Massaker in Las Vegas: Gehirn des Todesschützen kommt unters Messer
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Massaker in Las VegasGehirn des Todesschützen kommt unters Messer

Das Motiv hinter dem Massaker in Las Vegas ist weiterhin ungeklärt. Die Untersuchung des Gehirns des Schützen Stephen Paddock soll nun Antworten liefern.

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sep
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Führte ein unauffälliges Leben: Der Täter Stephen Paddock.

Führte ein unauffälliges Leben: Der Täter Stephen Paddock.

kein Anbieter/Courtesy of Eric Paddock via AP
Eine Zusammenstellung dreier geleakten Polizeiaufnahme aus dem Hotelzimmer, kurz nach der Tat – zu sehen sind verschiedene Gewehre, die Leiche Paddocks (rechts unten) und vermutlich die von der Polizei erwähnte Notiz (rechts in der Mitte). (1. Oktober 2017) Bilder: Twitter, Zusammenstellung: Tamedia

Eine Zusammenstellung dreier geleakten Polizeiaufnahme aus dem Hotelzimmer, kurz nach der Tat – zu sehen sind verschiedene Gewehre, die Leiche Paddocks (rechts unten) und vermutlich die von der Polizei erwähnte Notiz (rechts in der Mitte). (1. Oktober 2017) Bilder: Twitter, Zusammenstellung: Tamedia

kein Anbieter
Hatte Stephen Paddock kurz vor seiner Tat eine Prostituierte bestellt? Polizisten in der Lobby des Wynn-Hotels in Las Vegas. (4. Oktober 2017)

Hatte Stephen Paddock kurz vor seiner Tat eine Prostituierte bestellt? Polizisten in der Lobby des Wynn-Hotels in Las Vegas. (4. Oktober 2017)

kein Anbieter/Marcio Jose Sanchez/AP

Vor einem Monat schoss Stephen Paddock in Las Vegas aus dem 32. Stock des Mandalay Bay Resort in eine Menschenmenge von rund 22'000 Konzertbesuchern. Er tötete 58 Menschen und verletzte 500 weitere. Was ihn zur Tat getrieben hat, weiss niemand. Das Motiv ist immer noch ungeklärt.

Die Ermittler gehen zurzeit jeder Spur nach und befragen alle, deren Weg jenen von Paddock gekreuzt hat. In Kürze werden die Untersuchungen mit einer etwas spezielleren Analyse ergänzt, wie die «New York Times» berichtet.

Dr. Hannes Vogel, der Direktor der Neuropathologie am Stanford University Medical Center, wird nun das Gehirn des Todesschützen sezieren und auf Krankheiten und Anomalien hin untersuchen. Er sagt: «Durch das Ausmass der Tragödie fragen sich viele Leute, wie so etwas passieren kann.» Die für die Autopsie zuständige Gerichtsmedizin bekam bereits über ein halbes Dutzend Vorschläge von möglichen neurologischen Erkrankungen zugeschickt.

Litt Paddock unter einer Frontotemporallappen-Degeneration?

Topfavorit bei den meistdiskutierten Krankheiten ist die sogenannte Frontotemporallappen-Degeneration. Sie beeinträchtigt jene Bereiche des Gehirns, die für «exekutive» Funktionen wie beispielweise das Treffen von Entscheidungen oder sozialen Interaktionen verantwortlich sind. Die Krankheit manifestiert sich meist bei 50- bis 60-Jährigen, kann Persönlichkeitsveränderungen hervorrufen und wird teilweise vererbt.

«Betroffene tendieren notorisch zu Beurteilungsfehlern und hemmungslosem Verhalten», erklärt Dr. Vogel. «Die Leute sprechen aber gleichzeitig darüber, wie Paddock akribisch alles geplant hat, darum scheint das unwahrscheinlich.» Trotzdem wird er in diesem Bereich des Gehirns «sicher keinen Stein auf dem anderen lassen».

Von Schlaganfällen bis hin zu MS

Der Neuropathologe wird so in Paddocks Hirn unter anderem nach Spuren von Schlaganfällen, Erkrankungen der Blutgefässe, Tumoren, Epilepsie, multipler Sklerose, degenerativen Erkrankungen, physischen Traumata und Infektionen Ausschau halten. «Ich bin skeptisch, dass wir etwas finden werden», wägt Dr. Vogel jedoch ab. «Die Wahrscheinlichkeit, neuropathologisch gesehen, so ein Verhalten erklären zu können, ist sehr gering.»

Obwohl die Chancen klein seien, im Gehirngewebe des Massenmörders auf Antworten hinsichtlich seines Motivs zu stossen, bleibt Dr. Vogel positiv: «Das Spekulieren wird damit ein Ende finden.»

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