Aktualisiert 27.06.2014 21:44

SFV-Präsident Peter Gilliéron«Gegen Argentinien wäre ein Sieg fällig»

SFV-Präsident Peter Gilliéron hat als Funktionär zwei WM-Achtelfinals verloren. Das soll ausgerechnet gegen Argentinien anders werden.

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Sandro Compagno, Porto Seguro

Peter Gilliéron ist bestens gelaunt, als er auf dem Podium des Schweizer Medienhotels in Porto Seguro Platz nimmt. Er sei froh, nach der WM-Vorrunde keine Bilanz ziehen zu müssen, sondern erst eine Zwischenbilanz, sagt der Berner Fürsprecher und Zentralpräsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV). Dann lobt er die Mannschaft für deren «Solidarität und Kompaktheit» und den Staff für seine gute Arbeit: «Denn wir haben die kleinste Delegation aller WM-Teilnehmer hier in Brasilien. Das sehe ich jeweils an den vielen freien Plätzen in unserem Flugzeug.»

Peter Gilliéron, mit welchen Erwartungen blicken Sie dem WM-Achtelfinal gegen Argentinien entgegen?

Peter Gilliéron: Als SFV-Funktionär war ich an zwei WM-Achtelfinals dabei, 1994 in den USA (0:3 gegen Spanien, die Red.) und 2006 in Deutschland gegen die Ukraine, wo wir im Elfmeterschiessen ausschieden, ohne ein Gegentor in einem Spiel erhalten zu haben. Jetzt wäre also einmal ein Sieg fällig.

Das wird gegen Argentinien nicht wirklich einfach.

Es ist ein weiteres Duell Lateinamerika gegen Europa. Soweit ich mich erinnere, sind wir das einzige Team, das an dieser WM eine lateinamerikanische Mannschaft geschlagen hat. Das darf so weitergehen. Ich bin sehr stolz, dass wir zu den sechs Europäern gehören, die sich für die Achtelfinals qualifiziert haben.

Denken Sie, dass diese Spieler-Generation die Fähigkeiten hat, um weiterzugehen, als bis in den Achtelfinal?

Davon bin ich überzeugt. Es sind Leute, die Erfahrung gesammelt haben an solchen Turnieren: Wir haben U17-Weltmeister im Team, dazu U21-Vize-Europameister. Diese Spieler wissen, wie sie die Spannung aufrechterhalten können. Dazu kommt ein Trainer, der seinen Abschied möglichst lange hinauszögern will. Ich erinnere mich an 1994: Damals wurde die Spannung innerhalb der Mannschaft nach der Qualifikation für den Achtelfinal schnell abgebaut. Das wird dieses Mal anders sein.

Wie wichtig ist das Spiel gegen Argentinien für das Image der Fussball-Schweiz?

Für uns ist jedes Spiel wichtig. Lassen Sie mich eine alte Weisheit zitieren: Das wichtigste Spiel ist immer das nächste. Gegen Argentinien können wir uns der ganzen Welt präsentieren. Und als Europäer ist es eine besondere Motivation, hier in Südamerika gut auszusehen. In Brasilien sind die Fans so richtig heiss, wenn Argentinien verliert. Und wir sind stolz, auf Augenhöhe mit diesen Ländern zu sein.

Stichwort Augenhöhe: Vor dem Frankreich-Spiel sprach Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ebenfalls von Augenhöhe. Was dann folgte, war ein 2:5 und eine herbe Enttäuschung. Lehnen Sie sich nicht etwas weit aus dem Fenster?

Wir sagen ja selber, es gibt im Fussball keine Kleinen mehr. Wer in einem WM-Achtelfinal steht, der ist auf Augenhöhe. Was erwarten Sie von mir als Präsident? Soll ich sagen, wir haben von vornherein keine Chance? Defätismus wäre von meiner Seite nun wirklich fehl am Platz.

Wie sehen Ihre Erinnerungen ans Frankreich-Spiel aus?

Die Franzosen haben eine starke Mannschaft. Ich habe am Tag nach dem Spiel eine SMS an Uefa-Präsident Michel Platini geschickt und ihm zum 59. Geburtstag gratuliert. Ich habe ihm geschrieben, das sei hart an einem solchen Tag. Platini hat darauf geantwortet, er sei überzeugt, dass sich die Schweiz trotzdem für den Achtelfinal qualifizieren werde. Wir haben die Fähigkeiten und Mittel, Argentinien zu schlagen. Wir können das schaffen.

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