Bilderberg-Konferenz: «Geheime Weltregierung» trifft sich wieder
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Bilderberg-Konferenz«Geheime Weltregierung» trifft sich wieder

Eine Elite aus Wirtschaft und Politik diskutiert ab Donnerstag bei London die drängendsten Probleme der Welt – oder schmiedet ein neues Komplott, wie Kritiker behaupten. Mit dabei sind auch fünf Schweizer.

von
hal

Sie ist wahlweise die «Schatten-Weltregierung» oder nur ein «harmloses Treffen»: die Bilderberg-Konferenz. Seit 1954 laden ihre Vorsitzenden die Mächtigen der Welt in Luxus-Hotels in verschiedenen Ländern ein. Teilnehmerlisten und Diskussionsthemen sind zwar seit 2011 öffentlich, was an den exklusiven Treffen genau besprochen oder sogar beschlossen wird, bleibt aber streng geheim.

Verschwörungsthoretiker laufen deshalb vor jeder Konferenz zu Höchstform auf: Nichts weniger als das Schicksal der Welt würden die Bilderberger lenken, Kriege und Währungskurse beschliessen und sogar Präsidenten ernennen. 2011, als das sagenumwobene Treffen in St. Moritz stattfand, organisierten Verschwörungstheoretiker und Linksaktivisten aus halb Europa eine Gegendemo. Die britischen Behörden haben gemäss «The Telegraph» für die Konferenz vorsorglich ein millionenteures Sicherheitdispositiv aufgezogen. Sie befürchten, dass es zu «Gewalt und Störaktionen» kommen könnte.

Die rund 140 Wirtschaftsbosse und Politgrössen werden davon wenig mitbekommen: Sie werden im Grove Hotel in Watford bei London gut abgeschirmt und über Schulden, Arbeitslosigkeit, Cyberwar oder Medizin-Trends sprechen – zumindest steht es so auf der offiziellen Themenliste. Unter den Gästen sind gemäss der Teilnehmerliste Politgrössen wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Italiens Ex-Ministerpräsident Mario Monti und mehrere Minister und aus der Wirtschaft Topshots von Royal Dutch Shell, BP, Syngenta, Google, Microsoft oder Goldman Sachs. Hinzu kommen hochrangige Vertreter aus Medien und Wissenschaft sowie Nobelpreisträger wie Henry Kissinger.

«Ich erwarte spannende Gespräche»

Auch fünf Schweizer werden an der Konferenz teilnehmen: Josef Ackermann und Daniel Vasella, beide Mitglieder des Vorstands der Bilderberger, sowie Thomas Jordan (Präsident der Schweizerischen Nationalbank), André Kudelski (CEO Kudelski Group) und Felix Gutzwiller (FDP-Ständerat). Letzterer bestätigt auf Anfrage, dass er von den Vorsitzenden der Bilderberger zum Treffen eingeladen worden ist. «Ich erwarte, ähnlich wie am Wef in Davos, interessante Diskussionen zu Themen wie die europäische Finanzkrise, die Weltwirtschaftssituation, aber auch zum demographischen Wandel und zur Jugendarbeitslosigkeit.» Zudem freue er sich auf spannende Begegnungen. Als Weltverschwörung sieht er die Konferenz nicht: Es gebe «keinerlei Empfehlungen oder gar Verpflichtungen» für ihn.

Gutzwiller reiht sich in eine illustre Schar von Schweizer Politikern, die an den Bilderberg-Konferenzen waren. Darunter waren Bundesräte wie Pascal Couchepin, Jean-Pascal Delamuraz und Doris Leuthard. SVP-Doyen Christoph Blocher nahm 2009 am sagenumwobenen Treffen teil – und nannte es danach das Harmloseste, was er je gesehen habe. «Von geheimer Weltregierung kann keine Rede sein.» Allerdings musste auch er sich zur Geheimhaltung verpflichten. «Ich will mich an die Abmachungen halten. Details erzähle ich keine.»

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