Genf: Geflohener Prostituierten-Mörder stellt sich
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GenfGeflohener Prostituierten-Mörder stellt sich

Am Sonntag war ein verurteilter Mörder aus einem Gefängnis in Genf geflohen. Nun befindet er sich wieder in Haft, teilt die Polizei mit.

von
dia
Laut der Polizei befindet sich der Mann wieder im Gefängnis.

Laut der Polizei befindet sich der Mann wieder im Gefängnis.

Der seit Sonntag flüchtige Prostituierten-Mörder von Genf hat sich gestellt. Er ist am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht in die Vollzugsanstalt «La Pâquerette des Champs» in Genf zurückgekehrt, wie das Genfer Sicherheitsdepartement am Freitag bekannt gab.

Wie er es angekündigt hatte, tauchte der Flüchtige am Donnerstagabend um etwa 23 Uhr wieder in der Vollzugsanstalt «La Pâquerette des Champs» auf und meldete sich anschliessend unaufgefordert bei der Polizei. Diese führte ihn auf den Posten, wo er umgehend verhört wurde, wie der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet im Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) erklärte.

Nach «La Pâquerette des Champs», wo der Geflüchtete den Rest seiner Haftstrafe verbüssen sollte, wurde er nach dem Verhör aber nicht mehr zurückgebracht. Stattdessen befindet er sich erneut in einer geschlossenen Strafanstalt in Genf, möglicherweise in Champ-Dollon.

Offenbar nichts Böses angestellt

Der 38-jährige Franzose hatte seit einigen Monaten ausserhalb von «La Pâquerette des Champs» als Schreiner gearbeitet. Bis anhin war er jeden Abend in die Anstalt zurückgekehrt.

Am Sonntag tauchte er nach einem Freigang ab. Sein Wunsch, einige Tage in Freiheit zu verleben, sei unbezähmbar geworden, schrieb er in einem Brief an seine Mutter. Im Brief versicherte er, er werde sich gut benehmen und sich der Polizei stellen.

Anscheinend beging der verurteilte Mörder während seiner Flucht keine Straftat. Sein Anwalt Vincent Spira sagte der Nachrichtenagentur sda, aufgrund der kurzen Polizeieinvernahme in der Nacht habe sein Klient während seines Verschwindens seines Wissens nichts Böses getan.

Spira konnte am Freitagmorgen allerdings nicht sagen, wo sich sein Mandant während vier Tagen aufgehalten hatte. Er werde seinen Mandanten nun in Champ-Dollon besuchen, sagte er.

Vertrauen gebrochen

Für Regierungsrat Pierre Maudet hat der Geflüchtete «unser Vertrauen gebrochen und kann selbstverständlich nicht in Halbgefangenschaft bleiben». Trotzdem hindere ihn nichts, in Zukunft erneut einen Antrag auf Freilassung unter Auflagen oder Hafterleichterung zu stellen. Maudet erinnerte daran, dass er nach dem Drama um die getötete Genfer Sozialtherapeutin die Schrauben angezogen habe.

In den Augen von Maudet muss es die Verantwortung der Gesellschaft sein, dass der Mann, dessen Strafe Anfang Januar 2019 verbüsst sein wird, so gut wie möglich auf die Rückkehr in die Gesellschaft vorbereitet wird und er für die Allgemeinheit keine Gefahr mehr darstellt.

Der Mann hatte 2004 im Genfer Quartier Pâquis eine transsexuelle Prostituierte im Drogenrausch mit 110 Stichen getötet und war dafür wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Psychiater hatten ihn bereits während des Prozesses als nicht gefährlich für die Öffentlichkeit beurteilt.

(dia/sda)

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