Aktualisiert 08.09.2008 16:51

MaulwurfGegen die Securitas wird Anklage erhoben

Bei der Lausanner «Groupe Anti-Répression» (AntiRep), die gegen Polizeigewalt kämpft, ist ein «Maulwurf» eingeschleust worden, offenbar von der Securitas. Die Vertreter der Organisation möchten erfahren, warum sie ausspioniert worden sind und gehen nun vor Gericht.

von
Didier Bender

Sie stellte sich unter dem falschen Namen «Shanti Muller» vor und erzählte eine frei erfundene Lebensgeschichte, um die «AntiRep» zu infiltrieren. Heute Morgen hat die Organisation nun angekündigt, dass sie Anklage wegen Verstosses gegen die Datenschutzbestimmungen, Ehrverletzung und Betrug erheben werde.

«Sie hat sensible Daten entwendet»

«Vielleicht haben wir nicht genug Paranoiker bei uns.» So versucht sich ein Mitglied von «AntiRep» die Tatsache zu erklären, dass «Shanti Muller» die Gruppe so lange ausspionieren konnte, ohne enttarnt zu werden. «Nach den Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Evian wollten sich viele der Bewegung anschliessen. Wir haben sie gerne aufgenommen. Dabei handelte es sich keineswegs um öffentliche Veranstaltungen. Indem sie an unseren Sitzungen teilnahm, bekam sie Kenntnis von vielen vertraulichen Informationen». Unter anderem nimmt «AntiRep» Zeugenaussagen von Demonstrationsteilnehmern auf Band auf.

Ein eifriges Mitglied

Zwischen 2003 und 2005 arbeitete die Frau mit scheinbar grossem Engagement in der Gruppe mit. Sie nahm an zahlreichen Demonstrationen teil und wurde einmal sogar leicht verletzt.

Mitte 2005 verschwand sie plötzlich, «ohne eine zufriedenstellende Erklärung abzugeben. Im Jahr 2007 hat sie uns einmal eine Postkarte aus Indien geschickt, sonst haben wir nie wieder etwas von ihr gehört», teilt «AntiRep» mit.

Viele Fragen, kaum Antworten

Nach «Nestlégate» (siehe Kontextbox) ist dies schon die zweite «Maulwurfaffäre», in die die Securitas verwickelt ist. «AntiRep» hofft nun, mit der Klage Licht ins Dunkel zu bringen. Wer waren die Auftraggeber? Gab es weitere «Maulwürfe»? Wusste die Polizei Bescheid? Lauter Fragen, auf die die Justiz eine Antwort wird finden müssen.

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