02.01.2017 18:15

Futterpapst Gegen Problemzonen ist Zucker das beste Rezept

Hartnäckige Fettpölsterchen an Armen und Beinen nerven manche Frau. Nicht mehr Training, sondern Zucker bringt sie zum Schmelzen! Das Geheimnis lüftet Jürg Hösli in seiner Kolumne.

von
Jürg Hösli
Gpointstudio, iStock

Immer wieder kommen Frauen in unsere Beratung mit der Aussage, sie würden sehr viel und intensiv trainieren und immer mehr an den Beinen und Armen zunehmen. Sie möchten die Problemzonen loswerden und trainieren immer mehr. Die Logik befielt uns, dass genau hier abgenommen werden sollte, doch das Heck wird ausladender und die Beine massiger. Es gibt eine einfache Lösung, aber eines nach dem anderen.

Es war vor rund fünf Jahren, als eine Kundin meine Ernährungswelt komplett durcheinanderbrachte. Sie ist eine Eiskunstläuferin, und ich habe in der Körperfettfaltenmessung gesehen, dass sie am linken Bein (14mm) weniger Körperfett hatte als am rechten (18mm). Die Frage, ob das linke Bein das im Training mehr belastete sei, verneinte sie. Dies war für mich sehr unlogisch: Warum sollte ein Bein mehr trainiert sein als das andere und dazu mehr Körperfett aufweisen?

Ich begann diesen Zusammenhang mit älteren Daten zu untersuchen und bemerkte, dass meine halbseitig gelähmten Patienten auf ihrer gelähmten Seite deutlich weniger Körperfett aufwiesen. Das gleiche Bild hat sich bei vielen Sportlern in der Rekonvaleszenz ergeben. Der Schluss lag nahe: Je überlasteter ein Muskel ist, desto schlechter wird das darüber liegende Fettgewebe lokal abgebaut.

Bei der Eiskunstläuferin haben wir nach der ersten Messung die Kohlenhydrate vor und während des Trainings hochgefahren. Statt 14 und 18 mm waren zwei Wochen (!) später 12.4 und 13.2 mm zu messen! Sofort haben wir diese Resultate mit dutzenden weiteren Personen überprüft. Bei Frauen mit deutlichen Problemzonen an Armen und Beinen haben wir den Zucker während des Trainings hochgefahren. Die Resultate waren eindeutig. Ein Laugenbrot mit Bünderfleisch rund 60 – 90 Minuten vor dem Training, während des Trainings Apfelschorle und nach dem Training einen Schoko-Milchdrink, und die Körperfettfalten an den Beinen und Armen nehmen bei gleichbleibendem Training deutlich ab. Was unglaublich tönt, haben wir in den letzten Jahren an über 4500 Einzelfällen zeigen können.

Doch warum sollte das plötzlich gehen? Es ist ja das Gegenteil von dem, was alle behaupten. Was verbrennen wir in intensivem Training? Zucker! Wer statt eines Schorles nur Wasser nimmt, bei dem mag die Fettverbrennung während des Trainings höher sein. Doch Fettverbrennung findet in der Muskulatur statt und nicht in den Problemzonen. Und genau dieses Körperfett wird bei einer Überlastung der Muskulatur wesentlich schlechter abgebaut.

Die Zusammenhänge sind noch zu wenig klar, eine wahrscheinliche Möglichkeit ist ein Paradox. Wenn der Muskel weniger Fett verbrennt, braucht er weniger Sauerstoff (Kohlenhydrate verbrennen wir unter Verbrauch von weniger Sauerstoff). Wenn der Muskel aber intensiv arbeitet, ist er mit Sauerstoff eher unterversorgt. Wer nur Wasser nimmt, dem geht auf zellulärer Ebene schneller der Sauerstoff aus, was wiederum für einen höheren Stress sorgt. Und genau dieser Stress scheint auf den lokalen Fettabbau einen grossen Einfluss zu haben. Wer sich also mit wenigen Kohlenhydraten ernährt und von seinem Naturell her eher zu intensiv trainiert, bei dem werden die Beine immer massiger.

Zucker ist also nichts Böses, sondern der Zeitpunkt der Einnahme und die Menge machen das Gift. Zucker ist der beste Fatburner und kurbelt bei Überlastung die Regeneration wieder an. Aber Achtung: Wenn nun aufgrund der ansteigenden Erholung wieder mehr und härter trainiert wird, dann sind die Problemzonen schnell wieder da!

Jürg Hösli ist Ernährungswissenschaftler, Querdenker und greift gerne kontroverse Themen aus Sport, Psychologie und Ernährung auf. Er ist seit 30 Jahren im Leistungssport, hat Weltmeister und Olympiasieger betreut. Er ist Begründer der Ernährungsdiagnostik und der Schule für Ernährungsdiagnostik erpse in Winterthur. Hösli betreut hier vor allem übergewichtige Klienten und Menschen mit Reizdarm oder Erschöpfungszuständen.

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