Deubelbeiss/Schürmann: Gefürchtetes Gangsterduo kommt ins Kino

Aktualisiert

Deubelbeiss/SchürmannGefürchtetes Gangsterduo kommt ins Kino

Zwei Ostschweizer wollen die Verbrechen des Gangsterduos Deubelbeiss/Schürmann verfilmen. Der Spielfilm soll voraussichtlich 2016 in die Schweizer Kinos kommen.

von
qll

«Deubelbeiss und Schürmann waren ein interessantes Duo. Sie haben sich quasi aneinander aufgeschaukelt», so der 42-jährige Autor Stefan Millius. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschütterten die Taten des Gangsterduos das Land und veränderten es nachhaltig. «Die Menschen in der Schweiz hatten bis dahin das Gefühl, sie seien hier sicher», erklärt Millius. Nach der Ära Deubelbeiss/Schürmann wurden Türen verriegelt und Kinder abends nicht mehr nach draussen gelassen. Die Namen der Täter galten lange als Synonym für das Böse.

In Strafanstalt kennengelernt

Schürmann und Deubelbeiss hatten sich vermutlich 1944 in der Strafanstalt Bochuz im Kanton Waadt kennengelernt. Ende der 40er-Jahre trafen sie sich in Zürich wieder.

In der Nacht auf den 24. Juli 1951 brachen sie in das Zeughaus Höngg ein und raubten 15 Maschinenpistolen, die sie in Verstecken in Wäldern vergruben. Des Weiteren stahlen sie regelmässig Autos und schicke Anzüge, wie sie in amerikanischen Gangsterfilmen zu sehen waren.

Am Abend des 4. Dezember 1951 entführte das Duo den Bankier Armin Bannwart vor seinem Wohnhaus, weil sie hofften, er besitze den Tresorschlüssel der Privatbank Winterstein in Zürich, die sie ausrauben wollten. Der Entführte hatte den Schlüssel nicht dabei und wurde schliesslich in einem Waldstück umgebracht.

Nur wenige Wochen später versuchten sie die Post Reinach AG zu überfallen. Auch das misslang. Es kam zur grössten Schiesserei der Schweizer Kriminalgeschichte - nicht weniger als 108 Projektile zählte die Polizei am Ort.

Wahrheitsgetreue Umsetzung

Nach «Himmelfahrtskommando» (2013) ist das Projekt unter dem Arbeitstitel «Deubelbeiss/Schürmann» die zweite Zusammenarbeit von Regisseur Dennis Ledergerber und Autor Stefan Millius. Die Vorarbeiten an diesem Spielfilm über ein Stück Schweizer Zeitgeschichte sind momentan in vollem Gange.

Ledergerber und Millius arbeiten seit rund einem halben Jahr an den Recherchen für das Drehbuch. «Wir machen einen Spielfilm, keine Dokumentation, aber wir wollen uns bei der Verfilmung weitgehend an die tatsächlichen Ereignisse von damals halten», so der 27-jährige Ledergerber. «Es braucht wirklich keine Fiktion; die Geschichte der beiden Ganoven ist schon spannend genug», bestätigt Millius.

Die Produktion des Films liegt bei der St. Galler Visual Arts GmbH, die auch «Himmelfahrtskommando» umgesetzt hat.

Historisches Zeugnis

Weil viele Akten zu den Verbrechen und dem Gerichtsprozess noch unter Verschluss sind, mussten Ledergerber und Millius auf andere Quellen zurückgreifen. Eine der Grundlagen für das Drehbuch ist deshalb das Buch «Deubelbeiss & Co.» von Willi Wottreng, der als letzter Journalist mit den beiden Ganoven sprechen konnte. Ledergerber und Millius haben auch engen Kontakt mit einem Verwandten des ermordeten Bankiers und Zeitungsberichte aus der damaligen Zeit gesammelt. Ältere Schweizer können sich zwar noch an die Taten der beiden Schwerverbrecher erinnern, doch Zeitzeugen gibt es immer weniger. «Der Film ist deshalb auch von historischem Wert», so Millius. Er zeigt nicht nur die Verbrechen des Gangsterduos, sondern ebenfalls ein Portrait der Schweiz in den 50er-Jahren.

Bis kommenden Januar entsteht das Drehbuch, danach wird die Produktion anlaufen. Ab dem Winter 2015 / 2016 soll gedreht werden. Der Film wird voraussichtlich 2016 in die Schweizer Kinos kommen. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 800'000 Franken.

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