Drei Typen: Gegen diese Probleme kämpfen heutige Väter
Aktualisiert

Drei TypenGegen diese Probleme kämpfen heutige Väter

Nicht nur für Frauen ist es schwierig, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Auch Männer sind im Dilemma, wie eine neue Studie zeigt.

von
R. Landolt
Auch Vätern fällt es nicht leicht, sich um den Nachwuchs zu kümmern und gleichzeitig Karriere zu machen.

Auch Vätern fällt es nicht leicht, sich um den Nachwuchs zu kümmern und gleichzeitig Karriere zu machen.

Sandro di Carlo Darsa

Für Frauen ist es schwierig, Familie und Beruf zu vereinbaren. Ein Thema, das immer wieder diskutiert wird. Doch auch die Rolle der Väter hat sich in den letzten Jahren stark verändert, wie eine neue Studie zeigt. Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm hat dafür 300 Familien befragt. Sie kam zum Schluss, dass Väter wöchentlich über 88 Stunden für Familie und Beruf aufwenden. Bei den Vollzeitbeschäftigten unterscheidet sie drei verschiedene Typen.

Der Traditionelle

Vater-Typ 1 ist «traditionell und ambitioniert». Er lehnt eine gleichberechtigte Aufgabenteilung ab, spielt, liest und kuschelt aber trotzdem viel mit seinen Kindern. Ihm ist es ein grosses Anliegen, dass die Kinder gute Noten schreiben. Diese Väter sind mit Mitte 30 bis 40 eher jung, und vor allem in Leitungspositionen tätig. Es sind Selbstständige, Ärzte, Juristen oder Hochschul-Dozenten. «Dieser Typ zeigt, dass ein Vater, der im Berufsleben sehr engagiert ist, nicht automatisch die Kinder vernachlässigt», sagt Projektleiterin Franziska Templer. Zu ihm rechnen sich 29,3 Prozent der Befragten.

Der Egalitäre

Der zweite Vater-Typ ist «egalitär und begeistert». Er hat ein modernes Rollenverständnis und will nicht, dass seine Frau beruflich zurücksteckt. Er ist seinen Kindern sehr nahe, empfindet die Zeit mit ihnen als wahre Freude und Bereicherung. Alle befragten Väter, die über fünfzig Jahre alt sind, gehören zu diesem Typ: «Vielleicht müssen sich ältere Väter nicht mehr so profilieren im Beruf, sie haben ihre Ziele erreicht.» Es könne aber auch sein, dass diese Väter ein zweites Mal geheiratet und Kinder haben und «dieses Mal nichts verpassen wollen», interpretiert Templer die Ergebnisse. Mit 38 Prozent ist die grösste Gruppe der befragten Väter in diesem Typ vertreten. Ein Indiz für Templer, dass «Väter heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen».

Der Distanzierte

Beim Typ 3, dem «orientierungslosen und distanzierten» Vater, öffnen sich Gräben: Er lehnt zwar die traditionelle Rolle des Ernährers ab, hat aber keine alternative Vorstellung. So ist denn auch sein Engagement für die Kinder bescheiden: Er kuschelt, spielt oder liest mit ihnen kaum und hilft nicht bei den Hausaufgaben. Der «Distanzierte» ist eher jung und repräsentiert gut 32 Prozent der Befragten.

Dass sich Väter-Typ Nummer drei kaum für seine Kinder interessiert, ist aber offenbar nicht nur seine Schuld. «Er wird auch eingeschränkt durch die Mutter», sagt Templer. Die jeweiligen Partnerinnen glaubten, sie seien kompetenter. «Sie betrachten den Vater als Juniorpartner oder Praktikanten. Man nennt dies ‹Gatekeeper-Verhalten›». Zusammenfassend sagt Templer: «Den ‹neuen Vater› gibt es nicht. Wie gut die Beziehung eines Vaters zu seinem Kind ist, hängt nicht alleine von der Zeit ab, die er mit ihm verbringt.»

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