Aktualisiert 11.01.2012 13:53

WEF-BerichtGegensätze entzweien die Welt

Laut einem Bericht des WEF sind die grössten Gefahren für die Welt die hohe Staatsverschuldung und grosse Einkommensunterschiede. Die Gegensätze würden noch stärker zunehmen, heisst es.

Arm und Reich entfernen sich laut WEF immer weiter. Hier ein Bild aus Sao Paulo.

Arm und Reich entfernen sich laut WEF immer weiter. Hier ein Bild aus Sao Paulo.

Die steigende Staatsverschuldung und massive Einkommensunterschiede zählen zu den grössten Gefahren für die Welt. Diese beiden Risiken haben nach Ansicht des Weltwirtschaftsforums WEF die weitreichendsten Auswirkungen für die globale Wirtschaft, weil sie Nährboden für Populismus und Protektionismus sind.

Wirtschaftliche Turbulenzen und soziale Verwerfungen könnten die Fortschritte zunichte machen, die mit der Globalisierung verbunden seien, heisst es in dem WEF-Bericht über die 50 grössten globalen Risiken. Dieser wurde am Mittwoch, zwei Wochen vor dem Stelldichein der Elite aus Politik und Wirtschaft in Davos, veröffentlicht.

Zu den Hauptgefahren zählt der Bericht die Verschärfung der Gegensätze und unsicher gewordene Sicherheitssysteme. Ganz oben auf der Liste steht auch die Kehrseite der globalen Online-Vernetzung.

Wachsende Gegensätze

Die massive Zunahme junger Menschen ohne Zukunftsaussichten, die steigende Anzahl von Rentnern, die von den Zahlungen ihrer hochverschuldeten Staaten abhängig seien und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sorgen nach Ansicht des WEF für zunehmende Verbitterung.

«Gemeinsam bilden diese Trends das Risiko, dass die mit der Globalisierung verbundenen Fortschritte zunichte gemacht werden», heisst es in dem Bericht. Bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage sei der Sozialvertrag zwischen Staaten und ihren Bürgern in Gefahr.

Der Einzelne sei zunehmend gefordert, Risiken zu übernehmen, die bislang von Regierungen und Unternehmen getragen worden seien, um in den Genuss einer sicheren Altersvorsorge und erstklassiger Gesundheitsdienstleistungen zu kommen. Dieser Befund sei ein Weckruf für den öffentlichen und privaten Sektor. «Es gilt, konstruktive Lösungen zu finden, um die Erwartungen der zunehmend von Ängsten geprägten globalen Gemeinschaft neu zu kanalisieren.»

Die bisher für Sicherheit sorgenden politischen Massnahmen, Normen und Institutionen des 20. Jahrhunderts hätten mit der rasanten Entwicklung einer komplexen und globalisierten Welt nicht Schritt gehalten. Die Schwächen der bestehenden Sicherheitssysteme böten Angriffsflächen für Risiken, die durch neue Technologien, gegenseitige finanzielle Abhängigkeiten, die Ausbeutung von Ressourcen und den Klimawandel entstehen.

Regulierungen gefordert

Die Gesellschaft sei dem bislang schutzlos ausgeliefert. «Wir haben Beispiele für Über- und Unterregulierung gesehen», hiess es. Überregulierungen habe es im Falle des Vulkanausbruchs auf Island gegeben, Unterregulierung im Zusammenhang mit der Subprime- und Euro-Krise. Die Regulierungen müssten ausgewogener und flexibler werden, um auf Veränderungen wirksam reagieren zu können.

Ein weiteres grosses Risiko sei die Kehrseite der globalen Online- Vernetzung. Die jederzeitige Vernetzung im Alltag mache uns verwundbar gegenüber verheerenden Cyber-Angriffen böswilliger Personen, Organisationen und Staaten.

«Während des arabischen Frühlings zeigte sich, welche Macht vernetzte Kommunikationsdienste im Kampf um Freiheit haben. Gleichzeitig halfen die gleichen Technologien, die Krawalle in London zu organisieren», hiess es. (sda)

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