Olympia 2022: Tägliche Corona-Tests, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel
Publiziert

Olympia-Wahnsinn von A-ZGefrorene Augenbrauen, Schutzanzüge und ganz viel Desinfektionsmittel 

Während die Schweizer Sport-Stars für viele Olympiamedaillen sorgten, berichteten wir nicht nur über die herausragenden Leistungen. Wir erlebten auch unglaublich viel. Eine Übersicht. 

von
Nils Hänggi
Sven Forster
(aus Peking)

Das Essen wird teilweise von Robotern gekocht – und gebracht.

20 Minuten

Darum gehts

A – Alkohol-Abstinenz 

Im Olympia-Dorf in Yanqing war es nicht möglich, vor Ort Alkohol zu kaufen. Bei der ersten Siegesfeier von Beat Feuz mussten die Österreicher mit Bier aushelfen. Swiss Olympic teilte damals auf Anfrage von 20 Minuten mit: «Die Medaillengewinnerinnen und -gewinner erhalten von uns vor Ort einen kleinen Geschenkkorb, in dem sich unter anderem eine Flasche Prosecco befindet.» Die Medienschaffenden hatten es besser. Sie konnten an der Bar im Mediencenter etwas trinken – oder auch im Hotel. 

B – Berühmtheiten

Hier könnten wir natürlich über all die Wintersport-Stars reden, die für unzählige Medaillen sorgten. Doch auch wir waren – zumindest ein klein wenig – Berühmtheiten. Nach der Gold-Abfahrt von Beat Feuz fuhren wir mit einer Gruppe junger Sicherheitsleute ins Tal hinunter. Sie konnten kein Englisch, aber irgendwie verständigen wir uns. Die Folge: ganz viele Selfies. Am Ende der Gondelfahrt waren wir auf unzähligen Handys verewigt. 

C – Corona-Test

Jeden Tag von sechs bis 23 Uhr mussten wir im Hotel einen Corona-Test ablegen. Der Ablauf war immer klar: Ankunft, Scannen der Akkreditierung, Scannen der Probe, Zimmer-Nummer-Angabe und dann gab es das Corona-Stäbchen in den Rachen. Wenns gut lief, gab es gar noch ein Lob der Testerin oder des Testers. Wir waren immer negativ. Zum Glück. Ansonsten wären wir ins Quarantänehotel gekommen. 

D – Desinfektionsmittel

Die Vorsichtsmassnahmen wegen Corona waren in China massiv. Da ist nicht nur der tägliche Corona-Test. Auch wird alles, wirklich alles, unzählige Male desinfiziert. Ein paar Beispiele: Wenn man abends im Hotel rumlief, sah man einen Mann in Ganzkörper-Schutzanzug, der mit einer Sprühflasche alles desinfizierte. Bei den Bahnhöfen passierte das sogar immer, wenn neue Menschengruppen ankamen. Ebenso wurden die Zugabteile nach jeder Fahrt vollständig mit Desinfektionsmittel eingesprüht. Allergisch auf dieses durfte man also definitiv nicht sein.

E – Essen

Gegessen haben wir meist im Mediencenter. An dem Ort also, an dem Roboter das Essen kochten und man teilweise sogar von Robotern bedient wurde (siehe Video oben). Unser Fazit? Es hat geschmeckt, auch wenn es durchaus teils stärker gewürzt hätte sein können. Die Eier-Snacks waren aber mehr als ungeniessbar. 

F – Flaggen

Vor jedem Olympia-Dorf waren wie gewohnt die einzelnen Fahnen der verschiedenen Teilnehmerländer hochgezogen. Besonders bei den Athleten und Athletinnen war das ein beliebter Foto-Ort. Kurioses gab es bei der Eröffnungsfeier. Da kein Wind im Stadion ging, wurde die chinesische Flagge mit einer Windmaschine zum Wehen gebracht und diese Maschine war sehr laut. 

