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Gute-Laune-SchaumGegen Depressionen kann man anbaden

Antidepressiva helfen vielen Patienten. Allerdings dauert es einige Zeit, bis sich deren Wirkung bemerkbar macht. Ein Schaumbad hilft schneller.

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Negative Gedanken, Verlust an Freude, Antriebslosigkeit: Eine Depression kann viele Gesichter haben.

Negative Gedanken, Verlust an Freude, Antriebslosigkeit: Eine Depression kann viele Gesichter haben.

Flickr.com/David Simmonds/CC BY-ND 2.0
Ist sie aber einmal diagnostiziert, verschreiben Ärzte meist Antidepressiva. Die wirken zwar zuverlässig, allerdings erst mit Verzögerung. Deshalb suchen Forscher weltweit nach einer schneller wirkenden Methode.

Ist sie aber einmal diagnostiziert, verschreiben Ärzte meist Antidepressiva. Die wirken zwar zuverlässig, allerdings erst mit Verzögerung. Deshalb suchen Forscher weltweit nach einer schneller wirkenden Methode.

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US-Forscher haben nun eine nicht invasive, aber sehr effektive Methode identifiziert: Wärme. Die Studie, in der die depressiven Teilnehmer entweder eine echte Wärme- oder eine Scheinbehandlung erhielten, zeigte, dass das Aufheizen des Körpers wirklich etwas bringt - und das sogar über Wochen hinweg.

US-Forscher haben nun eine nicht invasive, aber sehr effektive Methode identifiziert: Wärme. Die Studie, in der die depressiven Teilnehmer entweder eine echte Wärme- oder eine Scheinbehandlung erhielten, zeigte, dass das Aufheizen des Körpers wirklich etwas bringt - und das sogar über Wochen hinweg.

Jama Psychiatry/Janssen et al.

Wenn die Laune dauerhaft im Keller ist und alle Anzeichen auf Depression stehen, verschreiben Ärzte meist Antidepressiva. Diese wirken zwar zuverlässig, allerdings muss man Geduld aufbringen, denn die Stimmung hellt sie erst nach einigen Wochen auf. Bis es so weit ist, heisst es für die Betroffenen: durchhalten.

Damit die Leidenszeit nicht unnötig lang dauert, suchen Forscher weltweit nach schneller wirkenden Behandlungen, die im besten Fall sogar ohne Medikamente funktionieren.

Gänzlich neuer Ansatz

Das Team um Clemens Janssen von der University of Wisconsin-Madison hat nun eine nicht invasive, aber sehr effektive Methode entdeckt: das Erwärmen der Körperkerntemperatur der Betroffenen auf 38,5 Grad Celsius (Hyperthermie), wie die Psychologen im Fachjournal «Jama Psychiatry» schreiben.

Grund für den ungewöhnlich erscheinenden Ansatz sind Beobachtungen, wonach eine als angenehm empfundene Wärme bestimmte Hirnregionen aktiviert, in denen Depressive normalerweise eine verminderte Aktivität aufweisen. Würde sich diese durch wohlige Wärme verstärken, könnte die Depression zurückgehen, so die Hoffnung der Forscher.

Aufgewärmt, lebt es sich glücklicher

Und tatsächlich: Die Studie, in der die rund 30 depressiven Teilnehmer entweder eine echte Wärmebehandlung (Heizspiralen und Infrarotlampen) oder eine Scheinbehandlung erhielten, zeigte, dass das Aufheizen des Körpers wirklich etwas bringt. Und das sogar über mehrere Wochen hinweg. So sanken die zuvor erhobenen Depressionswerte nach der echten Behandlung nicht nur deutlich, sondern blieben auch nach vier Wochen unter dem ursprünglichen Wert.

Demnach scheint eine einmalige Ganzkörper-Wärmetherapie die Stimmung von Depressiven anhaltend aufzuhellen – dies jedoch nicht im gleichen Masse, wie dies nach der Einnahme von Antidepressiva der Fall ist. Deshalb könne das neu identifizierte Verfahren diese nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen, berichten die Forscher.

Ob nicht nur die Wärme, sondern auch die Art und Weise der Hyperthermie einen Einfluss auf die Stimmung haben, können die Forscher noch nicht abschliessend sagen. Sie gehen jedoch davon aus, dass auch ein warmes Bad oder der Aufenthalt in der Sonne eine ähnliche Wirkung haben.

Depressionen

Die Depression ist eine psychische Störung. Ihre typischen Zeichen sind negative Stimmungen und Gedanken, Verlust an Freude, Lustempfinden, Antrieb. Ein sehr tiefes Selbstwertgefühl, verminderte geistige Leistungsfähigkeit und ein schlechtes Einfühlungsvermögen. Diese Symptome sind bei Depressiven unverhältnismäßig verfestigt, dauerhaft und von den Betroffenen kaum beeinflussbar. Entsprechend dem Verlauf unterscheidet man die depressive Episode und die wiederkehrende depressive Störung. Auch Kinder und vor allem Jugendliche können unter der Krankheit leiden.

Ruft dazu einfach die Nummer 147 an, schreibt ein SMS an 147 oder geht online auf 147.ch. Die Mitarbeiter helfen euch auch, wenn ihr bemerkt, dass ein Freund oder Schulkollege an Depressionen oder anderen Problemen leidet.

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