5-Personen-Regel: «Gehen wir als Familie spazieren, schauen uns die Leute komisch an»
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5-Personen-Regel«Gehen wir als Familie spazieren, schauen uns die Leute komisch an»

Treffen von mehr als fünf Personen sind verboten. Das stellt die sechsköpfige Familie Fuchs vor besondere Herausforderungen.

von
Bettina Zanni
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«Wenn wir wir als ganze Familie spazieren gehen, schauen uns die Leute oft komisch an», sagt Mutter Vivien Fuchs.

«Wenn wir wir als ganze Familie spazieren gehen, schauen uns die Leute oft komisch an», sagt Mutter Vivien Fuchs.

20min/Simon Glauser
Die Familie lädt niemanden mehr ein, besucht niemanden mehr und unternimmt auch mit niemandem mehr draussen etwas.

Die Familie lädt niemanden mehr ein, besucht niemanden mehr und unternimmt auch mit niemandem mehr draussen etwas.

20min/Simon Glauser
Vivien Fuchs (35) und ihr Mann Jari Fuchs (32) sind die Eltern von einem 13-jährigen Sohn, einem achtjährigen Sohn, einer fünfjährigen Tochter und einem dreijährigen Sohn.

Vivien Fuchs (35) und ihr Mann Jari Fuchs (32) sind die Eltern von einem 13-jährigen Sohn, einem achtjährigen Sohn, einer fünfjährigen Tochter und einem dreijährigen Sohn.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Die Familie Fuchs aus dem Kanton Luzern ist zu sechst.

  • Als die 5-Personen-Regel eingeführt wurde, musste sie ihren Alltag sozial umkrempeln.

  • Auch erntet die Familie manchmal seltsame Blicke.

Frau Fuchs, seit bald zwei Wochen dürfen sich privat und im öffentlichen Raum nur noch maximal fünf Personen (siehe Box) treffen. Wie leben Sie als sechsköpfige Familie mit der neuen Regel?

Nur schon als Familie sind wir immer eine Person zu viel. Das führt manchmal zu speziellen Situationen.

Wann zum Beispiel?

Wenn wir wir als ganze Familie spazieren gehen, schauen uns die Leute oft komisch an. Da mein Mann und ich vier Kinder haben, sind wir automatisch mit einer Person zu viel unterwegs. Wir sind junge Eltern und unser 13-jähriger Sohn misst schon 1,77 Meter. Da denken manche Leute wohl, wir seien ein paar junge Leute, die gegen die Regel verstiessen.

Hand aufs Herz: Kann es einer sechsköpfigen Familie überhaupt gelingen, diese Regel einzuhalten?

Ganz strikt gesehen funktioniert das natürlich nicht. Mein Bruder wohnt mit seiner Frau und dem Kind in einem Teil unseres Hauses. Ihn und seine Familie treffen wir manchmal vor dem Haus – alles andere wäre ja langsam absurd. Ansonsten halten wir uns aber strikt an die Regel.

Worauf verzichten Sie?

Wir laden als Familie niemanden mehr ein, besuchen niemanden mehr und unternehmen auch mit niemandem mehr draussen etwas.

Fällt es Ihnen schwer?

Zum Teil schlagen uns die fehlenden sozialen Kontakte von ausserhalb schon auf die Psyche. Als Familie trafen wir vorher gerne andere Familien zum Spazieren, Velofahren oder Schwimmen im Hallenbad. Wegen der 5-Personen-Regel mussten wir auch unsere Skiferien absagen. Gerne hätten wir sie mit meiner Mutter und der Gotte unseres ältesten Sohns verbracht. Aber am meisten leidet unser ältester Sohn unter den eingeschränkten Kontakten.

Warum?

Er lud oft Kollegen ein. Dann spielten sie zusammen Darts, Fussball oder gamten. Jetzt darf er niemanden mehr einladen. Auch kann er seine Freunde nicht besuchen – viele Familien sind in der Pandemie sehr vorsichtig geworden und wollen sowieso keinen Besuch mehr haben. Bitter für ihn war auch sein Geburtstag am Mittwoch.

Wie feierte er diesen?

Er hätte gerne eine Party mit Freunden veranstaltet. Nun musste er sich mit der Familie und Whatsapp-Telefonaten mit den Grosseltern begnügen. Sie können unsere Kinder leider ja auch nicht mehr hüten, weil sie als Paar plus vier Kinder die 5-Personen-Regel gleich überschreiten würden.

Ist das ein Problem für Sie im Alltag?

Es wäre eines und ich hätte auch keine Lösung dafür parat. Zum Glück ist aber das Sportgeschäft, in dem ich arbeite, geschlossen, sodass ich mich voll um die Kinder kümmern kann. Unser Mittlerer stürmt immer extrem nach seiner Grossmami. Treffen kann ich meine Mutter aber nie mit allen vier Kindern. Mindestens eines kann dann nicht mitkommen.
Einmal traf ich meine Mutter mit den beiden Kleinen, als der Mittlere und der Älteste in der Schule waren. Der Mittlere war dann sehr traurig, dass er nicht hatte dabei sein können. Manchmal ist es auch sehr streng, wenn man die Kinder nie jemand anderem «abgeben» kann zum Spielen.

Sehnen Sie sich nach anderen Kontakten?

Ich leide weniger als die Kinder. Meinen Ausgleich finde ich bei meinem Pferd. Zu diesem gehe ich dann ganz alleine und geniesse die Ruhe.

Familie Fuchs

Vivien Fuchs (35) und ihr Mann Jari Fuchs (32) sind die Eltern von einem 13-jährigen Sohn, einem achtjährigen Sohn, einer fünfjährigen Tochter und einem dreijährigen Sohn. Sie wohnen im Kanton Luzern.

5-Personen-Regel

Seit dem 18. Januar dürfen maximal fünf Personen an Veranstaltungen im Freundes- und Familienkreis, wie etwa Treffen und Feste, teilnehmen. Kinder werden dabei mitgezählt. Leben mehr als fünf Personen im gleichen Haushalt, dürfen diese laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) natürlich trotzdem zusammen Zeit verbringen. Da es sich beim Familien- oder Zusammenleben von Personen im selben Haushalt um keine Veranstaltung handelt, sind diese von der 5-Personen-Regel ausgeschlossen. Gemeinsamen Besuch dürfen sie hingegen nicht empfangen. Denn bei Treffen mit Personen aus einem anderen Haushalt gilt die 5-Personen-Regel. Auch Patchworkfamilien, die zum Beispiel über das Wochenende regelmässig zusammenkommen und dann mehr als fünf Personen sind, dürfen dies weiterhin tun.

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