G – Gesichtserkennung

Vor vielen Stadien und Mediencentern gab es Kontrollpunkte, durch die man musste, wenn man hineinwollte. Dort aufgestellt: Geräte, die den eigenen Namen anzeigten, wenn man durchging. Anfangs dachten wir, sie funktionieren per Gesichtserkennung. Doch das war falsch. Als wir einmal die Akkreditierung wegliessen, funktionierte es nicht. Die Folge: grosse Aufruhr und Sicherheitsleute, die angerannt kamen. 

So sah unsere Anreise nach China aus. 

20 Minuten

H – höflich

Was war das für ein Bild? Wir kamen in China an und was sahen wir? Menschen in Ganzkörper-Schutzanzügen, die uns freudig zuwinkten. Überhaupt: Alle Menschen, die wir in der Bubble kennengelernt haben, waren überfreundlich, lachten immer und winkten. Zwar war manchmal die Sprache ein Hindernis, doch das hinderte sie nicht daran, immer freundlich zu sein. 

I – Instant-Noodles 

Das Essen ausserhalb der Kantine im Mediencenter war eigentlich überall gleich. Die Instant-Noodles waren bei den Journalisten und Journalistinnen besonders beliebt. Heisses Wasser rein und nach wenigen Minuten gab es etwas zu essen. Schon früh am Abend waren sie teilweise nicht mehr zu haben. Kein Wunder: Die Nudeln waren ja auch gratis.

J – japanisches TV-Interview

Am ersten Tag in Peking wurden wir von einem japanischen TV-Sender zu den Spielen interviewt. Wir wurden ausgefragt über japanische Olympia-Sportler und -Sportlerinnen und welcher Schweizer Sport-Star bei uns am beliebtesten ist. 

K – Kälte

Bei minus 20 Grad werden Wettkämpfe abgesagt. In Zhangjiakou war man öfters nur knapp an dieser Grenze vorbeigekommen. Die Athleten und Athletinnen klebten sich oftmals das Gesicht ab und versuchten sich so warm zu halten. Wenn man draussen war, froren auch die Wimpern und Augenbrauen ein, wie wir selbst am eigenen Leib erfuhren.

L – Luftreiniger

Unser Hotelzimmer war mit einem Viren-Luftreiniger ausgestattet. Dieser sollte die Luft im Raum reinigen. Das Problem: Sobald er lief, wurde es schnell 28 Grad. Etwas zu warm, besonders da draussen Minus-Temperaturen waren. Dazu leuchtete er im Dunkeln, was nicht gerade zu einem besseren Schlaf führte.

M – Messgeräte

Messgeräte gab es viele. Nicht nur die Fake-Gesichtserkennung an vielen Eingängen. Auch gab es überall Fieber-Messgeräte. Nur: Funktionierten die auch richtig? Oft hatten wir Körpertemperaturen von 33 Grad, das konnte nicht ganz sein.

N – Neuschnee

Zehn Zentimeter Neuschnee gab es in der zweiten Olympiawoche. Dies kam überraschend, hat Schnee in der Region Peking doch eher Seltenheitswert. Aus den Fenstern der Busse konnte man auch überraschend viele Schneemänner sehen. Ein weiterer Indikator des Seltenheitswertes: Die Autofahrer und Autofahrerinnen waren langsamer unterwegs als in der Schweiz. 

1 / 12
Freundlich waren immer alle.

Freundlich waren immer alle.

20 Minuten
Gesichtserkennung? Nein. Das Gerät erkennt die Akkreditierungskarte, die man immer tragen muss. 

Gesichtserkennung? Nein. Das Gerät erkennt die Akkreditierungskarte, die man immer tragen muss. 

20 Minuten
Organisiert war immer alles. Kam man irgendwo an, wurde man von unzähligen Freiwilligen empfangen, die einen zu den Bussen geleiteten.

Organisiert war immer alles. Kam man irgendwo an, wurde man von unzähligen Freiwilligen empfangen, die einen zu den Bussen geleiteten.

