Elitetruppe der Schweizer Armee - Foto der «Geheim-Einheit» sorgt in der Politik für Kopfschütteln
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Elitetruppe der Schweizer Armee Foto der «Geheim-Einheit» sorgt in der Politik für Kopfschütteln

Armee-Chef Thomas Süssli stellte ein Foto der geheimen Elitetruppe AAD 10 auf Social Media. Das sei ungeschickt, kritisieren eine Nationalrätin und ein Nationalrat.

von
Bettina Zanni
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Das vom Armee-Chef gepostete Foto der Elitetruppe AAD 10 führt bei Politikerinnen und Politikern zu kontroversen Reaktionen. 

Das vom Armee-Chef gepostete Foto der Elitetruppe AAD 10 führt bei Politikerinnen und Politikern zu kontroversen Reaktionen.

Twitter/Thomas Suessli
Vor rund zwei Wochen waren sechs Mitglieder des AAD 10 in Kabul in heikler Mission im Einsatz. Sie sorgten dafür, dass die rund 30 Schweizer Staatsangehörigen, die dort festsassen, heil nach Hause zurückkehrten.

Vor rund zwei Wochen waren sechs Mitglieder des AAD 10 in Kabul in heikler Mission im Einsatz. Sie sorgten dafür, dass die rund 30 Schweizer Staatsangehörigen, die dort festsassen, heil nach Hause zurückkehrten.

Screenshot/vtg.admin.ch
Die Spezialeinheit der Schweiz traf am 18. August in Kabul ein.

Die Spezialeinheit der Schweiz traf am 18. August in Kabul ein.

Screenshot/vtg.admin.ch

Darum gehts

  • Armee-Chef Thomas Süssli bedankte sich für den Einsatz der Elitetruppe AAD 10 in Afghanistan – und postete ein Foto der Truppe.

  • Bis anhin war die Truppe streng geheim.

  • «Es ist in hohem Masse inkonsequent und ungeschickt, wenn der Chef der Armee ein Foto einer geheimen Truppe veröffentlicht», sagt SP-Nationalrätin Franziska Roth.

  • FDP-Nationalrätin Doris Fiala widerspricht: Dabei würden keine Geheimnisse verraten.

Bis anhin war die Elitetruppe AAD 10 streng geheim – sie galt gar als geheimste Truppe der Schweizer Armee. Von den Namen der Soldaten über die Ausrüstung bis zu den Aufträgen sind sämtliche Informationen rund um die Truppe der Öffentlichkeit vorenthalten. Armee-Chef Thomas Süssli brach am Dienstag jedoch mit dieser Tradition.

Auf einem Foto präsentierte er voller Stolz die Elitetruppe – er selbst stand mittendrin. «Danke AAD 10.», schrieb er unter den Twitter-Post. Dazu feierte er die Truppe mit den Hashtags «Im Einsatz, wo es uns braucht» und «Team Armee». Vor rund zwei Wochen waren sechs Mitglieder des AAD 10 in Kabul in heikler Mission im Einsatz. Sie sorgten dafür, dass die rund 30 Schweizer Staatsangehörigen, die dort festsassen, heil heimkehrten.

Das Bild löst bei Leserinnen und Lesern Kopfschütteln aus. «So wie es keinem Einzigen sonst in den Sinn käme, den PIN auf die Kreditkarte zu schreiben, genauso wenig geht es den Rest der Welt irgendetwas an, wer diese Leute sind und wie sie ausgebildet wurden und ausgerüstet sind», schreibt «Schrumpelstilz». Und «Wetzio» spottet: «Jetzt nicht mehr geheim – es sei denn, das Bild ist fake – es sind nicht DIE Soldaten …» Ein Twitter-User fragt: «Geheimer? … lol …»

«In hohem Masse inkonsequent»

Auch Sicherheitspolitikerinnen und -politiker kritisieren den Post des Armee-Chefs. «Es ist in hohem Masse inkonsequent und ungeschickt, wenn der Chef der Armee ein Foto einer geheimen Truppe veröffentlicht», sagt SP-Nationalrätin Franziska Roth.

Noch vor zwei Wochen durften laut Roth keine Informationen über die Truppe nach aussen dringen. «Nicht einmal unsere Kommissionspräsidentin durfte uns über die Truppe informieren, als bekannt wurde, dass die Schweiz die AAD 10 nach Kabul schickt.» Meinte es die Armee mit der Geheimhaltung ernst, postete sie auch keine Fotos. «Mit dieser Aktion erfährt diese Einheit einen gewaltigen Glaubwürdigkeitsverlust.»

Ähnlicher Meinung ist GLP-Nationalrat Beat Flach. «Das Foto ist nicht sehr geschickt. Ich hätte die Gesichter gepixelt.» Bei einem Besuch in seiner ehemaligen Funktion als Subkommissionspräsident der Sicherheitskommission habe er die Truppe auch schon besucht. «Wir legten grossen Wert darauf, dass die Parlamentarierinnen und Parlamentarier von den Mitgliedern keine Fotos machen.» Schliesslich seien deren Persönlichkeitsrechte besonders zu schützen.

«Schlagkräftige Gruppe»

Kein Problem sehen bürgerliche Politikerinnen und Politiker. «Ich finde es gut, dass unser Armeechef der Öffentlichkeit zeigt, dass wir eine schlagkräftige Truppe haben», sagt Mitte-Nationalrat Alois Gmür. Seiner Meinung nach seien die Gesichter auf dem Foto kaum zu erkennen. «Auf dem Foto sind nicht mehr als Soldaten zu sehen und ein sehr stolzer Armeechef.»

Auch FDP-Nationalrätin Doris Fiala unterstützt den offenen Umgang des Armee-Chefs mit der geheimsten Truppe der Schweiz. Dabei seien keine Geheimnisse verraten worden, sagt sie. «Das Foto drückt dieser Truppengattung gegenüber eine gewisse Wertschätzung aus.» Die Soldaten darauf könnten sich vielleicht sogar darüber freuen, dass der Chef sie für ihren Einsatz ehre. Auch SVP-Nationalrat Thomas Hurter sagt: «Solange die Gesichter nicht erkennbar sind, sollen wir die Truppe auch zeigen und für ihre sehr gute Leistung anerkennen.»

«Das Foto prüften wir gut»

Auch die Armee verteidigt den Beitrag. Herr Süssli habe mit dem Post seine Wertschätzung für die Angehörigen des AAD 10 ausgedrückt, was beim Kommando Spezialkräfte auf positives Echo gestossen sei, sagt Armeesprecher Stefan Hofer. «Das Foto prüften wir gut und es verrät keinerlei Details über die Mitglieder der Truppe.» Die Schweizerische Offiziersgesellschaft unterstützt das Vorgehen ebenfalls (siehe unten).

Das sagt die Offiziersgesellschaft

Auch die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) steht hinter der Aktion des Armee-Chefs. «Der Chef der Armee ist der Vorgesetzte des AAD10. Er zeigt mit seiner Präsenz die Verbundenheit für diese Elitetruppe, die gefährliche Missionen erfolgreich durchführt», sagt Präsident Dominik Knill. Die Schweizer Armee führe keine geheimen Formationen, ohne dass die Politik eingebunden sei. Zurückhaltende Informationen über das AAD10 dienten in erster Linie der eigenen Sicherheit und jener der zu schützenden Personen.

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