Aktualisiert 07.10.2006 16:49

«Gegen Ferrari kann man wenig ausrichten»

Ferrari hat dem Qualifying für den Grand Prix von Japan klar den Stempel aufgedrückt. Felipe Massa sicherte sich die Pole-Position vor Michael Schumacher. Fernando Alonso im Renault muss sich mit Startplatz 5 bescheiden. Für viele Experten ist dies bereits eine Vorentscheidung im WM-Kampf.

Die glänzende Ausgangslage für das zweitletzte Rennen der Saison verdankt Ferrari zu einem grossen Teil den Reifen. Auf der trockenen Fahrbahn waren die Bridgestone-Pneus den Michelin-Walzen, auf denen unter anderen die Renault-Autos rollen, klar überlegen. «Wir sind richtig happy», strahlte Ferraris Technik-Boss Ross Brawn nach der Doppel-Pole für den italienischen Rennstall. Schumi blieb dagegen gewohnt gelassen: «Eine gute Ausgangslage für das Rennen und für die WM-Entscheidung.» Frust und Entmutigung dafür bei Renault, denn wenn es auch am Sonntag trocken bleibt, sind Schumi und Massa kaum zu bezwingen. Das weiß auch Alonso, der nur Fünfter wurde. Der junge Spanier sieht schwarz: «Gegen Ferrari kann man wenig ausrichten.» Chefingenieur Pat Symonds setzt auf Durchhalteparolen: «Morgen werden wir angreifen müssen, das ist eine echte Herausforderung. Es gilt, die Mischung aus Angriffslust und Schadensbegrenzung zu finden.»

Überraschende Toyota

Zu den Profiteuren der guten Reifen zählte zur Freude des japanischen Publikums auch Toyota, das mit Ralf Schumacher und Jarno Trulli die zweite Startreihe monopolisiert. Der relativ knappe Abstand auf Massa und Michael Schumacher deutet allerdings darauf hin, dass die beiden Toyota-Fahrer das Rennen mit weniger Sprit an Bord aufnehmen werden. Das teaminterne Duell gegen Massa, der sich zum zweiten Mal nach seiner Bestzeit in der Türkei in der Startaufstellung zuvorderst aufstellen darf, hat er zwar verloren, doch mit Blick auf den Titelkampf darf sich Michael Schumacher gleichwohl als Sieger fühlen. Sollte es wie prognostiziert auch am Sonntag trocken bleiben, dürfte Alonso auf verlorenem Posten stehen und wird sich der Titelhalter darauf beschränken müssen, den Schaden in Grenzen zu halten.

Heidfeld guter Neunter

Dank Nick Heidfeld war BMW-Sauber erneut im dritten Teil des Qualifyings vertreten. In Anbetracht des Nachteils im Reifensektor stellt Startplatz 9 für den Mönchengladbacher das Optimum dar. Robert Kubica, der am Sonntag sein fünftes Formel-1-Rennen bestreiten wird, verpasste zum ersten Mal die finale Ausmarchung, in der die besten zehn die Pole-Position unter sich ausmachen. Der Pole rutschte bei seinem letzten Versuch, sich zu qualifizieren, ins Gras und muss sich mit Startplatz 12 begnügen.

Eine Enttäuschung war der Auftritt des Teams McLaren-Mercedes, das ebenfalls zu den Michelin-Kunden zählt. Kimi Räikkönen und Pedro de la Rosa schieden im zweiten Abschnitt des Qualifyings aus. Der Finne, der in Suzuka im vergangenen Jahr nach einer fantastischen Aufholjagd aus Position 17 gewonnen hatte, wird sich in der Startkolonne auf Platz 11 einreihen müssen, der Spanier auf Platz 13.

Mit einem Sieg Weltmeister?

Schumacher und Alonso liegen in der Gesamtwertung nach Punkten (116:116) gleichauf. Trotzdem könnte sich der Deutsche schon am Sonntag, zwei Wochen vor dem Saisonfinale in Brasilien, den Titel sichern. Dazu müsste er das Rennen in Suzuka gewinnen und der Spanier leer ausgehen. Alonso könnte mit einem Sieg in São Paulo punktemässig noch einmal ausgleichen.

In diesem Fall würde aber die grössere Anzahl 1. Plätze (8:7) den Ausschlag zu Gunsten Schumachers geben. In Suzuka, wo fahrerische Qualitäten besonders gefragt sind, weist das Palmarès des Rheinländers sechs Siege aus, wogegen Alonsos Bestergebnis der 3. Platz aus dem Vorjahr darstellt.

Startaufstellung für den Grand Prix von Japan in Suzuka

1 Felipe Massa (Br), Ferrari.

2 Michael Schumacher (De), Ferrari.

3 Ralf Schumacher (De), Toyota.

4 Jarno Trulli (It), Toyota.

5 Fernando Alonso (Sp), Renault.

6 Giancarlo Fisichella (It), Renault.

7 Jenson Button (Gb), Honda.

8 Rubens Barrichello (Br), Honda.

9 Nick Heidfeld (De), BMW-Sauber.

10 Nico Rosberg (Fi/De), Williams-Cosworth.

11 Kimi Räikkönen (Fi), McLaren-Mercedes.

12 Robert Kubica (Pol), BMW-Sauber.

11 Kimi Räikkönen (Fi), McLaren-Mercedes.

12 Robert Kubica (Pol), BMW-Sauber.

13 Pedro de la Rosa (Sp), McLaren-Mercedes.

14 Mark Webber (Au), Williams-Cosworth. 15 Vitantonio Liuzzi (It), Toro Rosso-Cosworth.

16 Christijan Albers (Ho), Spyker-Toyota.

17 David Coulthard (Gb), Red Bull-Ferrari.

18 Robert Doornbos (Ho), Red Bull-Ferrari.

19 Scott Speed (USA), Toro Rosso-Cosworth V10.

20 Takuma Sato (Jap), Super Aguri-Honda.

21 Tiago Monteiro (Por), Spyker-Toyota.

22 Sakon Yamamoto (Jap), Super Aguri-Honda.

(si/mat)

«Schumi war nicht gut für unseren Sport»

Damon Hill sieht dem Rücktritt von Michael Schumacher mit Freude entgegen. «Ich freue mich auf eine Formel 1 ohne Michael Schumacher und hoffentlich wieder mehr Wettbewerb», sagte der 46 Jahre alte ehemalige Rivale des siebenmaligen Weltmeisters aus Deutschland BBC Radio. Die jahrelange Dominanz des aktuellen WM-Spitzenreiters habe der Formel 1 geschadet. «So brilliant er auch ist, aber ich muss sagen, dass er nicht gut für den Sport war», meinte der Brite, der sich 1996 endlich die WM-Krone aufsetzen konnte und Schumacher als Champion damals ablöste. Die Formel 1 habe unter der Dominanz des Kerpeners gelitten. «Er ist ein harter Wettkämpfer, aber mit der zunehmenden Dominanz Michaels hat auch der Unterhaltungswert abgenommen», erklärte Hill.

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