20 Minuten

O – Organisation

Wie die Sportler und Sportlerinnen befanden sich auch die Medienschaffenden in einer Bubble. Verlassen durfte man diese nicht. Und konnte man auch nicht. Alles war organisiert. Kam man irgendwo an, wurde man von unzähligen Freiwilligen empfangen, die einen zu den Bussen geleiteten. Ausbrechen aus der Bubble? Unmöglich.

P – Polizei

Überall waren Polizisten und Polizistinnen stationiert. Kaum ein Meter verging, ohne dass man eine Beamtin oder einen Beamten sag. Vor jedem Hotel war ausserdem eine Streife stationiert. 

Q  – Quarantäne

In diese mussten wir zum Glück nie. Doch wären wir positiv auf Corona getestet worden, hätten wir in ein Quarantänehotel gemusst und hätten dieses erst verlassen dürfen, wenn wir zwei Mal negativ getestet worden wären. Andere hatten weniger Glück. Der Schweizer Snowboarder Nicolas Huber zum Beispiel. 

R – Roboter

Er kochte oder reinigte. Roboter waren in China allgegenwärtig. In einzelnen Hotels wurde mit Robotern gar der Zimmerservice gemacht. 

S – Schlafbetten 

Ja, an Olympia arbeiten war anstrengend. Dennoch nutzten wir die Schlafbetten nie aus. Sie standen beispielsweise im Mediencenter und waren offen für jede Person, die mal ein Schläfchen machen wollten. 

T – Transportmittel

Auch wenn die Distanz von der Curling-Halle zum Eishockey-Stadion nur 200 Meter betrug: Laufen durfte man nicht. Zahlreiche Busse fuhren im Minutentakt. Teilweise sass man alleine im Bus. Die Transportmittel waren alles Hybridfahrzeuge.

U – Uber

Die beliebte Taxi-App gab es in China nicht. Dafür gab es neben den Bussen auch sogenannte «Games»-Taxi. Diese konnte man im Voraus bestellen, sie waren aber kostenpflichtig. Unser Fazit: eine sehr, sehr mühsame App mit vielen Fehlern. 

V – Verhütungsmittel

An diesen Spielen gab es wieder gratis Kondome für die Athleten. In Tokyo 2020 hat man darauf aufgrund der Corona-Pandemie noch verzichtet. Auch einzelne Journalisten hatten ein Kondom-Pack in ihrem Zimmer. Unser Hotel verzichtete darauf, schliesslich waren wir ja auch zum Arbeiten hier. 

W – Wlan

Viele Internetseiten wie Instagram oder Tiktok waren in China nur über ein VPN verfügbar. Für alle in der Bubble gab es jedoch ein Olympia-Wlan, in dem alle Seiten freigeschaltet waren. Das Problem: In unseren Hotelzimmern hatten wir dieses Wlan nicht. Und so verbrachten wir viele Abende in der Hotellobby. 

Wladimir Putin fand die Olympia-Eröffnungsfeier wohl nicht so spannend.

Twitter

X – Xi Jinping 

Der chinesische Präsident Xi Jinping eröffnete die Winterspiele bei der Eröffnungsfeier. Er sass dabei neben IOK-Präsident Thomas Bach und wurde von den Zuschauern und Zuschauerinnen frenetisch bejubelt. Auch Wladimir Putin war vor Ort. 

Y – Yanqing

In Yanqing fanden die alpinen Skiwettbewerbe statt. Es war der Ort, an dem wir am häufigsten waren. Und wir hatten Freude: So sorgten die Schweizer Ski-Stars ja gleich für mehrere Medaillen. Toll! 

Z – Zug

Bis zu 350 km/h schnell fuhr der Zug nach Zhangjiakou. Die Zeit verging wie im Fluge und man sah die schöne Natur in China. Die Strecke wurde auch erst eigens für die Olympischen Spiele gebaut. Für die Platzreservation nutzte man dieselbe App wie die chinesischen Nutzer und Nutzerinnen. 

My 20 Minuten

Deine Meinung

2 Kommentare