Aktualisiert 30.05.2012 22:53

Für einen Tag

Geheimer Datenbunker öffnet Türen

Im Bunker K7 in Attinghausen im Kanton Uri speichern Pharmafirmen und Banken auf 125 Servern hochsensible Daten. Erstmals durften Besucher die Anlage besichtigen.

von
Janko Skorup
Einer der Eingänge des ehemaligen Luftwaffen-Kommandobunkers K7. David Corriveau, CEO von Radix Technologies (r.).

Einer der Eingänge des ehemaligen Luftwaffen-Kommandobunkers K7. David Corriveau, CEO von Radix Technologies (r.).

1000 Meter unter einem Berg im ehemaligen Kommandobunker K7 stehen jetzt Hunderte Server und beherbergen hochsensible Daten. Am Mittwoch gewährte die Inhaberin Deltalis erstmals Einblick in den 15 000 Quadratmeter grossen Generalsbunker bei Attinghausen UR: Statt Kanonen und Flugzeuge stehen dort 125 Server und bieten Platz für 750 Terabyte Daten, das ­entspricht rund 20 Millionen Musiksongs. Und: «Unsere ­Kapazität ist noch lange nicht erschöpft», sagt David Corri­veau, CEO von Radix Technologies, die die Cloud-Server anbietet.

Gegen alle Gefahren sicher

Seit Anfang Januar 2012 nehmen rund 25 Kunden die Speicherdienste in Anspruch, darunter namhafte Pharmafirmen wie Bayer sowie Schweizer Grossbanken. Die Kosten betragen für ein Terabyte 2500 Franken monatlich. Was gespeichert wird, darf Corri­veau nicht sagen. Aber: Es sei eines der sichersten Datencenter Europas. Der Bunker hält einer 20 Megatonnen-Atombombe stand, Wasserreservoirs stellen die Kühlung und Dieselgeneratoren die Notstromversorgung sicher.

Die Firma Deltalis hat den viele Jahre streng geheimen Luftwaffen-Kommandobunker K7 im Jahr 2005 von der Schweizer Armee gekauft. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart, Experten schätzen ihn auf vier Millionen Franken. Deltalis und Radix zeigen sich bereits an weiteren Bunkern interessiert, falls die Kapazität im K7 ausgehen sollte.

«Bauboom von Datencentern»

In der Schweiz gibt es mindestens vier Cloud-Datenbunker. Für Thomas Dübendorfer, ­IT-Security-Experte, liegt in den Datencentern die Zukunft: «Momentan gibt es einen Bauboom von Datencentern und auch die Zukunft gehört dem Cloud-Computing.» Der grosse Vorteil seien dabei die tiefen Kosten der zentralen Datenspeicherung. Als Standort sei die Schweiz ideal: «Sie ist politisch stabil und ausserdem gilt hier weder US- noch EU-Recht.»

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