Tod in Roggwil: Gehilfe des Metzger-Mörders erneut verurteilt
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Tod in RoggwilGehilfe des Metzger-Mörders erneut verurteilt

Er war dabei, als ein betagter Metzger in Roggwil wegen ein paar tausend Franken qualvoll getötet wurde. Das Berner Obergericht bestätigt eine 15-jährige Freiheitsstrafe gegen den Chauffeur des Mörders von Roggwil.

Das Berner Obergericht sah mehrere Widersprüche in den Aussagen des Angeklagten.

Das Berner Obergericht sah mehrere Widersprüche in den Aussagen des Angeklagten.

Ein 30-jähriger Serbe bleibt wegen der Ermordung eines Roggwiler Metzgers im Jahr 2003 hinter Gittern. Das bernische Obergericht kam am Dienstag zum Schluss, die Vorinstanz habe den Mann zu Recht als Mittäter verurteilt. Das Strafmass wurde bestätigt.

Das Regionalgericht in Aarwangen hatte eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mordes und gefährlichen Raubes verhängt. Dieses Urteil hatte der Serbe weitergezogen. «Ich bin kein Mörder», beteuerte er am Dienstag in seinem Schlusswort. Er will auch das Urteil des Obergerichts anfechten.

Die II. Strafkammer des Obergerichts sah keine Veranlassung, die Vorinstanz zu korrigieren. In den Aussagen des Serben gebe es mehrere Widersprüche, erklärte Richterin Franziska Bratschi in der mündlichen Urteilsbegründung. Zudem seien manche seiner Angaben nicht nachvollziehbar.

Der Raubmord im oberaargauischen Roggwil hatte im August 2003 hohe Wellen geworfen. Der 79-jährige Metzgermeister war in seiner eigenen Wohnung einen qualvollen Tod gestorben, nachdem ihn die Täterschaft beim nächtlichen Überfall gefesselt, geschlagen und getreten hatte. Der Wert der Beute betrug einige tausend Franken.

Komplizen verpfiffen

Der eine Täter - ebenfalls ein Serbe aus dem Kosovo - wurde 2004 gefasst und 2006 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Ermittler gingen stets davon aus, dass der Mann einen Komplizen gehabt haben dürfte. Doch erst 2009 belastete der Verurteilte einen Landsmann.

Dieser gab nach anfänglichem Leugnen zu, er habe in jener Nacht den Haupttäter nach Roggwil gefahren. Ursprünglich sagte er auch, er habe sich ebenfalls in der Wohnung aufgehalten. Dieses Geständnis widerrief er später.

Das Obergericht hielt die ursprünglichen Angaben für glaubwürdiger. Den stämmigen Rentner habe kaum ein Mann alleine fesseln können, sagte die Richterin. Der Beschuldigte sei also mitverantwortlich für den Tod des Metzgers.

«Indizienkette reicht nicht aus»

Der Verteidiger hatte vergeblich geltend gemacht, sein Mandant sei vor Jahresfrist in einem reinen Indizienprozess verurteilt worden. Kein einziges objektives Beweismittel sei vorgelegen - und die vorliegende Indizienkette reiche nicht aus, um einen Menschen für ein Kapitalverbrechen zu verurteilen.

Sein Mandant gehe davon aus, dass er Opfer eines Racheakts geworden sei, führte der Verteidiger aus. Dabei sei es offenbar um eine Abrechnung im kriminellen Milieu gegangen, in dem sich beide Serben bewegten.

Doch es sei nicht an seinem Mandanten, seine Unschuld zu beweisen, betonte der Verteidiger. Er verlangte einen Freispruch wegen Mordes und lediglich einen Schuldspruch wegen Diebstahls.

«Sorgfältige Beweisführung»

Staatsanwalt Charles Haenni würdigte dagegen die «sorgfältige Beweisführung der Vorinstanz» und bezeichnete die 15-jährige Freiheitsstrafe als angemessen.

Man könne davon ausgehen, dass zwei Männer am Tatort gewesen seien und dass der zweite Mann eben der «Chauffeur» war, sagte Haenni. Dafür gebe es mehrere Indizien, darunter die musterförmige Verletzung auf dem Rücken des Opfers. Sie stamme offensichtlich von einem Turnschuh, wie ihn der Chauffeur an jenem Tag getragen habe.

Juristisch ist der Fall auch nach dem jüngsten Urteil nicht ausgestanden. Denn der verurteilte Haupttäter möchte, dass sein eigener Prozess neu aufgerollt wird. Sein Revisionsgesuch ist zurzeit hängig. (sda)

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