Gefangene als Arbeitssklaven
Aktualisiert

Gefangene als Arbeitssklaven

Das IKRK kritisiert Staaten in der Regel nicht öffentlich. Die Menschenrechtsverletzungen in Birma sind derart haarsträubend, dass eine Ausnahme gemacht wird.

Der Missbrauch von Gefangenen als Materialträger für die Streitkräfte gebe Anlass zur Sorge, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger. Zudem hätten die Operationen der Regierung in den Kampfgebieten riesiges Leid bei Tausenden von Personen verursacht.

Jedes Jahr werden tausende Gefangene dazu gezwungen, der Armee als Träger zu dienen. Viele leiden unter Erschöpfung, Mangelernährung und unter grausamer Behandlung. Viele seien daran gestorben, beklagt das Internationele Komittee vom Roten Kreuz (IKRK).

Die birmanische Armee habe zudem wiederholt Gewalt gegenüber Minderheiten entlang der thailändischen Grenze ausgeübt. Nahrungsmittelreserven und Produktionsmittel würden zerstört sowie die Bauern daran gehindert, ihre Felder zu bebauen. Dies ziehe die lokale Wirtschaft in Mitleidenschaft.

Zudem werde die Dorfbevölkerung dazu gezwungen, die militärischen Operationen zu unterstützen. Wenn sie sich weigere, werde sie gezwungen, ihre Häuser zu verlassen.

Klima der Angst

Das Verhalten der Armee habe ein Klima der ständigen Angst geschaffen und Tausende zur Flucht gezwungen, sagte Kellenberger weiter. Der IKRK-Präsident betonte, die Organisation habe sich darum bemüht, mit der Regierung von Rangun über diesen Missbrauch zu sprechen - vergeblich.

«Die anhaltende Pattsituation mit den Behörden hat das IKRK zu dem aussergewöhnlichen Schritt veranlasst, seine Besorgnisse öffentlich zum Ausdruck zu bringen», sagte Kellenberger.

Delegierte eingeschränkt

Die IKRK-Delegierten werden immer stärker daran gehindert, sich im Land zu bewegen. Sie können sich nicht mehr unabhängig in die Konfliktzonen begeben, was die Verteilung von Hilfsgütern behindert.

Im März hatte das IKRK die Reduktion seiner Aktivitäten mit der Schliessung von zwei Büros in den Staaten Mon und Shan angekündigt. Seit Ende 2005 darf die Organisation auch keine unbegleiteten Gefangenenbesuche mehr machen, wie sie es sonst zu tun pflegt. (sda)

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