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MazedonienGefakter Coop Pronto verkauft Billigschmuck

In der Stadt Kumanovo verkauft ein Laden Parfüm und billigen Schmuck mit dem Logo von Coop Pronto. Der Schweizer Detailhändler will sich wehren.

von
Dominic Benz
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Coop Pronto gib es jetzt auch in Mazedonien.

Coop Pronto gib es jetzt auch in Mazedonien.

Leserreporter
Der Laden steht in Kumanovo, der zweitgrössten Stadt Mazedoniens. Dort leben über 70'000 Einwohner.

Der Laden steht in Kumanovo, der zweitgrössten Stadt Mazedoniens. Dort leben über 70'000 Einwohner.

Screenshot Google Streetview
Mit dem Schweizer Original hat der Laden aber nichts zu tun. Nur das Logo sieht ähnlich aus.

Mit dem Schweizer Original hat der Laden aber nichts zu tun. Nur das Logo sieht ähnlich aus.

Keystone/Alessandro Della Bella

Wer im Coop Pronto in der mazedonischen Stadt Kumanovo einkauft, sucht vergeblich nach den gewohnten Snacks. Auch tanken kann man nicht. Stattdessen gibt es Parfüm, Kosmetikartikel und Billigschmuck zu kaufen.

Kein Wunder: Mit den Convenience-Shops des Schweizer Detailhändlers hat der Laden nichts zu tun. Er schmückt sich allerdings mit einer Kopie des Logos von Coop Pronto. Bei genauem Hinsehen fallen denn auch Ungereimtheiten auf. Zwar sind Schrift und Farben gleich, während aber beim Original alles kleingeschrieben ist, sind bei der Fälschung jeweils die Anfangsbuchstaben gross. Den Fake entdeckt hat ein Leser von 20 Minuten.

Keine Kenntnisse von Logo-Klau

Coop hatte bisher keine Kenntnisse vom Logo-Klau. Nun aber will das Unternehmen tätig werden. «Wir reagieren, wenn wir so etwas hören», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. In der Regel wende man sich schriftlich an den Nutzer des Logos und weise ihn auf die rechtliche Situation hin. Denn: «Wo Coop draufsteht, soll auch Coop drin sein», so die Sprecherin.

Solche Fälle kämen nur alle paar Jahre mal vor. Laut Coop musste das Unternehmen bisher aber noch nie rechtliche Schritte anwenden. «Die Besitzer haben immer eingewilligt, das Logo zu ändern», so die Sprecherin. Coop stützt sich hierbei auf das Urheberrecht, das international durchsetzbar ist. «Wir beurteilen jeden Fall individuell.»

Teure Prozesse

Allerdings hilft das Urheberrecht nicht immer bei Marken. Denn dieses schützt in der Regel Schöpfer von Kunstwerken wie Musik- oder Filmproduktionen. Ob auch ein Logo ein Kunstwerk ist, muss jeweils ein Gericht entscheiden. Eine andere Möglichkeit ist, die Marke selber schützen zu lassen. In der Schweiz muss man das beim Institut für Geistiges Eigentum machen. Für zehn Jahre liegt die Gebühr bei 550 Franken. Den Schutz kann man auch für das Ausland beantragen.

Laut Anwalt Urs Huber sind Klagen wegen Logo-Klaus nicht selten. «Solche Fälle gibt es immer wieder», sagt der Experte für Markenrecht. Es stelle sich aber grundsätzlich immer die Frage, ob man überhaupt rechtliche Schritte einleiten wolle. «Bei ganz kleinen Fischen lohnt es sich meist nicht. Doch es gibt Unternehmen, die klagen grundsätzlich», so Huber. Solche Prozesse seien schnell sehr teuer.

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