E-Mobilität: Gehört den Elektro-Lastwagen die Zukunft?

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E-MobilitätGehört den Elektro-Lastwagen die Zukunft?

Designwerk gehört zu den grössten Herstellern von Elektro-LKW. Der Firmengründer ist überzeugt, dass E-Camions die Zukunft des Schwerverkehrs sind. Ein Besuch beim innovativen Schweizer Unternehmen.

von
Jan Graber
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Der gelernte Fahrzeugdesigner Tobias Wülser hat sein Unternehmen Designwerk auf die Elektrifizierung des Schwerverkehrs ausgerichtet.

Der gelernte Fahrzeugdesigner Tobias Wülser hat sein Unternehmen Designwerk auf die Elektrifizierung des Schwerverkehrs ausgerichtet.

Jan Graber

Darum gehts

  • Das Schweizer Unternehmen Designwerk ist spezialisiert auf E-LKW.

  • Der Firmengründer Tobias Wülser ist überzeugt, dass den batteriebetriebenen Lastwagen die Zukunft gehört.

  • Am Anfang der Firmengründung stand ein Weltrekord.

  • Designwerk hat zudem eine Ladeinfrastruktur entwickelt, die das Laden von LKW erlaubt, ohne das Stromnetz zu belasten.

Die sechs LKW-Zugmaschinen in der Werkhalle wirken mit ihren aufgeklappten Kabinen wie gestrandete Alien-Raumschiffe. Zugleich fällt auf, was fehlt: Keine Dieseldämpfe steigen in die Nase, kein Geruch nach Öl oder Benzin füllt die Luft. Die Betonböden wirken blank und nicht schmierig-schwarz wie in vielen Garagen.

Designwerk ist spezialisiert auf die Elektrifizierung von LKW. Die Firma ist der grösste Produzent von Elektrolastwagen in der Schweiz. Die aufgeklappten Kabinen geben den Blick demnach nicht auf Dieselmotoren, Tanks und Treibstoffleitungen frei, sondern auf komplizierte elektrische Installationen.

«Einen Teil der Technologie haben wir selbst erfunden und patentiert», sagt Firmengründer Tobias Wülser. Sechs Patente habe das Unternehmen, darunter eines für die Installation der vier je 1,3 Tonnen schweren Batteriepakete. «Zehn LKW verlassen jeden Monat unsere Werkstätte», sagt er.

In 80 Tagen elektrisch um die Welt

Wülser ist ein Fan der Elektromobilität. Wenn er von den elektrifizierten Lastwagen spricht, strahlen seine Augen. «Die grössten CO2-Schleudern des Verkehrs sind in der Müllabfuhr zu finden», sagt er. Hundert Liter Diesel würden diese auf 100 Kilometer verbrauchen. Dies habe ihm und seinem Geschäftspartner Frank Loacker den Anstoss gegeben, sich der Elektrifizierung von Lastwagen zu widmen.

Am Anfang der Gründung von Designwerk stand jedoch kein LKW, sondern ein Weltrekord: In 80 Tagen umrundeten Wülser und Loacker in einem elektrisch angetriebenen Zweisitzer die Erdkugel. Die Energiekosten für die ganze Reise im «Zerotracer»: 400 Schweizer Franken. Nach 700 Stunden in der «fahrenden Pille» wussten die beiden, dass der Elektromobilität die Zukunft gehört.

Zurück in die Werkhalle. Während der Antrieb von Dieselfahrzeugen aus über 20’000 Teilen besteht, sind im E-LKW nur 2000 Teile verbaut. Weil die Batterien ein hohes Gewicht aufweisen, sind die LKW als 42-Tonner statt als 40-Tonner unterwegs.

Zweiter Weltrekord mit über 1000 Kilometern

Als Wülser durch das Gelände führt, zeigt er auf einen «Superbomber», wie er ihn nennt: Der Lastwagen hat in einem Jahr über 140’000 Kilometer zurückgelegt. «E-LKW sind von der Schwerverkehrsabgabe befreit, mit diesem Laster wurden 134’000 Franken eingespart», sagt er stolz. In weniger als fünf Jahren sei er amortisiert.

Reichweiten sind die Stärken von Designwerk: 2021 fuhr ein E-LKW in 23 Stunden über 1000 Kilometer ohne Aufladen – Weltrekord. Eben erst hat die Firma einen LKW mit einer Batteriekapazität von 1000 Kilowattstunden vorgestellt, der 42-Tonner mit einem Meter Mehrlänge soll bis zu 640 Kilometer Reichweite schaffen.

Blick hinter die Kulissen: Statt eines Dieselmotors gibt die geöffnete Kabine den Blick auf den Elektroantrieb frei.

Blick hinter die Kulissen: Statt eines Dieselmotors gibt die geöffnete Kabine den Blick auf den Elektroantrieb frei.

Jan Graber

Millionen Tonnen CO2 sparen

Ebenfalls aus der Feder von Designwerk stammt ein noch nicht offiziell vorgestellter «Mega Charger» in Form eines Batterie-Containers. Er soll E-LKW in 45 Minuten mit 500 Kilometer Reichweite laden können, ohne das Stromnetz zu belasten. «Meines Erachtens reichen zwölf Standorte, um den elektrischen Langstreckenverkehr in der Schweiz zu bedienen», sagt Wülser. Millionen Tonnen CO2 liessen sich durch die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs einsparen.

Der Gründer ist deshalb überzeugt, dass den Elektro-Camions die Zukunft gehört. An Wasserstoff-LKW glaubt er hingegen nicht: Diese Technologie habe zusätzliche Installationen, teure Service-Arbeiten und aufwendige Energiegewinnung zur Folge. 

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