Ex-IS-Kämpfer: «Gehirnwäsche gehört zum Training im IS-Camp»

Aktualisiert

Ex-IS-Kämpfer«Gehirnwäsche gehört zum Training im IS-Camp»

Nachdem er vom «Islamischen Staat» hinters Licht geführt wurde, rechnet ein ehemaliger Dschihadist mit der Terrormiliz ab. In einem Interview spricht er Klartext.

von
kmo

«Der IS zieht Menschen in einen unnötigen und sinnlosen Krieg.» Dies sagt kein westlicher Politiker, sondern ein ehemaliger Dschihadist aus Saudi-Arabien. Der junge Mann mit dem Pseudonym Abu Abdullah sprach mit Journalisten, nachdem er von Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA) gefangen genommen worden war.

Die syrischen Rebellen hätten ihm klargemacht, dass er vom IS auf eine Selbstmordmission geschickt worden war. Dass er den Kampf gegen die FSA-Truppen überlebte, sei schierer Zufall gewesen. Das war der Grund, weshalb er in ein Gespräch mit Journalisten des Online-Magazins Vocativ einwilligte (siehe Video unten). Seinen richtigen Namen und sein Gesicht wollte er allerdings nicht preisgeben.

Via Türkei nach Syrien gereist

«Ich kämpfte rund ein Jahr bei den Truppen des IS», sagte Abu Abdullah. Er habe sein Leben für Gott opfern und Märtyrer werden wollen, wegen all der Verbrechen, die gegen den Islam verübt werden, sagt er über seine Motive. Abdullah reiste von Saudi-Arabien in die türkische Stadt Antalya, wo er am Flughafen von IS-Leuten abgeholt wurde. Sie überquerten die Grenze zu Syrien am nächsten Morgen in einem Auto.

«Danach kam ich in ein abgeschlossenes Militärcamp, wo ich ein 30-tägiges Training absolvierte. Dort gibt es keine Aussenstehenden. Sobald man in dem Camp ankommt, beginnt auch schon die Gehirnwäsche, erzählte er weiter. «Seid vorsichtig», habe es immer wieder geheissen, «traut keinem Syrer, traut diesen nicht, traut jenen nicht ...». Und: «Die Amerikaner sind Atheisten, die es verdienen, abgeschlachtet zu werden.»

Aus den USA kommen mehr Frauen als Männer

Abu Abdullah bestätigte Berichte, wonach unzählige Ausländer für die Terrormiliz kämpfen: Saudis, Tunesier, Libyer, Europäer, Amerikaner, zählte er auf. Laut seinen Aussagen reisen zudem doppelt so viele Frauen wie Männer aus den USA in die Regionen des IS. «Sie wollten IS-Kämpfer heiraten. Andauernd schwärmten sie von ihren Träumen von einem ‹Land der Muslime› und so. Viele von ihnen können nicht einmal Arabisch.»

Auch über Geld sprach der Ex-Dschihadist: Der IS zahle rund hundert Dollar pro Monat, doch er selber habe das Fünffache zum Leben benötigt. Die meisten ausländischen Kämpfer brächten hingegen genügend Geld und auch Waffen mit. Manche hätten allein für die Reise bis zu 11'000 Dollar ausgegeben. Diese brauchten die Löhne des IS nicht, glaubte Abu Abdullah.

Dann die Frage zum Schluss: «Bereuen Sie es, dem IS beigetreten zu sein?» Die Antwort: «Ja» - gefolgt von seinem eingangs erwähnten Fazit: «Der IS zieht Menschen in einen unnötigen und sinnlosen Krieg.»

Das Interview im Vocativ-Video:

(auf Arabisch mit englischen Untertiteln)

(Quelle: Youtube/Vocativ)

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