Aktualisiert 10.07.2015 11:12

Dominique Aegerter

«Gefühle sind gleich, Voraussetzungen nicht»

Ein Jahr mit Höhen und Tiefen: Dominique Aegerter (24) kehrt an den Ort seines grössten Erfolgs zurück. Mit gemischten Gefühlen.

von
A. Stäuble, Sachsenring
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Sonntag, 12. Juli 2015Bester Schweizer: Tom Lüthi kann seinen Startplatz auf dem Sachsenring nicht halten und fährt als Sechster über die Ziellinie.

Sonntag, 12. Juli 2015Bester Schweizer: Tom Lüthi kann seinen Startplatz auf dem Sachsenring nicht halten und fährt als Sechster über die Ziellinie.

epa/Hendrik Schmidt
Nicht richtig auf Touren kommt Vorjahressieger Dominique Aegerter, der sich mit Rang 10 begüngen muss. Als dritter Schweizer fährt Randy Krummenacher (13.) in die Punkte.

Nicht richtig auf Touren kommt Vorjahressieger Dominique Aegerter, der sich mit Rang 10 begüngen muss. Als dritter Schweizer fährt Randy Krummenacher (13.) in die Punkte.

Jens Meyer
Der Sieg geht an den Belgier Xavier Simeon.

Der Sieg geht an den Belgier Xavier Simeon.

Robert Michael

Sachsenring , 2014 und 2015 – die emotionale Berg- und Talfahrt Ihrer bisherigen Karriere. Nennen Sie mir drei Adjektive, die für das vergangene Jahr stehen.

Schnell.

Wie meinen Sie das genau?

Es ging enorm schnell vorbei.

Und weiter?

Erfolgreich.

Trotz der Rückschläge seit dem Jahreswechsel?

Ja. Und das bringt mich zum dritten Punkt: Ich habe viel gelernt. Also lehrreich.

Wie hat sich Ihr Leben seither verändert?

Der Rummel um meine Person war riesig. Alle wollten was von mir, jeder wollte mein Freund sein, mir Ratschläge geben. Dann kam die Zeit, wo es nicht gut lief und das Interesse legte sich. Alles Erfahrungen, die man verarbeiten muss, auch wenn es nicht einfach ist. Daraus habe ich sehr viel gelernt.

Mit der Rückkehr hierher ändert sich das wieder.

Klar, den Sieg 2014 hat niemand vergessen, fast alle sprechen mich darauf an. Aber das ist normal, schliesslich war es mein erster. Aber 2015 sind die Voraussetzungen andere.

Ihre Hoffnungen, dass der Sachsenring die Wende herbeiführen könnte, dürften trotzdem gross sein.

Die Erwartungen sind hoch, wie immer. Aber am Saisonverlauf gemessen, versuche ich, den Druck etwas von mir zu nehmen.

Trotzdem: Warum hat es ausgerechnet hier gepasst?

Es war das perfekte Wochenende. Ich habe in jedem Training dominiert, woraus meine erste Pole-Position resultierte, und ich war auch am Sonntag im Warm-up der Schnellste.

Des Rätsels Lösung: Sie holen sich das Gefühl wieder und konservieren es.

(lacht) Wenn ich wüsste, wie das geht, würde ich es genau so machen.

Angenommen, sie müssen Sich entscheiden: entweder nur Ergebnisse zwischen Rang fünf und acht – oder aber ein, zwei Podestplätze und der Rest wären Rangierungen jenseits der Top Ten. Wie würde Ihre zweite Saisonhälfte aussehen?

Ähm ...

Das dauert aber lange.

Ja, ich weiss. Platzierungen zwischen fünf und acht wären sicher besser. Auf der anderen Seite wären zwei Podiumsplätze verlockend.

Rennfahrer-Herz oder Vernunft – wer gewinnt?

Dann entscheide ich mich für die Konstanz. Denn wenn ich Fünfter, Sechster, Siebter oder Achter bin, kann ich unter Umständen gerade so gut aufs Podium fahren (lacht).

Apropos Konstanz. Ich erinnere Sie an eine Aussage von Ende 2014, als der Zusammenschluss zwischen Ihnen und Tom Lüthi kommuniziert wurde.

Die da wäre?

Das Ziel für 2015 laute, in jedem Rennen um die Podestplätze mitfahren zu können.

Wenn ich Ende Saison nahtlos weitergefahren wäre, wäre das bestimmt dringelegen. Damals konnte ich meine Resultate auf den Asphalt bringen. Jetzt muss ich froh sein, wenn ich in die Top 15 komme. Ich muss mich mit Fahrern herumschlagen, die ich früher um ein Haar überrundet hätte. Das frustriert schon sehr.

Nur am Material kann es nicht liegen. Tom Lüthi zeigt, dass bessere Resultate möglich sind. Ist Ihnen die Lockerheit abhandengekommen?

Das Motorrad fühlt sich grundsätzlich gut an, aber die Feinabstimmung bringen wir manchmal nicht hin. Und ich beginne dann zu schnell mich zu verkrampfen und werde nervös. Das macht alles noch viel schlimmer. Letztes Jahr war das nicht so. Ich kam zur Strecke, war locker, konnte sofort loslegen und schnelle Zeiten fahren.

Seit Le Mans werden Sie von Frédéric Petit, einem «Riding Coach» (Fahrlehrer), begleitet. Wie muss man sich das vorstellen?

Er, übrigens ein ehemaliger Rennfahrer, positioniert sich entlang der Strecke und beobachtet mich wie auch die Konkurrenz und zieht einen Vergleich. Anschliessend sitzen wir zusammen und er gibt mir Tipps bezüglich Linienwahl, Bremsverhalten, Schalten usw.

Inwiefern hilft es Ihnen?

Doch, es hilft schon etwas.

20 Minuten ist auf Einladung von Monster Energy am Sachsenring.

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