Berner Heizpilz-Kontroverse: Gegen Heizstrahler auf privatem Grund ist die Stadt machtlos
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Berner Heizpilz-KontroverseGegen Heizstrahler auf privatem Grund ist die Stadt machtlos

Das Aufstellen von Heizpilzen ist Stadtberner Wirten auch im harten Corona-Winter untersagt. Steht der Aussenbereich aber auf privatem Boden, haben die Behörden nichts zu sagen.

von
Simon Ulrich
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«Heizungen im Freien sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien oder nicht anders nutzbarer Abwärme zu betreiben»: So fordert es das Energiegesetz des Kantons Bern seit 2011.  

«Heizungen im Freien sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien oder nicht anders nutzbarer Abwärme zu betreiben»: So fordert es das Energiegesetz des Kantons Bern seit 2011.

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Die Nutzung von Heizstrahlern und Heizpilzen ist also tabu – auch für Restaurantbesitzer, die für den optimalen Komfort ihrer Gäste gerne den Aussenbereich auf diese Art heizen würden.

Die Nutzung von Heizstrahlern und Heizpilzen ist also tabu – auch für Restaurantbesitzer, die für den optimalen Komfort ihrer Gäste gerne den Aussenbereich auf diese Art heizen würden.

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Markus Vogt

Darum gehts

  • Heizstrahler, gleich ob fossil oder erneuerbar betrieben, sind für Stadtberner Beizen auch während des Corona-Winters tabu.

  • Befinden sich die Aussenflächen jedoch auf Privatgrund, sind die Wärmequellen zulässig.

  • Der Chef der Gewerbepolizei rät in jedem Fall von Heizpilzen ab: Sie seien weder ökologisch noch Corona-tauglich.

Um trotz Abstandsregeln möglichst viele Gäste bedienen zu können, sind in diesem Winter viele Gastrobetriebe auf ihre Aussenbereiche angewiesen. Die Stadt Bern bietet den Wirten hierfür subventionierte elektrische Heizkissen an. Doch nicht alle geben sich damit zufrieden: Der Stadtberner Wirtepräsident etwa erachtet die Wärmepolster als ineffizient und teuer. Freimütig gibt er zu, bei seinen Restaurants auf die als klimaschädlich geltenden Heizstrahler zu setzen. Verstösst er damit gegen gesetzliche Vorgaben?

Kantonal gilt: Heizpilze sind grundsätzlich nur dann erlaubt, wenn sie mit erneuerbaren Energien betrieben werden, also etwa mit Pellets oder Holz. Jedoch sind Ausnahmen unter anderem «im Interesse des Gastgewerbes» möglich, wie die kantonale Energieverordnung festhält. «Unter den momentan schwierigen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie sind Ausnahmen für einzelne fossile Heizpilze oder mobile Elektrostrahler im Interesse des Gastgewerbes möglich», heisst es auf Anfrage bei der Wirtschafts-, Energie und Umweltdirektion des Kantons Bern. Die einzelnen Gemeinden könnten aktuell also sogar gasbetriebene Heizstrahler zulassen.

Auch erneuerbar betriebene Heizstrahler verboten

Nur: Die Stadt Bern ist strenger als der Kanton. Wärmestrahler auf öffentlichem Boden sind in jedem Fall verboten Corona hin oder her: «Auch die aktuelle Situation sieht zurzeit keine Ausnahmen vor», stellt Norbert Esseiva, Leiter der städtischen Orts- und Gewerbepolizei, klar. Halten sich Gastronomen nicht an die Regelung, werden sie zunächst angehalten, die mobilen Heizungen zu entfernen. Kommen die Betreiber der Aufforderung nicht nach, «werden sie schriftlich verwarnt, und eine Anzeige wird in Aussicht gestellt», sagt Esseiva.

Gleichwohl verstösst nicht jede Beiz, die in ihrem Aussenbereich Heizstrahler aufstellt, gegen die Gesetzgebung. Denn die Regelung beschränkt sich ausschliesslich auf den öffentlichen Grund. Hat eine Beiz einen privaten Garten oder eine private Terrasse, darf sie dort Heizstrahler verwenden. Hier haben weder Stadt noch Kanton einen Einfluss, wie Esseiva bestätigt. Der Anteil an Gastrobetrieben in der Stadt Bern, die über Aussenbestuhlungsflächen auf privatem Boden verfügen, sei aber eher klein, merkt er an.

Anders als etwa in Zürich, wo die Behörden für diesen Winter CO2-neutrale Pellets-Heizstrahler erlaubt haben, sehen die Stadtberner Auflagen weder herkömmliche Wärmestrahler noch neuzeitige, beispielsweise LED-Strahler vor. Ob das Sinn macht oder nicht, dazu will sich der Chef der Gewerbepolizei nicht äussern. Es sei an der Politik, zu entscheiden, ob sie während der Corona-Zeit Ausnahmen tolerieren wolle oder nicht.

«Unökologisch und teuer»

Die subventionierten Heizkissen hätten jedenfalls bislang «sehr guten Anklang» gefunden. Im Gegensatz zu Heizstrahlern würden damit keine Ansammlungen um die Wärmequellen provoziert, so Esseiva. Zudem bezweifelt er, dass sich die Geräte für die Wirte finanziell lohnen: Herkömmliche Heizpilze seien nicht nur unökologisch, sondern in der Anschaffung auch teuer. «Der Return-on-Investment für die Gastronomen wäre mehr als unklar, denn eine Bewilligung nach bewältigter Pandemie ist in unserer Stadt politisch höchst fraglich.»

Den Stadtberner Wirtepräsident Tobias Burkhalter vermögen derlei Argumente nicht zu überzeugen: Er hält an seinen Wärmestrahlern fest. Aus Kostengründen würde er selbst dann nicht auf die Heizkissen zurückgreifen, wenn er die Strahler entfernen müsste, wie er gegenüber 20 Minuten sagt. Das dürfte allerdings nicht passieren: Laut Burkhalter stehen die mobilen Heizungen auf privatem Grund und sind damit zulässig.

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