Bruchlandung: «Gegenstände kann man ersetzen, Leben nicht»
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Bruchlandung«Gegenstände kann man ersetzen, Leben nicht»

Flight Attendants spannen kräftige Passagiere ein und das Handgepäck muss an Bord bleiben. So funktioniert eine Flugzeug-Evakuation.

von
sei

Frau Müller*, bei der Evakuation des Emirates-Flugzeugs, welches in Dubai eine Bruchlandung erlebte, suchten die Passagiere erst ihr Handgepäck, bevor sie die Maschine verliessen. Eine normale Reaktion?

Es ist sicherlich eine natürliche Reaktion, sein Hab und Gut zu schützen und – in diesem Falle – mitzunehmen. Von einer solchen Handlung ist in einem Notfall jedoch absolut abzusehen. Gegenstände können ersetzt werden – Menschenleben nicht.

Inwiefern ist dieses Handeln negativ für die Evakuierung?

Es verzögert, erschwert oder verhindert gar die Evakuation der Passagiere aus dem Flugzeug. Eine schnelle Evakuation ist von höchster Priorität, da sie Menschenleben rettet. Ein Koffer kann beispielsweise die Notrutsche beschädigen und sie so für nachkommende Passagiere unbenutzbar machen.

Was tue ich, wenn wichtige Dokumente oder Medikamente in meinem Koffer sind?

Das Handgepäck muss in einer Notsituation zurückgelassen werden. Die Passagiere werden nach der Evakuation durch die entsprechenden Experten betreut und umsorgt, dies gilt auch für die medizinische Hilfestellung. Wichtige Dokumente können ersetzt werden.

Wie verhält sich der Passagier bei einem Notfall richtig?

Da jede Notsituation anders ausgeprägt ist und auch die Rahmenbedingungen variieren, gibt es für Notfallsituationen keine allgemeingültigen Verhaltensregeln. Für die Passagiere gilt in jedem Fall, den Anweisungen der Besatzung jederzeit Folge zu leisten. In jeder Notfallsituation hat die Evakuation der Passagiere die höchste Priorität. Vorgängig empfehlen wir, die vor dem Flug gezeigten Sicherheitsanweisungen zu beachten, denn auch innerhalb des gleichen Flugzeugtyps können sich diese aufgrund von unterschiedlichen Ausbauarten merklich unterscheiden. Zudem ist es wichtig, sich den nächsten Notausgang zu merken.

Wie bereitet Swiss ihre Flugbegleiter auf den Ernstfall vor?

Unser Personal wird regelmässig auf solche Ernstfälle hin geschult. Unter anderem wird dabei die Evakuation eines Flugzeuges unter Einfluss verschiedenster Rahmenbedingungen geübt, um die Besatzungen bestmöglich auf jegliche Notfallsituationen vorzubereiten. Die Internationale Zivilluftfahrtbehörde schreibt vor, dass jedes zugelassene Flugzeug unter erschwerten Bedingungen (nur Notbeleuchtung, nur mit der Hälfte aller Notausgänge) innerhalb von 90 Sekunden evakuiert werden kann. Details dazu geben wir keine bekannt.

Muss nach den neusten Ereignissen das Sicherheitskonzept überdacht werden?

Der Sicherheitsstandard von Swiss ist bereits auf einem sehr hohen Niveau. Anpassungen und Optimierungen können jederzeit nach Bedarf stattfinden und entsprechend in unsere Schulung einfliessen.

Einige Leser plädieren dafür, dass ein Zuwiderhandeln der Passagiere mit saftigen Bussen geahndet wird.

Dies erachten wir nicht als sinnvoll, da es sich hier um ein Verhalten unter Stress oder in Panik handelt. Vielmehr versuchen wir unser Personal darauf zu schulen, die Passagiere in einer Notsituation bestmöglich zu unterstützen und sie schnellstmöglich zu evakuieren.

Auch eine Zentralverriegelung für das Gepäckfach wird diskutiert.

Das erachten wir nicht als praktikabel, da wir den Fluggästen im Reiseflug Zugang zu ihrem Gepäck gewähren möchten.

Stimmt es, dass Flight Attendants sich merken, wo besonders kräftige Passagiere sitzen?

Ja, das ist korrekt. Unsere Besatzungen sind geschult, im Vorfeld darauf zu achten, wer sie in einer Notsituation bei Bedarf unterstützen kann.

*Karin Müller ist Mediensprecherin bei Swiss.

Sitz beim Notausgang Swiss bietet wie andere Airlines auf zahlreichen Flügen gegen eine Reservationsgebühr Plätze mit mehr Beinfreiheit an, einige davon befinden sich direkt beim Notausgang. Wer dort sitzen möchte, muss diverse Bedingungen erfüllen. Unter anderem muss die Person körperlich fit und die Sicherheitshinweise in englischer Sprache lesen und verstehen. Im Notfall muss man den Anweisungen der Crew Folge leisten können und in der Lage sein, den Mitpassagieren Hilfe zu leisten. Erfüllt man diese Anforderungen nicht, bekommt man am Flughafen oder an Bord einen anderen Sitzplatz zugewiesen. Im Zweifelsfall liegt die Entscheidung bei der Crew.

Sitz beim Notausgang Swiss bietet wie andere Airlines auf zahlreichen Flügen gegen eine Reservationsgebühr Plätze mit mehr Beinfreiheit an, einige davon befinden sich direkt beim Notausgang. Wer dort sitzen möchte, muss diverse Bedingungen erfüllen. Unter anderem muss die Person körperlich fit und die Sicherheitshinweise in englischer Sprache lesen und verstehen. Im Notfall muss man den Anweisungen der Crew Folge leisten können und in der Lage sein, den Mitpassagieren Hilfe zu leisten. Erfüllt man diese Anforderungen nicht, bekommt man am Flughafen oder an Bord einen anderen Sitzplatz zugewiesen. Im Zweifelsfall liegt die Entscheidung bei der Crew.

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