Gefangener Brite: Geständnis am TV
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Gefangener Brite: Geständnis am TV

Einer der 15 im Iran gefangen genommenen Briten hat im iranischen Fernsehen «unerlaubtes Eindringen in iranische Hoheitsgewässer» gestanden. Zugleich entschuldigte er sich im TV-Sender Al Alam beim iranischen Volk.

Der Soldat wurde mit einem Kameraden sowie mit der einzigen Frau unter den 15 Gefangenen vor der Kamera gezeigt. Die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA verbreitete ebenfalls, dass der Brite ein Geständnis abgelegt habe.

Die Regierung in London verurteilte die Ausstrahlung des Filmmaterials zutiefst. Es sei empörend, wie britische Soldaten hier zu Propagandazwecken ausgenutzt würden, erklärte das Aussenministerium.

Keine Verurteilung durch die UNO

Im Streit um festgehaltenen britischen Marinesoldaten hat Grossbritannien keine scharfe Reaktion des Sicherheitsrats erreichen können. Das höchste UNO-Gremium äusserte nach einer über vierstündigen, kontroversen Debatte nur «grosse Besorgnis» über die Krise, verzichtete aber auf eine Verurteilung des Irans.

Eine schärfere Formulierung, in der der Sicherheitsrat die Gefangennahme «missbilligt» und die sofortige Freilassung gefordert hätte, scheiterte vor allem am Widerstand Russlands und auch Südafrikas. Umstritten war vor allem die Formulierung, wonach sich die 15 Briten «in irakischen Gewässern» befanden.

Iran spielt Trümpfe aus

Die Türkei hat sich als Vermittler angeboten, im sich verschärfenden Ton zwischen den Kontrahenten aber bislang noch keine Wirkung entfaltet. Teheran deutete öffentlichkeitswirksam die Bereitschaft an, die einzige Frau unter den Gefangenen, Faye Turney, freizulassen, um diese Offerte dann wegen britischen «Fehlverhaltens» wieder zurückzuziehen.

Das Drama um die junge Soldatin und Mutter eines Kleinkinds zeigt nach Ansicht von Experten, dass der Iran in dem Konflikt jede Karte ausspielt - auch die von physischen und psychischen Druck oder sogar von Gewalt.

Ein handschriftlicher Brief der Soldatin mit einem Eingeständnis der Grenzverletzung lese sich, als ob er von Farsi ins Englische übersetzt worden sei, sagte Nadim Shehadi, ein Experte des Londoner Instituts Chatham House. «Es ist ihr offensichtlich diktiert worden. Es ist ausgeschlossen, dass sie das selbst so ausgedrückt hätte.»

Strittiger Grenzverlauf

Iranisches Militär hatte die 15 Angehörigen der britischen Marine am vergangenen Freitag in der Wasserstrasse Schatt el Arab zwischen dem Irak und dem Iran gefangengenommen. Nach britischen Angaben spielte sich der Vorfall in irakischen Gewässern ab. Teheran zufolge befanden sich die Soldaten auf der iranischen Seite der Seegrenze. Der Grenzverlauf im Schatt el Arab ist strittig.

Premierminister Tony Blair lehnte am Donnerstag Zugeständnisse an den Iran ab. Ein Feilschen komme nicht in Frage, sagte er im Sender ITV. Den Iranern müsse klar gemacht werden, dass es weitere Möglichkeiten gebe, «wenn sie nicht bereit sind, sich vernünftig zu verhalten».

(sda)

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