Aktualisiert 19.10.2012 20:17

Verheerende AutobombeGeheimdienstchef bei Attentat in Beirut getötet

Beim grössten Anschlag seit Jahren im Libanon kamen acht Menschen ums Leben – unter ihnen der Chef des Polizeigeheimdienstes. Die Spuren der Attentäter führen nach Syrien.

Beim verheerendsten Bombenanschlag in Beirut seit Jahren sind am Freitag der Chef des libanesischen Polizeigeheimdienstes sowie sieben weitere Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere Menschen wurden bei der Explosion der Autobombe verletzt, deren Ziel nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur der Fahrzeugkonvoi von Geheimdienstchef Brigadegeneral Wissam al Hassan war.

Zunächst war unklar, ob der Anschlag mit dem Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien in Zusammenhang stand. Allerdings leitete al Hassan Ermittlungen gegen den früheren Informationsminister Michel Samaha, einen der engsten Verbündeten der syrischen Regierung im Libanon. Samaha wurde am 9. August verhaftet und anschliessend wegen der Planung von Terroranschlägen angeklagt. Nach Angaben aus Polizeikreisen hat er zugegeben, persönlich Sprengstoff von Syrien über die Grenze in den Libanon transportiert zu haben. Neben ihm wurde auch der syrische Geheimdienstchef Ali Mamluk in Abwesenheit angeklagt.

Grosse Zerstörung in christlichem Viertel

Die gewaltige Explosion am Freitagnachmittag erschütterte eine enge Strasse in dem mehrheitlich christlichen Viertel Achrafieh. In mehreren Strassenzügen wurden Türen und Fenster zerstört, Balkone wurden von Wohnhäusern gerissen und Autos durch die Luft geschleudert.

Blutüberströmte Bewohner flohen aus ihren Häusern, andere versuchten den vielen Schwerverletzten zu helfen. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen wurden 60 Menschen verletzt, 20 von ihnen schwer. Die staatliche Nachrichtenagentur bezifferte die Zahl der Verwundeten auf 78. Gesundheitsminister Ali Hussein Chalil rief die Krankenhäuser auf, alle Opfer dieses «terroristischen Bombenanschlags» aufzunehmen.

In den vergangenen Wochen und Monaten war auch der Libanon immer wieder von den Folgen des Bürgerkriegs in Syrien erfasst worden. So lieferten sich Anhänger und Gegner des syrischen Präsidenten Baschar Assad immer wieder Kämpfe.

Libanon und Syrien sind eng vernetzt

Zwischen den beiden Ländern besteht ein enges Netz aus politischen und religiösen Allianzen und Feindschaften. Die libanesischen Sunniten stehen grundsätzlich auf der Seite von Syriens mehrheitlich sunnitischen Rebellen, während die mächtige Hisbollah-Miliz einer der wichtigsten Verbündeten Assads ist.

Der Libanon war in den vergangenen Jahren Ziel einer Reihe von Bombenanschlägen, die 2005 mit dem Selbstmordattentat auf den Ministerpräsidenten Rafik Hariri begann. In den folgenden Jahren wurde eine Reihe von Syrien-Gegnern getötet, viele von ihnen bei Anschlägen mit Autobomben. Zahlreiche Libanesen werfen dem syrischen Regime vor, für die Attentate verantwortlich zu sein. Damaskus wies aber stets alle Vorwürfe zurück.

Der letzte schwere Bombenanschlag fand im Jahr 2008 statt, als ein Anti-Terror-Ermittler, der eine Reihe anderer Attentate untersuchte, selbst ums Leben kam. Neben ihm wurden auch vier weitere Menschen getötet und 38 verletzt. (dapd)

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