als vertrauenswürdig angesehen. Die Schweiz hat im internationalen Goldhandel eine führende Rolle (siehe Box).

Doch jetzt bringen die Fakes die hiesigen Raffinerien in Bedrängnis. Laut Mark Pieth, Kriminologie-Professor an der Universität Basel, gebe es in der Schweiz bei der Herstellung von Goldbarren strenge Qualitätskontrollen. «Wenn Barren mit gefälschten Schweizer Prägungen auf den Markt gelangen, leidet der Ruf der Schweiz darunter», sagt Pieth zu 20 Minuten.

Gold aus illegalen Minen

Woher die gefälschten Barren kommen, ist nicht klar. Insider aus der Branche vermuten, dass sie meistens in China produziert wurden und über Händler in Hongkong, Japan und Thailand weltweit in den Umlauf gelangen. Auf die Fakes haben die Verarbeiter in der Schweiz nun reagiert. Sie versehen ihre Barren mit Sicherheitsmerkmalen, die jenen auf den Banknoten ähnlich sind.

Genutzt werden Fake-Barren, um Gold aus illegalen Minen in den Umlauf zu bringen und zu waschen. Oft sind das Abbaugebiete in Afrika, Venezuela oder Nordkorea, die gegen Menschenrechte verstossen oder von einem verbrecherischen Regime betrieben werden. Auch bei Drogen- und Waffenschmugglern sind die Fake-Barren beliebte Einnahmequellen.

Grossbanken winken ab

Die hiesigen Grossbanken wollen keine gefälschten Barren in ihren Tresoren haben. Das Problem sei nicht bekannt und man sei nicht betroffen, sagt die Credit Suisse auf Anfrage. Konkurrentin UBS teilt mit, dass man physisches Gold nur von Raffinerien beziehe, die beim London Bullion Market akkreditiert seien – dem wichtigsten ausserbörslichen Handelsplatz für Gold.

So wichtig ist die Schweiz für den Goldhandel

Zwar gibt es hierzulande längst keine kommerzielle Goldmine mehr. Dennoch ist die Schweiz mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent der grösste Goldhändler der Welt. Zudem befinden sich mit Valcambi, Pamp, Argor-Heraeus und Metalor vier der weltweit grössten Goldraffinerien im Tessin. Über zwei Drittel des weltweit geförderten Goldes wird in der Schweiz eingeschmolzen und verfeinert. Die Schweizer Raffinerien gehören weltweit zu den bekanntesten und vertrauenswürdigsten der Branche.

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