Fall Peng Shuai – «Ein grosses Bravo» – Bencic stellt sich hinter WTA-Rücktritt aus China
Publiziert

Fall Peng Shuai«Ein grosses Bravo» – Bencic stellt sich hinter WTA-Rücktritt aus China

Die Profiorganisation der Frauen wird bis auf weiteres keine Turniere mehr in China austragen. «Das richtige Zeichen», findet der Schweizer Tennis-Star Belinda Bencic (24).

von
Silvan Haenni
1 / 8
Belinda Bencic im Rahmen der Davis-Cup-Partie gegen Tschechien Anfang November.

Belinda Bencic im Rahmen der Davis-Cup-Partie gegen Tschechien Anfang November.

imago images/Paul Zimmer
Der Fall der verschwundenen Tennisspielerin Peng Shuai geht in die nächste Runde.

Der Fall der verschwundenen Tennisspielerin Peng Shuai geht in die nächste Runde.

imago images/ZUMA Press
Der Entscheid von WTA-Boss Steve Simon, vorerst keine Turniere mehr in China durchzuführen, wird in Peking kritisiert.

Der Entscheid von WTA-Boss Steve Simon, vorerst keine Turniere mehr in China durchzuführen, wird in Peking kritisiert.

AFP

Darum gehts

  • Die WTA entzieht China das Durchführungsrecht sämtlicher Turniere.

  • Belinda begrüsst den Entscheid und lobt die Führung von WTA-Boss Steve Simon.

  • Damit würde die WTA Peng Shuais Meinungsfreiheit verweigern, reagiert China am Donnerstag.

«Die WTA hat ein wichtiges Zeichen gesetzt», kommentiert Belinda Bencic (24) den Entscheid des Welttennisverbandes der Frauen. Dieser hatte am Mittwoch sämtliche Turniere in China und Hong Kong abgesagt. Für Bencic der richtige Schritt: «Der Leadership von WTA-CEO Steve Simon ist sehr gut, vor allem, weil das Thema um Peng Shuai so kompliziert ist», lobt die Ostschweizerin gegenüber «SRF», «ein grosses Bravo».

WTA-Boss Steve Simon (66) gab die Massnahme am Mittwoch bekannt. «Mit gutem Gewissen sehe ich nicht, wie wir unsere Athleten fragen können, dort anzutreten, wenn es Peng Shuai nicht erlaubt ist, frei zu kommunizieren», erklärte der US-Amerikaner. Peng Shuai werde anscheinend unter Druck gesetzt, ihre Vorwürfe der sexuellen Übergriffe zu widerrufen. «Ich bedaure sehr, dass es so weit gekommen ist», so Simon.

China übt Kritik

Anders als Bencic äusserten sich chinesische Vertreter am Donnerstagmorgen kritisch: «Die WTA zwingt Peng Shuai dazu, die Attacke des Westens auf das chinesische System zu unterstützen», kommentiert Hu Xijin in einem Tweet. Der Chefredaktor der chinesischen Staatszeitung «Global Times News» weiter: «Sie verweigern Peng Shuai das Recht auf freie Meinungsäusserung und verlangen, dass ihre Schilderung ihrer derzeitigen Situation ihren Erwartungen entsprechen muss.»

Auch die «Global Times News» selbst kommentiert am Donnerstagmorgen mit einem Tweet, worin Aussenministeriumssprecher Wang Wenbin (50) zitiert wird: «China hat sich schon immer entschieden gegen die Politisierung des Sports ausgesprochen.»

IOC trifft Peng Shuai im Januar

Offenkundig gegen eine Politisierung des Sports spricht sich auch stets das Internationale Olympische Komitee (IOC) aus. Aufgrund des wachsenden Drucks der Öffentlichkeit rund um das Verschwinden Peng Shuais wurde der Dachverband der Sportwelt vor gut zwei Wochen dennoch aktiv: IOC-Präsident Thomas Bach verlangte in China nach einem Lebenszeichen der Tennisspielerin und durfte sich mit einem schliesslich im Rahmen eines halbstündigen Video-Calls mit Shuai austauschen. Dies wurde breit kritisiert und als naiv abgetan. Forderungen nach einem härteren Kurs des IOC gegenüber China wurden laut. «Wir wählen gezielt den Weg der ruhigen Diplomatie», verteidigt der Deutsche am Donnerstag sein Vorgehen. Dieser Weg habe sich in humanitären Angelegenheit erfahrungsgemäss als effektiv erwiesen, so Bach.

Der 67-jährige bestätigt, dass ein Team aus IOC-Mitarbeitern am Mittwoch eine zweite Videokonferenz mit Peng Shuai führen konnte, wobei man der Chinesin weitgreifende Unterstützung angeboten habe. «Wir führen regelmässigen Kontakt mit ihr und haben ein persönliches Treffen im Januar vereinbart», verspricht Bach.

Djokovic unterstützt WTA

Derweil spricht sich Novak Djokovic (34) positiv über den WTA-Rückzug aus China aus: «Ich unterstütze die Haltung der WTA voll und ganz, weil wir nicht genug Informationen über Peng Shuai und ihr Wohlergehen haben», sagte die Weltnummer 1 der Männer am Rande des Davis Cups in Madrid. Die Gesundheit von Peng Shuai sei für die Tenniswelt von grösster Bedeutung, so der Serbe.

Die WTA hat die Aussagen aus Peking bisher nicht kommentiert. Auch nicht auf die Aufforderung von Hu Xijin, seinen Tweet zu kommentieren.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

11 Kommentare