Aktualisiert 08.02.2010 14:34

England über das Quali-LosGegner Schweiz ist «ein Spaziergang im Park»

Nicht gerade frohlockend, aber entspannt zurückgelehnt reagiert man in England auf die Auslosungen für die Qualifikation zur Euro 2012. Die Schweiz als Gegner wird nicht sonderlich ernst genommen – so richtig Alarm schlagen nur der aktuelle und ein ehemaliger Trainer.

von
Patrick Toggweiler

«Ich denke, die Schweiz ist ein harter Brocken. Ich denke, die haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert», sagte Terry Venables, ehemaliger England-Coach und Experte bei Sky Sports, nach der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Euro 2012. «Es ist eine der härteren Gruppen. Aber wenn du der Favorit bist, muss man mit jedem Los zurechtkommen.» Mit seiner Einschätzung bildet Terry Venables den pessimistischen Pol in England. Dem gegenüber steht die «Sun» in gewohnt pointierter Art: «Fab hats nach dieser Auslosung einfach».

Der Trainer warnt

Mit «Fab» meint das Revolverblatt Englands Trainer Fabio Capello. Unter dem Italiener ist das leidgeprüfte englische Team wieder erstarkt, die Qualifikation für die WM wurde zur reinen Formsache. Trotzdem bleibt Capello als einer der wenigen auf der Insel vorsichtig: «Es wird unmöglich sein, auch nur ein einziges Spiel locker anzugehen. Die Schweiz wird sehr schwer. Mein erstes Spiel war gegen die Schweiz. Seit dieser Zeit haben wir aber Fortschritte gemacht.»

Britische Hochnäsigkeit

Die Schweiz als stärkster Widersacher für die Qualifikation der Euro 2012 blieb im britischen Blätterwald am Ende dann doch nur eine Randnotiz. Das Bruderduell gegen Wales und John Terrys aussereheliche Eskapaden beschäftigen die Insulaner weit mehr, als der FIFA-Weltranglisten 18. Und wurde das Thema dann doch noch gestreift, dann nicht ohne eine gewisse Arroganz: «Etwas Würze bringt das Aufeinandertreffen mit Wales, aber die Spiele gegen die Schweiz, Bulgarien und Montenegro haben das Potenzial, genossen und nicht erleidet werden zu können», schreibt zum Beispiel der «Express». Und weiter: «Capello sah gestern, wie sich die Türen für die Euro in Polen und der Ukraine weit öffneten.»

Goldene Chance

Sogar die sonst so nüchterne «Times» liess sich hinsichtlich der geringen Reisedistanzen zu einer spöttischen Bemerkung hinreissen: «Was in einer alptraumhaften Reise zwischen verschiedenen Zeitzonen, von Island bis in den Nordwesten Europas an die Grenze zu China, hätte enden können, wird zu einem Spaziergang im Park.» Als «goldene Chance», bezeichnet das Qualitätsblatt die Auslosung der Engländer.

Bevor die Qualifikation zur Euro 2012 startet, ist erst einmal Fussball WM. Ein so sehr erwünschter WM-Titel würde den Briten Flügel verleihen. Auf der Insel glaubt man an dieses Wunder. Ähnlich wie auch schon vor den Australian Open. Und wie hat es Roger Federer vor dem Final gegen Andy Murray so schön gesagt: «Der letzte Titel liegt 150 000 Jahre zurück.» Der Rest ist Geschichte.

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