Aktualisiert 09.06.2011 17:48

Geförderte Kinder bringen höhere Rendite

Kleinkinder zu fördern, ist mehr als Luxus. Die Schweiz könnte ihre Wertschöpfung noch um Milliarden von Franken steigern.

von
Elisabeth Rizzi
Die Schweiz gibt nur 0,5% des BIP für frühkindliche Bildung aus. Foto: colourbox.com

Die Schweiz gibt nur 0,5% des BIP für frühkindliche Bildung aus. Foto: colourbox.com

Babyschwimmen und Frühchinesisch: Was nach degeneriertem Verwöhnprogramm von Goldküsten-Löwenmüttern aussieht, macht volkswirtschaftlich Sinn. Laut einer neuen OECD-Studie würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz in den nächsten 80 Jahren um 913 Mia. Franken steigen, würden die 13% schlechtesten Schüler mindestens 400 Punkte im Pisa-Bildungstest erreichen. Kein Klacks: Letztes Jahr betrug das BIP der Schweiz 542 Mia. Franken. Zentral für das Zusatzwachstum wären ausserschulische Fähigkeiten wie Motivation, Aufmerksamkeit und Durchhaltewillen. Diese werden vor allem im frühen Kindesalter herausgebildet.

Ernst Fehr, Wirtschaftsprofessor an der Uni Zürich, hat errechnet: «Die Ertragsrate des Humankapitals von Kindern mit Vorschulerziehung ist pro Jahr 7 bis 10% höher.» Dies dank geringeren Sozialausgaben, tieferen Kriminalitätsraten und höheren Jahreseinkommen der Kinder, wenn sie erwachsen sind. Die Schweiz hat laut Fehr noch grosses Potenzial. Denn sie gibt bloss 0,5% des BIP für frühkindliche Bildung aus, die Nordländer dagegen gut 2%. «Ideal wäre 1%», findet Dominik Büchel, Beauftragter der Schweizerischen Unesco-Kommission. Mit den Mehrausgaben sollten Qualifizierung und Arbeitskonzept von Krippenmitarbeitenden verbessert werden. «Daneben muss der Staat die Eltern stärken und Mutterschaftsversicherung, Elternurlaub und niederschwellige Beratungsangebote ausbauen.»

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