Mumienforschung: Geheimnis der «Schwarzen Hand» gelüftet
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MumienforschungGeheimnis der «Schwarzen Hand» gelüftet

Jahrhundertelang gab die mumifizierte Hand von Schloss Hohenlimburg den Menschen Rätsel auf. Jetzt ist klar: Die Hand wurde nicht einem frechen Knaben abgehackt.

Die Legende der «Schwarzen Hand» klingt noch heute schauerlich: «Der Überlieferung nach handelt es sich um die Hand eines Edelknaben, der seine Mutter schlug», heisst es auf der Internet-Seite von Schloss Hohenlimburg. «Als Strafe für die Missachtung des vierten Gebots wurde die Hand des Knaben vor der versammelten Bürgerschaft der Stadt Limburg durch einen Scharfrichter mit dem Richtschwert abgeschlagen. Als Warnung für alle Kinder wurde die Hand bewahrt und einbalsamiert.»

Alles falsch, sagen jetzt Mannheimer Wissenschaftler. Sie untersuchten das berühmte mumifizierte Ausstellungsstück in dem Hagener Schloss für das «German Mummy Project» der Reiss-Engelhorn-Museen. Für sie gibt es keine Hinweise darauf, dass die Hand - wie die Legende sagt - einst einem Kind abgehackt wurde. Die Forscher halten es dagegen für sehr wahrscheinlich, dass sie von einem Verbrechensopfer stammt.

Mittelalterliches Leibzeichen

Die mumifizierte Hand war in den Trümmern des 1811 durch einen Blitzschlag zerstörten Bergfrieds gefunden worden. Zunächst war sie durch den Kalkmörtel konserviert, nahm jedoch bald die schwarze Farbe an. «Wahrscheinlich handelt es sich um ein mittelalterliches Leibzeichen, ein Beweisstück aus einer ungeklärten Morduntersuchung, welches im Turm des Schlosses eingemauert worden war», heisst es in der Mitteilung des Schlosses.

Die Bestätigung dieser These lieferten jetzt die Mannheimer Forscher: Im vergangenen Jahr wurde unter der Leitung von Wilfried Rosendahl damit begonnen, die «Schwarze Hand» wissenschaftlich zu untersuchen. Dazu wurden modernste technische Geräte und Methoden wie der CT-Scann und die Radiokarbon-Datierung verwendet. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es sich um eine rechte Hand handelt. Es fehlen alle Knochen der Fingerspitzen sowie ein Teil der Handwurzelknochen.

Wohl die Hand eines Erwachsenen

Die Hand stamme sehr wahrscheinlich von einem erwachsenen Mann, hiess es weiter. Die Radiokarbon-Datierung am Klaus-Tschira-Labor für physikalische Altersbestimmung ergab, dass die Hand aus dem 16. Jahrhundert stammt. An der Hand konnten keine Hiebspuren festgestellt werden - daher handele es sich wohl nicht um einen Überrest eines Straftäters, dem die Hand abgehackt wurde.

«Ganz im Gegenteil: Wir vermuten, dass es sich bei solchen Händen um sogenannte Leibzeichen handelt», erklärte Rosendahl. Ein Hinweis darauf sei auch ein Etikett mit Bändchen. Leibzeichen seien das zum Beweis einer begangenen Mordtat von dem Ermordeten in das Gericht gebrachte körperliche Zeichen.

Nach mittelalterlichen-frühneuzeitlichen Rechtsvorschriften musste bei der Gerichtsverhandlung nicht nur der Täter, sondern auch das Opfer anwesend sein, wie es in der Mitteilung weiter hiess. Dazu wurde dem Mordopfer eine Hand oder ein Fingerglied abgetrennt und der restliche Leichnam bestattet. Die abgetrennten Körperteile mussten aber konserviert beziehungsweise mumifiziert werden, denn zwischen einer Tat und ihrer Verhandlung konnten Wochen, Monate oder Jahre liegen, je nachdem wann der Täter gefasst war. (dapd)

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