Aktualisiert 20.08.2013 08:28

Fall SnowdenGeheimdienst zerstört «Guardian»-PCs

Grossbritannien tut alles, um weitere Artikel über Spionage-Aktivitäten zu verhindern. Gemäss «Guardian»-Herausgeber hat der britische Geheimdienst auf der Redaktion Computer geschreddert.

von
jbu

Britische Medien legen sich mit ihrer Regierung an. Im Zusammenhang mit der Spionage-Affäre und dem Fall Snowden soll sie den «Guardian» massiv unter Druck gesetzt und Recherchematerial zerstört haben, schreibt der Herausgeber des Blatts, Alan Rusbridger, in einem Online-Kommentar.

Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes hätten vor einigen Wochen unter Androhung juristischer Konsequenzen die Zerstörung oder Aushändigung der Dokumente von Edward Snowden gefordert, heisst es. «Ihr hattet euren Spass. Nun wollen wir das Zeug zurück», hätten sie erklärt. Sie zerstörten daraufhin in der Londoner Redaktion Computer – offenbar, um zu verhindern, dass Geheimdokumente in die Hände chinesischer Spione fallen.

«Bizarrer Moment»

Das Schreddern der Festplatten bezeichnet Rusbridger als «einen der eher bizarren Momente in der langen Geschichte des ‹Guardians›». Zwei Mitarbeiter des britischen Abhördienstes GCHQ hätten im Londoner Redaktionssitz die Zerstörung der Computer überwacht, um sicherzugehen, dass «nichts in den zerfetzten Metallteilen noch von Interesse sein konnte, an chinesische Agenten weitergegeben zu werden».

Ein Geheimdienst-Mitarbeiter habe nach getaner Arbeit gewitzelt: «Jetzt können wir unsere schwarzen Helikopter zurückrufen». Dabei habe er die Überreste eines zerstörten MacBooks zusammengekehrt. Der «Guardian»-Herausgeber sieht in den Geschehnissen eine ernsthafte Bedrohung des Journalismus: «Der Staat errichtet einen solch gewaltigen Überwachungsapparat, dass er alles tut, damit wir nicht berichten.»

Snowden-Affäre ins Rollen gebracht

Der «Guardian»-Journalist Glenn Greenwald hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Dokumente von Snowden veröffentlicht und die umfangreichen Ausspähungen des US-Geheimdienstes NSA bekannt gemacht. Die Veröffentlichungen haben die USA im In- und Ausland stark unter Druck gesetzt.

Rusbridger schrieb am Montag, er habe bei einem Treffen mit britischen Offiziellen gesagt, der «Guardian» könne seinen journalistischen Pflichten nicht nachkommen, wenn er der Forderung der Regierung nachgebe. Daraufhin habe ein Mitarbeiter der Regierung erwidert, die Zeitung habe bereits ihr Ziel erreicht, eine Debatte über Ausspähungen auszulösen. «Ihr habt eure Debatte gehabt. Es gibt keinen Grund, jetzt noch mehr zu veröffentlichen.»

Greenwalds Partner festgehalten

Am Sonntag hatten britische Behörden auf dem Flughafen London-Heathrow Greenwalds brasilianischen Lebenspartner unter Verweis auf ein Anti-Terror-Gesetz neun Stunden festgehalten und befragt.

Die Regierung Brasiliens hat dagegen Beschwerde eingelegt. Greenwald hatte das britische Vorgehen als Versuch der massiven Einschüchterung bezeichnet und neue Veröffentlichungen über die Spionageaktivitäten Grossbritanniens angekündigt. (jbu/sda)

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