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Gegner der Todesstrafe: Hinrichtung ist barbarisch

Die Hinrichtung des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein durch den Strang hat weltweit die Gegner der Todesstrafe geeint.

Zwar sei der frühere Machthaber für schwere Verletzungen der Menschenrechte verantwortlich, das rechtfertige die Todesstrafe aber nicht, sagte der finnische Aussenminister und EU- Ratsvorsitzende Erkki Tuomioja.

Der Europarat verurteilte die Hinrichtung als barbarisch und forderte den Irak zur Abschaffung der Todesstrafe auf. Kritik an der Todesstrafe übten auch mehrere Länder wie die Schweiz, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.

Die Todesstrafe sei auch bei schwersten Verbrechen nicht vertretbar, hiess es vom Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Russland bedauerte, dass die Appelle mehrerer Nationen und Organisationen an die irakischen Behörden, von der Todesstrafe gegen Saddam abzusehen, ungehört blieben.

Neue Gewalt befürchtet

Unmissverständliche Kritik an dem Urteil übten auch der Vatikan und der Weltkirchenrat. Die Nachricht von der Hinrichtung Saddams sei «tragisch». Es bestehe «das Risiko, dass dies den Geist der Rache noch anstachelt und neue Gewalt sät», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.

Für die Organisation Human Rights Watch schliesslich ist die Tötung Saddams ein bedeutsamer Schritt weg von den Menschenrechten. Das Verfahren habe schwere Mängel aufgewiesen.

USA frohlocken

Die USA und der Iran bewerteten die Exekution am Sonnabendmorgen hingegen positiv. Für US-Präsident George W. Bush ist die Hinrichtung ein Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak. Saddam habe ein faires Verfahren erhalten, das er den Opfern seines brutalen Regimes verweigert habe.

Der Iran bezeichnete Saddams Tod als «Sieg für das irakische Volk». Auch in Polen hiess der stellvertretende Aussenminister Pawel Kowal die Hinrichtung gut. Er sei zwar ein Gegner der Todesstrafe, mache in diesem Fall aber eine Ausnahme, sagte er im polnischen Radio.

Geteilte Meinung unter Muslimen

Mit gemischten Gefühlen wurde die Hinrichtung von Saddam Hussein in der arabischen Welt aufgenommen. Muslimische Pilger in Mekka veruteilten die Hinrichtung Saddams am islamischen Opferfest als eine Verletzung ihrer religiösen Gefühle.

Die irakischen Schiiten feierten dagegen den Tod Saddams. Sie strömten in der Stadt Nadschaf und im Bagdader Stadtviertel Sadr auf die Strassen und tanzten vor Freude. Viele Autofahrer begrüssten die Nachricht mit lautem Hupen.

(sda)

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