US-Steuerstreit: Geheimplan von Rohner soll die CS retten
Aktualisiert

US-SteuerstreitGeheimplan von Rohner soll die CS retten

CS-Präsident Urs Rohner hat eine Tochterbank gegründet. Diese könnte der CS helfen, den Kopf aus der Schlinge der US-Justiz zu ziehen. Ein Bankenprofessor findet das legitim.

von
Yves Hollenstein
Steht wegen dem Steuerstreit mit den USA stark unter Druck: Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Grossbank Credit Suisse.

Steht wegen dem Steuerstreit mit den USA stark unter Druck: Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Grossbank Credit Suisse.

Die Credit Suisse steht in den USA am Pranger. Laut US-Medienberichten droht der Grossbank ein Strafanzeige wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung (20 Minuten berichtete). Im schlimmsten Fall könnte der CS die Banklizenz in den USA entzogen werden.

Dank einem Schachzug des Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner, Ex-Chefjurist der Bank, könnte die CS aber mit einem blauen Auge davon kommen. Im letzten Dezember gründete die Credit Suisse mit der CS International Advisors AG eine Tochterbank. Gemäss dem Finanzportal Inside Paradeplatz soll diese Bank nun dem US-Steuerstreit geopfert werden.

Hohe Busse und USA-Verbot

Laut dem Bericht habe Rohner angeordnet, alle geschlossenen und zu schliessenden US-Konti auf diesen separaten Geschäftszweig zu transferieren. Dazu hätte der CS-Präsident eine Reihe von Kaderleuten zusammengeschart, welche die neue Bank führen sollen. Statt der CS könnten die US-Justizbehörden nun diese Tochterbank anklagen. Zudem könnte die CS mit diesem Konstrukt auch der Forderung nach einem Schuldeingeständnis gerecht werden.

Negativ ins Gewicht fallen würde einzig eine allfällige hohe Busse – in verschiedenen Medien ist von bis zu zwei Milliarden die Rede. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen den Führungskräften der neuen Bank ebenfalls Bussen und ein lebenslanges USA-Verbot. Eine hohe Geldprämie dürfte sie aber dafür entschädigen, schreibt Inside Paradeplatz.

CS-Sprecher Marc Dosch bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass die CS International Advisors AG letzten Dezember gegründet und in den Medien bereits im März darüber berichtet wurde. Dass man den nicht-strategischen Kundenbereich in die neue Bank auslagere, habe juristische Gründe, so Dosch. Zur Frage, ob die neue Tochterbank ein Instrument im Steuerstreit sei, wollte er sich nicht äussern.

Lösung dürfte «nicht ganz günstig» werden

Der Wirtschaftsprofessor Maurice Pedergnana erachtet die Bildung eines solchen Konstrukts als legitim. «Von einer Bank wie der Credit Suisse wird eine solche Struktur erwartet. So dass auch einzelne Bereiche wegfallen können, die Bank als solches aber überleben wird.» Sollte etwas schiefgehen, würde also die neue Tochterbank dafür geradestehen und nicht das Mutterhaus. Aus diesem Gesichtspunkt mache die neue CS-Tochterbank durchaus Sinn, so Pedergnana.

Zudem haben auch schon viele andere Finanzinstitute wie die UBS oder die Schweizerische Nationalbank faule Kredite in eine separate Bank verlegt. Im Allgemeinen glaubt der Wirtschaftsprofessor, dass sich die CS «nicht ganz günstig» aus der Affäre ziehen kann: «Ich tendiere zu einer aussgerichtlichen Einigung mit einem Schuldbekenntnis seitens der Credit Suisse.» Das Wichtigste sei aber, dass die Schweizer CS-Kunden durch die Schaffung dieses Konstrukts nicht tangiert würden.

Trotz des möglicherweise klugen Schachzugs droht CS-Präsident Rohner am Freitag aber eine unangenehme Generalversammlung. Laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» fordert der amerikanische Aktionärsberater Glass Lewis die Investoren dazu auf, Rohner nicht im Amt zu bestätigen.

Der Präsident sei dafür verantwortlich, dass die Verwaltungsräte der CS deutlich mehr verdienten als jene anderer Banken, heisst es bei der Beratungsfirma, bei der auch einige der grössten CS-Aktionäre Kunden sein dürften.

Investoren kaum verunsichert

Am Montag reagierte die CS-Aktie auch erstmals auf die Verunsicherung im US-Steuerstreit. Kurz nach Handelseröffnung tauchte der Kurs um über drei Prozent. Dies könnte aber auch mit der allgemein schlechten Börsenstimmung am Montag zusammenhängen.

Dass sich die CS-Valoren so stabil halten, ist für Pedergnana ein Zeichen dafür, dass sich die Investoren keine grossen Sorgen über den Ausgang des Streits der CS mit den US-Justizbehörden machen.

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